Wegen einer exhibitionistischen Handlung hat das Amtsgericht Tettnang einen 34-jährigen Mann zu 90 Tagessätzen zu zehn Euro verurteilt. Der Angeklagte arbeitete als Aushilfe in einem Seniorenheim. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er im November 2015 vor einer Altenpflegerin sein erigiertes Geschlechtsteil zeigte, manipulierte und die Frau aufforderte, es anzufassen.

Der Angeklagte stammt aus Syrien, ist verheiratet, hat zwei kleine Kinder und lebt seit 2015 in Deutschland. Im Herbst 2015 arbeitete er bei der Essensausgabe in einem Friedrichshafener Altersheim. Er bestritt die Tat und beschuldigte im Gegenzug die Geschädigte, ihm sexuelle Avancen gemacht zu haben. Sie habe ihn an dem Abend um Hilfe gebeten und auf seine Körpermitte gezeigt. Er habe abgelehnt. Als erste Zeugin berichtete die Geschädigte. Sie habe eine bettlägerige und demente Bewohnerin frisch gemacht, als der Angeklagte in das Zimmer gekommen sei. Er habe seine Hose geöffnet, sein Geschlechtsteil entblößt und gesagt: "touch it" – "Fass es an". "Er hat meine Hand genommen und wollte sie zu seinem Genital führen, da hab ich mit losgerissen und bin zur Tür gelaufen," sagte sie. Sie habe eine Kollegin angerufen. Ob sie Interesse an seiner Person signalisiert habe, fragte Richterin Lauchstädt. "Nein. Ich bin lesbisch, ich steh' nicht auf ihn", antwortete die Zeugin.

An einem anderen Abend habe sie der Angeklagte in der Wäschekammer überrascht. "Er stand hinter mir und wollte mich umarmen und küssen. Er war mit dem Mund an meiner Wange, da hab ich ihn weggeschubst und mich in einer Umkleide eingeschlossen." Wieder habe sie eine Kollegin zu Hilfe geholt. Bei deren Eintreffen sei der Angeklagte weg gewesen. Zwei Kolleginnen untermauerten den Bericht. Die eine schilderte, dass sie auf den Anruf hin in das Zimmer eilte: "Ich habe von der Seite gesehen, wie er sich die Hose zugemacht hat, eine Jeans mit Gürtel." Die andere sagte, die Geschädigte habe ihr den Vorfall erzählt, wollte aber trotz Zuredens zunächst keine Anzeige machen. Einige Tage später wurde sie zur Station der Geschädigten gerufen und habe diese aus der Umkleide kommen sehen. "Sie war komplett aufgelöst, verstört und ängstlich," sagte sie.

Drei Zeuginnen, die den Angeklagten und seine Familie als Ehrenamtliche betreut haben, schildern ihn als freundlich, gebildet und tadellos im Umgang. Alle drei sagten aus, er habe sich durch das Verhalten einer Kollegin im Heim irritiert gefühlt und gefragt, ob es normal sei, dass deutsche Frauen ihn auf Sex ansprächen. Die Zeuginnen schilderten zwei Persönlichkeiten, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Angstler: Die Helferinnen, die mit der ganzen Familie zu tun hatten, hätten den fürsorglichen Familienvater beschrieben, die Kolleginnen den südländischen, Frauen gegenüber distanzlosen Macho. Er halte die Zeugenaussage der Geschädigten für konsistent. "Warum sollte sich die Zeugin solch eine Geschichte ausdenken und noch eine Kollegin hineinziehen?" Verteidiger Boris Koch dagegen nannte den Vorwurf eine "erfundene Räuberpistole." Richterin Lauchstädt folgte mit dem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft.