Heute ist es selbstverständlich, dass jedes Kind in den Kindergarten geht und seit August 2013 gibt es sogar einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ab dem ersten Lebensjahr. Ganz anders sah das in den 1960er Jahren aus. Aber die Zeiten änderten sich und es entstanden immer mehr Kindergärten, so auch der in Kluftern. In diesem Jahr feiert er sein 50-jähriges Bestehen.

1968 eröffnete der Kindergarten Kluftern: In zwei ehemaligen Klassenzimmern der Schule wurden in der Anfangszeit bis zu 88 Kinder in zwei Gruppen betreut.
1968 eröffnete der Kindergarten Kluftern: In zwei ehemaligen Klassenzimmern der Schule wurden in der Anfangszeit bis zu 88 Kinder in zwei Gruppen betreut. | Bild: Arbeitskreis Heimatgeschichte Kluftern

Im Jahr 1962 ist die erst acht Jahre alte Schule in Kluftern zu klein geworden und der Bau eines neuen Schulgebäudes wurde notwendig. Damit rückte der Bau eines Kindergartens weiter in die Ferne. Eine neue Situation ergab sich 1967, als die Klufterner Hauptschüler im Zuge der Schulreform der Stadt Markdorf zugeordnet wurden.

Klassenzimmer werden zu Kindergartenräumen

Die frei gewordenen Klassenzimmer wurden sofort zu Kindergartenräumen umgestaltet, sodass der Kindergarten 1968 eröffnet werden konnte. Dies entsprach dem dringenden Bedürfnis von Eltern und Kindern. Trotzdem gab es auch kritische Stimmen, die es lieber gesehen hätten, dass die Kinder bis zur Einschulung zu Hause bleiben. Vorgesehen war der Kindergarten für 40 Kinder, aufgenommen wurden aber bis zu 88.

Kleine Aufführungen waren ein fester Bestandteil im Kindergarten Kluftern.
Kleine Aufführungen waren ein fester Bestandteil im Kindergarten Kluftern. | Bild: privat

Noch gut kann sich Christa Maurer aus Markdorf an die Anfangszeit des Kindergartens im Jahr 1968 im alten Schulgebäude der Grundschule erinnern. „Es war eine tolle Zeit und wir haben uns im Kindergarten wie in einer großen Familie gefühlt“, so Maurer. Mit 19 Jahren hat sie als pädagogische Hilfskraft begonnen und war insgesamt 25 Jahre im Kindergarten Kluftern tätig. Für die Kinder war sie einfach die „Tante Christa“.

Bis zu 88 Kinder in zwei Gruppen

Zusammen mit der ersten Kindergartenleiterin Karin Langer war sie für bis zu 88 Kinder in zwei Gruppen verantwortlich. „Viele Eltern waren froh, dass ihre Kinder versorgt waren“, erinnert sie sich. Zwar seien die wenigsten Mütter berufstätig gewesen. Viele arbeiteten aber mit in der Landwirtschaft oder im Obstbau. „Deshalb war es für sie eine große Entlastung, wenn die Kinder für ein paar Stunden betreut wurden.“

Für die Klufterner Kindergartenkinder war sie "Tante Christa": Christa Maurer hat von 1968 an 25 Jahre im Kindergarten Kluftern gearbeitet.
Für die Klufterner Kindergartenkinder war sie "Tante Christa": Christa Maurer hat von 1968 an 25 Jahre im Kindergarten Kluftern gearbeitet. | Bild: Claudia Wörner

Ein direktes pädagogisches Konzept habe es in der Anfangszeit nicht gegeben. „Wir haben mit dem Herz erzogen und das war nicht schlecht“, ist Maurer überzeugt. Wenn die Kinder zwischen 8 und 9 Uhr kamen, war erst mal Freispiel angesagt. Um 10 Uhr stand das gemeinsame Vesper auf dem Plan und anschließend wurde im Stuhlkreis gesungen, gespielt, erzählt und vorgelesen.

Programm je nach Jahreszeit

Je nach Jahreszeit bastelten die Kinder Laternen, Nikoläuse oder Osterhasen. Auch beim Fasnetsumzug waren die Kindergartenkinder mit von der Partie. „Von 11.30 bis 13.30 Uhr war der Kindergarten geschlossen und die Kinder waren daheim beim essen“, erinnert sich Maurer. Am Nachmittag kam ein Teil der Kinder wieder und war mit „Tante Christa“ und Kindergartenleiterin Karin Langer bei Spaziergängen oder gerne auch auf dem Spielplatz.

Mit Musik und Gesang wurde das Jubiläum im Mai zusammen mit Kindern, Eltern, Großeltern, Freunden und Ehrengästen gefeiert.
Mit Musik und Gesang wurde das Jubiläum im Mai zusammen mit Kindern, Eltern, Großeltern, Freunden und Ehrengästen gefeiert. | Bild: Claudia Wörner

In den ersten Jahren sah die pädagogische Arbeitsweise der Erzieherinnen – damals Kindergärtnerinnen genannt – das Freispiel, Stuhl- und Spielkreise, Aufenthalte im Garten, Spaziergänge und kleine Ausflüge vor. Jedes Kind brachte sein Vesper samt Getränk selbst von zu Hause mit.

Kleine Aufführungen gehören dazu

Bei Kindergartenfesten im Jahreslauf zeigten die Kinder kleine Aufführungen und erhielten danach zum Beispiel ein Eis als Belohnung. Als Zuschauer mit dabei waren die Eltern. Geöffnet war der Kindergarten von 8 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr. Damit orientierte er sich an den Arbeitszeiten der überwiegend in der Landwirtschaft tätigen Familien.

Ehemaliger Bürgermeister über die Gründung

Auch Kurt Brotzer, damals Bürgermeister von Kluftern, erinnert sich noch gut an die Gründung des Kindergartens. „Durch den Wegfall der Hauptschule wurden Räume frei, die wir für einen Kindergarten umgestalten konnten“, berichtet er. Damals, selbst ein junger Familienvater, hatte er den Bedarf gesehen. Nicht einfach sei es gewesen, das passende Personal zu finden.

Kinder bei Erzieherinnen in guten Händen

Die Bewerbung von Christa Maurer war die erste, die im Rathaus eingegangen war. „Ich war mir sicher, dass die Kinder bei ihr in guten Händen sind. Deshalb habe ich sie eingestellt“, berichtet Brotzer. Bis heute sei er davon überzeugt, dass bei den Kindern ein guter Grundstock fürs Leben gelegt worden sei. So sieht es auch seine Frau Lieselotte. Für die Kinder sei es positiv gewesen, sich in eine Gruppe einzufinden.