Nach zwei dunklen Blechbläserakkorden begann am Sonntag im Tempo Andante maestoso die düstere Orchestereinleitung der „Petite Messe solenelle“. In getragenem Duktus baute Joachim Trost im „Kyrie“ behutsam mit dem Chor die Welt des Flehens auf. Ein stimmiger Einstieg in die vom Komponisten Gioachino Rossini als „klein“ bezeichnete Messe (Aufführungsdauer circa 80 Minuten). Seine Widmung an den lieben Gott mit dem Wortspiel „musique sacrée (fromme Musik) und „sacrée musique (verfluchte Musik) sind ebenso ironisch gemeint.

Gefordert waren die Sängerinnen und Sänger des Philharmonischen Chores. Da Frauen- und Männerstimmen annähernd gleich stark besetzt waren, lebten die fein abgestimmten A-cappella-Abschnitte wie im „Sanctus“ vom runden vierstimmigen Gesamtklang mit vorbildlichen dynamischen Kontrasten. In den beiden großen Chorfugen „Cum sancto spiritu“ und „Et vitam venturi“ forderte Trost ein flüssiges Tempo. Doch jeder Stimmeinsatz überzeugte klar artikuliert und rhythmisch präzise. Sehr durchsichtig auch die schnellen Sechzehntelketten. Mühelos gelang der Wechsel von lyrischer Tongebung zum wuchtigen, mit kraftvollen Akzenten gespicktem Forte. Wobei Trost immer darauf bedacht war, nicht zum schmetternden Opernchor zu führen.

Gefordert waren auch die Solisten. „Ich bin für die opera buffa geschaffen“, bittet Rossini den lieben Gott für die Aufnahme ins Paradies – trotz seiner „letzten Todsünde“ mit dieser Messe. Neben den üblichen Quartetten bekam jeder Solist auch noch seinen eigenen „Bühnenauftritt“. In freudiger Mimik, dem Publikum zugewandt, schilderte Tilman Lichdi mit seinem strahlenden Tenor den himmlischen König in der Arie „Domine Deus“. In tragfähigem Volumen legte Yorck Felix seinen geerdeten Bass über den vollen Orchesterklang in der Lobpreisung „Quoniam tu solus sanctus“. Letizia Scherrer überzeugte mit einschmeichelnder Höhe, dezent begleitet von Streichern und Holzbläsern, im sehnsuchtsvollen „Crucifixus“. Auch in der zweiten Arie „O salutaris“, dieses Mal über gedämpften Streichern und federnder Nachschlag-Begleitung, bestach die Sopranistin mit lyrischer Stimmführung. Zusammen mit Stefanie Irányi, Mezzosopran, wurde das Duett „Oui tollis peccata mundi“ zum besonderen Hörerlebnis. Mit leichten Verzierungen, sensibel einander nachspürend, gelang den beiden Sängerinnen die Verbindung von nach außen und innen gerichtetem Ausdruck. Alle Solisten zusammen bildeten ein stimmlich sehr ausgeglichenes Quartett.

Die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz zeigte große Präsenz mit viel Spielfreude. Die vielen wechselnden Klangfarben des voll besetzten Sinfonieorchesters gaben dieser Aufführung den selten zu hörenden besonderen Reiz. Im Gegensatz zur ersten Fassung, nur mit Klavier und Harmonium begleitet, konnten die Stimmungen in Vorspielen vorbereitet werden. Hellwach reagierten die Musiker auf die Ausdruckswechsel, Verzögerungen und Haltepunkte in den Arien, die Trost treffend vorgab. In den Chorfugen wurden die zugewiesenen Stimmen gut gestützt. Einen besinnlichen Ruhepunkt, zusammen mit dem Klaviersolo, gab es im instrumentalen „Prelude religieux l‘Offertoire“.

Wie zu Beginn das „Kyrie“ leiteten Trauerakkorde das „Agnus Dei“ ein. Über trauermarschartige Musik legte die Mezzosopranistin ihr Flehen um Erbarmung und Frieden mit großer Kraft. Der Chor setzte dieses Bitten zweimal im leisten Piano und sotto voce fort, um beim dritten Mal zusammen mit der Solistin im verzweifelten „Miserere“ laut auszubrechen. Nach einem letzten „Dona nobis pacem“ führte eine Kadenz des Orchesters zum Ende des eindrucksvollen Werkes.

Viel verdienter Beifall im ausverkauften Hugo-Eckener-Saal für Chor, Solisten, Orchester und Dirigent. Ein besonderes Lob für Joachim Trost, der die auftrumpfende Opernmusik und die innige Kirchenmusik trefflich zusammenbrachte.