Man mag es sich gar nicht vorstellen – ein bewusstloses Kind oder ein Baby, das kein Lebenszeichen von sich gibt! Um für eine solche Situation gewappnet zu sein, üben Pflegepersonal und Ärzte des Klinikums Friedrichshafen an Reanimations-Übungspuppen, was im Notfall zu tun ist. Finanziert wurden die Übungspuppen vom Verein der Freunde und Förderer des Klinikums.

Im Mutter-Kind-Zentrum des Klinikums hat Fachkinderkrankenschwester Melanie Graf schon alles für die Schulung vorbereitet. Auf einer Matte liegt der etwa 30 Kilogramm schwere „Junior“, neben ihm die fast lebensecht wirkende Babypuppe. „Bei der Schulung geht es neben der Theorie hauptsächlich um den praktischen Teil“, erklärt sie. Glücklicherweise komme es nur sehr selten vor, dass ein Kind reanimiert werden müsse. „Umso wichtiger ist es, dass man im Notfall weiß, was zu tun ist“, sagt Melanie Graf. Zähle bis zum Eintreffen des Intensivteams doch jede Minute. Deshalb wiederholen die Pflegekräfte alle drei Jahre die Reanimationsschulung, auf Wunsch auch jährlich. So kommen die Übungspuppen etwa alle zwei Monate zum Einsatz.

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Herzdruckmassage und Beatmung: Die Kinderkrankenschwestern Jennifer Pinekenstein (links) und Sarah Schnell wappnen sich für den Fall, dass sie ein Kind reanimieren müssen.
Herzdruckmassage und Beatmung: Die Kinderkrankenschwestern Jennifer Pinekenstein (links) und Sarah Schnell wappnen sich für den Fall, dass sie ein Kind reanimieren müssen. | Bild: Claudia Wörner

Kein Muskeltonus, keine Schutzreflexe, die Zunge rutscht nach hinten und es kann sein, dass Mageninhalt nach oben schwappt. Zu Beginn der Schulung erläutert Melanie Graf, woran man eine Bewusstlosigkeit erkennt. „Stellt euch vor, ihr trefft auf ein Kind, das allein im Treppenhaus liegt.“ Zunächst sei der Atem zu kontrollieren, wobei der Kopf überstreckt werde. Beim Baby werde der Kopf aus anatomischen Gründen jedoch nicht überstreckt. Die Beatmung sei bei vor allem bei Kindern ein effektiver Bestandteil der Reanimation. „Dabei schließt ihr entweder Mund oder Nase und beatmet mit fünf Atemzügen durch die andere Öffnung, bis sich der Brustkorb hebt“, erläutert sie. Anschließend üben die examinierten Kinderkrankenschwestern an den lebensechten Puppen. Zur Praxis gehört außerdem die Herzdruckmassage, für die auch bei Kind Kraft aufgewendet werden muss. „Beim Junior verwendet ihr den Handballen, beim Baby entweder zwei Finger einer Hand oder zwei Daumen“, so Melanie Graf.

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Vor der Spende des Fördervereins hat sich die Kinderklink die Puppen zu jeder Schulung von Hilfsdiensten wie dem Deutschen Roten Kreuz oder den Johannitern ausgeliehen. „Jetzt sind keine Terminabsprachen mehr nötig und wir sind dem Förderverein sehr dankbar, dass wir eigene Übungspuppen haben“, betont Melanie Graf. Rund 7000 Euro kostete allein der „Junior“. Alle Übungspuppen sind mit vielen technischen Raffinessen ausgestattet, die eine reelle Reanimationsübung ermöglichen. „Es ist toll, dass wir hier beispielsweise auch unsere Defibrillatoren anschließen können“, sagt Oberärztin Dr. Simone Jedwilayties. Aber auch der Herzschlag kann simuliert werden und ein EKG ist ebenso möglich. Ein an den Puppen angeschlossenes Kontrollgerät zeigt genau an, ob der Druck bei der Herzdruckmassage richtig ist und ob die Beatmung die gewünschte Wirkung zeigt.

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Seit seiner Gründung 2006 hat der Verein der Freunde und Förderer des Klinikums 25  Projekte gefördert und dafür rund 200 000 Euro in die Hand genommen. Dabei finanziert er Maßnahmen, die über die Grundversorgung hinausgehen, aber nichtsdestotrotz zur Gesundung und zum Wohlbefinden der Patienten beitragen. Neben der Finanzierung der Reanimationspuppen sorgte der Verein zuletzt für die Einrichtung eines Palliativzimmers, die allein 36 700 Euro gekostet hat. In diesem Jahr sollen zehn Alarmierungsfußmatten und ein System zur Mobilisierung bettlägeriger Patienten im Wert von rund 33 000 Euro angeschafft werden.