Noch nie wurde in Friedrichshafen an einem Tag mehr Wasser verbraucht als am 1. August 2018, gab das Stadtwerk am See bekannt. Dafür hat das Seewasserwerk beim Strandbad mit 20 364 Kubikmetern Wasser – also über 20 Millionen Liter – eine historische Höchstleistung erbracht. Der letzte Förderrekord datiert vom 23. Juli 2013 mit 19 328 Kubikmeter Wasser. Die Dauerhitze fast ohne Regen fordert ihren Tribut. Die Zisternen sind leer, gegossen wird mit Trinkwasser, zumal das Landratsamt verboten hat, Wasser zum Gießen aus Flüssen und Bächen zu holen. Und viele Touristen verbrauchen auch viel Wasser.

Wassermeister Alexander Belard am Hauptrohr, in dem das Frischwasser aus dem See ins Wasserwerk gepumpt wird. Hier beginnt die Aufbereitung des bereits sehr sauberen Wassers zu Trinkwasser.
Wassermeister Alexander Belard am Hauptrohr, in dem das Frischwasser aus dem See ins Wasserwerk gepumpt wird. Hier beginnt die Aufbereitung des bereits sehr sauberen Wassers zu Trinkwasser. | Bild: Katy Cuko

Trotzdem braucht sich in Friedrichshafen niemand Sorgen machen, dass das Wasser knapp werden könnte. Dafür sorgt der Bodensee als riesiger Trinkwasserspeicher, aus dem fast alle Häfler – bis auf die Ettenkircher – ihr Wasser bekommen. Wie das genau funktioniert, hat uns Alexander Belard, Wassermeister beim Stadtwerk am See, erklärt. Er ist zuständig für den Betrieb des Seewasserwerks und der Hochbehälter in Friedrichshafen.

Das 1916 erbaute Wasserwerk steht heute noch vis a vis des heutigen Seewasserwerks.
Das 1916 erbaute Wasserwerk steht heute noch vis a vis des heutigen Seewasserwerks. | Bild: Katy Cuko
  1. Wer ist für die Wasserversorgung in Friedrichshafen zuständig? Das Stadtwerk am See. Es betreibt das Seewasserwerk am Strandbad und verteilt das Wasser über drei Pumpwerke und vier Wasserspeicher in die Haushalte. Ettenkirch hängt allerdings nicht an diesem Netz: Die Haushalte dort bekommen Trinkwasser vom Zweckverband Gehrenberg-Wasserversorgung, der sein Wasser aus zwei Grundwasserbrunnen in Oberteuringen zieht. Da die erlaubte Menge wegen der anhaltenden Trockenphase zu Spitzenzeiten im Verbrauch nicht reicht, wird derzeit Wasser vom Zweckverband Unteres Schussental in Meckenbeuren zugekauft.
  2. Wieviel Wasser verbrauchen die Häfler im Durchschnitt? "Im Jahresdurchschnitt fließen täglich zwischen 12 000 und 14 000 Kubikmeter durch die Leitungen", so Alexander Belard. Für die Wassertechnik war die Höchstleistung am 1. August daher auch kein Problem. „Die Pumpen liefen an diesem Rekordtag 20 Stunden und förderten 1000 Kubikmeter pro Stunde." Aber damit ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht: Maximal sind 1750 Kubikmeter pro Stunde möglich und erlaubt.
  3. Wie wird Trinkwasser in Friedrichshafen gewonnen? Im Seewasserwerk am Strandbad, das vollautomatisch läuft. Für die Betriebssicherheit rund um die Uhr sorgt eine Leitstelle. Das Wasser wird in 45 Metern Tiefe gezogen und über drei fette, rund 1,3 Kilometer lange Rohre ins Wasserwerk gepumpt. "Das Wasser ist schon von Haus aus sauber, aber eben nur Trinkwasser ohne Gewähr", sagt Alexander Belard. Deshalb muss es aufbereitet werden. Dafür werden Trübstoffe herausgefiltert, Krankheitserreger mit Ozon abgetötet und das Reinwasser zum Schluss noch mit Chlorgas desinfiziert. Aber nicht mehr lange: Statt Chemie werden in naher Zukunft UV-Lampen eingesetzt. Im nächsten Winter soll die Anlage eingebaut werden. "Eine tolle Sache für die Bürger", freut sich der Wassermeister.
  4. Wie wird das Trinkwasser in der Stadt verteilt? Friedrichshafen ist in vier Druckzonen aufgeteilt. Druckzone 1 bekommt das Wasser aus dem Wasserspeicher in der Hochstraße, Druckzone 2 vom Speicher in Raderach, Druckzone 3 vom Horacher Speicher und die Klufterner vom Speicher Hugenloh. "Jeder Speicher ist von der Kapazität her so ausgelegt, dass eine Füllung einen Tag lang reicht", erklärt Alexander Belard. Nachgefüllt wird aber ständig und nacheinander: Die Pumpleitungen gehen vom Wasserwerk in den Hochbehälter Hochstraße, der 11 500 Kubikmeter Wasser fasst, und von hier zum Hochbehälter Raderach. Das Stadtwerk hat in diesen Speicher gerade zwei Millionen Euro investiert, um die Kapazität von 6000 auf 10 000 Kubikmeter auszubauen. Von Raderach aus wird das Wasser in die Speicher Horach und Hugenloh gepumpt. Noch: Der nur 700 Kubikmeter fassende und sanierungsbedürftige Speicher Hugenloh soll stillgelegt werden. In der Stadt sind 425 Kilometer Rohre verlegt, die das Trinkwasser an die über 10 000 Haushalte verteilen.
  5. Bekommen alle Seegemeinden ihr Trinkwasser aus dem Bodensee? Nein. Eriskirch, Langenargen oder Oberteuringen etwa erhalten Brunnenwasser. Markdorf hingegen bekommt knapp 90 Prozent seines Trinkwassers aus dem Häfler Wassernetz; auch dafür wurde die Kapazität des Hochbehälters Raderach ausgebaut. Immenstaad versorgt sich mit Seewasser aus dem eigenen Wasserwerk. Das meiste Trinkwasser aus dem See zieht die Bodensee-Wasserversorgung. Der Zweckverband beliefert über Fernleitungen rund vier Millionen Menschen in rund 320 Städten und Gemeinden bis nach Stuttgart mit Trinkwasser aus dem See – rund 130 Millionen m³ pro Jahr. Zum Vergleich: Das Stadtwerk zieht 4,5 Millionen m³ Seewasser im Jahr für die Häfler Abnehmer.
Vor dem Seewasserwerk gibt es einen Brunnen mit frischem, kühlen Trinkwasser.
Vor dem Seewasserwerk gibt es einen Brunnen mit frischem, kühlen Trinkwasser. | Bild: Katy Cuko

Historie der Häfler Wasserversorgung

Seit 102 Jahren wird für die Häfler Trinkwasser aus dem Bodensee gepumpt.

Das alte Seewasserwerk ist heute ein unscheinbarer Bau. Er steht auf der anderen Seite des Königswegs gegenüber vom heutigen Wasserwerk. Im Erdgeschoss des 1916 erbauten Hauses liefen die Pumpen, oben wohnte der Pumpenmeister, weiß Alexander Belard. Das Wasser wurde beispielsweise in den ehemaligen Wasserturm im Riedlewald – 1922 gebaut – gepumpt und weiterverteilt. Im Nebenbau des alten Wasserwerks, das dem Stadtwerk am See gehört, ist bis heute eine Trafostation, die den Strom fürs Seewasserwerk bereitstellt.

Als die Wasseraufbereitung in den 1950er Jahren technisch anspruchsvoller wurde, baute die Stadt gut 100 Meter östlich vom Wasserwerk eine Adsorptionsanlage, in der das Wasser gechlort wird. 1969 entschloss man sich, ein modernes Wasserwerk auf dem Strandbadgelände zu bauen. Das ging 1970/71 in Betrieb. Die Adsorptionsanlage wurde nicht mehr gebraucht und bis 1995 stillgelegt, bis man eine zweite Filterstufe einbaute und die Anlage als Sicherheit für mögliche Ölunfälle durch die Eni-Pipeline am Bregenzer Seeufer wieder in Betrieb nahm. Seitdem wird hier das Trinkwasser vor der Verteilung mit Chlorgas desinfiziert.