Rosinenbrötchen sind echte Gesprächsöffner. So sehen es zumindest die Mitglieder vom Verein Frühlingserwachen. „Viele Menschen verbinden mit Rosinenbrötchen Kindheitserinnerungen, aber sie kaufen sie sich nicht“, sagt Initiatorin Lena Rainer. Darüber können sie reden – oder über alles andere.

Kaffee, Gebäck und jemand, der zuhört

Kaffee, Backwaren und jemand, der zuhört: Das ist das Angebot vom Frühstücksbus. Frank Labitzke sagt: „Wir verstehen uns als Botschafter eines respektvollen Dialogs.“ Das Ziel: miteinander statt übereinander reden, Menschen zusammenbringen, die sich sonst nicht treffen. Reiner sagt: „Jeder ist uns so willkommen, wie er ist.“

Das könnte Sie auch interessieren

Der Frühstücksbus setzt auf Gemeinschaft in Vielfalt. Den Anstoß gab die Ankunft vieler Flüchtlinge in Deutschland, der Ansatz ist universal. „Die Vielfalt ist da, die ist der Zustand, aus dem wir kommen. Fakt ist, wir sind alle vielfältig und müssen lernen, damit umzugehen“, sagt Reiner.

Verein gibt für Mitglieder Workshops in Kommunikation

Das Konzept hat der Verein entwickelt und trainiert in eigenen Workshops die respektvolle Kommunikation auch mit Menschen anderer Meinung, Werte oder Herkunft. Unter den rund 50 Mitgliedern sind Alt- und Neubürger, Studenten, Geflüchtete, Verwaltungsangestellte oder Selbstständige. Neumitglied Walter Schmidt gefällt das. Der 71-Jährige sagt: „Hier machen Junge und Ältere mit und es kommen immer Neue.“

Frühstücksbus zweimal im Jahr unterwegs

Zweimal im Jahr geht der Frühstücksbus auf Tour. Zum fünften Mal stand er jüngst eine Woche lang an verschiedenen belebten Orten in Friedrichshafen, vor Bodenseecenter, Bahnhöfen, Kirchen, Supermärkten oder großen Firmen. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter bauen Biertische auf, kochen Kaffee und Tee und haben Zeit für Begegnungen.

Pro Woche 200 bis 600 Gespräche

Wie groß der Bedarf ist, zeigen die Besucherzahlen, sagt Reiner. Zwischen 200 und 600 Gespräche führen die Akteure in einer Woche. Labitzke erzählt: „Viele haben kein Problem, sie sind auch nicht auf der Suche. Sie wollen nur einen Kaffee, bleiben und merken dann, wie gut das tut.“

Das könnte Sie auch interessieren

Einrichtungen und Unternehmen unterstützen Aktion

In Friedrichshafen hat der Bus viele Unterstützer, von Stadtverwaltung über Weltladen, Bäckereien und Diakonie bis zu Autovermietern. Die Idee ist über Friedrichshafen hinausgewachsen, es gibt Lokalgruppen zum Beispiel in München, Berlin, Bremen, Potsdam und Dresden.

Ziel ist Teilzeitstelle zur Koordination der Lokalgruppen

Jetzt bewirbt sich Frühlingserwachen um den Deutschen Integrationspreis. „Mit dem Geld wollen wir die Lokalgruppen unterstützen, sodass jede eine Art Startset hat, Banner, Flyer und ein Budget für Kaffee, Tankfüllung und Backwaren„, sagt Reiner. Sollte es mehr Geld geben, plant der Verein die Einrichtung einer Teilzeitstelle für die Koordination der einzelnen Lokalgruppen.