Nach dem überraschenden Rauswurf von Dornier-Museumsdirektor Berthold Porath, den die Dornier-Stiftung am Dienstagabend kurz und knapp verkündete, wabern etliche Gerüchte durch die Stadt. Dornier-Erbe David Dornier, Sohn von Silvius Dornier (90), übernimmt die Leitung des privaten Museums am Flughafen.

Ob der plötzliche Machtwechsel, von dem Porath nach eigenen Aussagen selbst nichts wusste, mit einer möglichen Fusion des Zeppelin Museums und des Dornier-Museums zu tun hat, ist weiterhin unklar. Weder die Stadtverwaltung, noch die Stiftung äußern sich öffentlich. Das sind die Fakten:

  • Subvention des Dornier-Museums: Zur Eröffnung 2009 bekam das private Museum, das in Stiftungsbesitz ist und von Silvius Dornier gegründet wurde, einen Zuschuss aus der Zeppelin-Stiftung von rund 900.000 Euro. Seither finanziert sich das Museum komplett aus eigenen Mitteln. Dass es seitens der Dornier-Familie Bestrebungen gibt, diese Situation zu ändern, ist bekannt. "Ich hatte Oberbürgermeister Brand und den Ältestenrat des Gemeinderats der Stadt Friedrichshafen darüber unterrichtet, dass es meiner Familie allein auf Dauer nicht möglich sein wird, die finanziellen Lasten, die mit der Zukunftssicherung des Museums verbunden sind, zu tragen", sagte Silvius Dornier jüngst in einem Interview. Aus gut informierten Kreisen ist zu hören, dass Brand mit den Mitgliedern des Finanz- und Verwaltungsausschusses (FVA) am Montagabend im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung über einen Zuschuss aus der Zeppelin-Stiftung sprechen wollte. Das Gespräch kam nicht zustande, da Brand krank und nicht anwesend war.
  • Fusion der Museen: Ebenfalls auf der Tagesordnung des nicht-öffentlichen Teil der FVA-Sitzung: Gespräche über die Entwicklung und Erweiterung des Zeppelin Museums und das von Brand bereits mehrfach erwähnte Museumsquartier am Hinteren Hafen. Silvius Dornier betonte in einem vergangenen Interview, dass eine Fusion der beiden größten Museen in Friedrichshafen für ihn auf der Hand läge.

    Konzeptionell sind das Zeppelin Museum und das Dornier-Museum bisher nicht enger miteinander verknüpft, es gibt allerdings kombinierte Eintrittskarten-Angebote. Klar ist: Das Zeppelin Museum hatte 2016 rund doppelt so viele Besucher (235.000) als das Dornier-Museum (110.000) und ist somit der wichtigste Touristen-Magnet der Stadt. Eine Verschmelzung der Museen würde zu Lasten der Eigenständigkeit des Dornier-Museums gehen, aber auch finanzielle Sicherheit durch die Zeppelin-Stiftung bedeuten.

    Für Rainer Schmidberger, bis März 2017 langjähriger Vorsitzender des Freundes- und Förderkreises Dornier-Museum, ist eine mögliche Fusion oder Zusammenführung Dornier-/Zeppelin Museum kein Schreckgespenst. "Im Gegenteil", sagt er, ein gemeinsamer Weg würde positive Effekte haben. „Beide Museen erhöhen die Attraktivität der Stadt und sind Teil ihrer Geschichte." Eine wirkliche Horrorvision ist für Schmidberger, dass sich die Familie Dornier aus finanziellen Gründen vom Museum verabschiedet und das Haus geschlossen wird. Dass mit David Dornier nun ein Mitglied der Familie dem Dornier-Museum vorsteht, sieht Schmidberger als „starkes Signal und wichtige Botschaft“ der Dornier-Stiftung für einen Erhalt.
  • Museumsquartier: Bisher ist ein solches Quartier noch eine Zukunftsvision, doch es laufen bereits seit längerer Zeit Gespräche zwischen Oberbürgermeister Andreas Brand und Claudia Emmert, Chefin des Zeppelin-Museums über inhaltliche und räumliche Konzepte einer Erweiterung zur Museumsmeile. Auch Familie Maybach will ihr Erbe in Friedrichshafen repräsentiert sehen und klopfte bereits mehrfach bei der Stadt an. Das Problem: Im Sanierungsgebiet Hinterer Hafen stehen nur bedingt Flächen zur Verfügung (siehe Karte).

    Nachdem die Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) in Konstanz Anfang 2017 verkündeten, den Standort ihrer Werft beizubehalten und zu sanieren, ist klar: Als mögliche Erweiterungsflächen für das Zeppelin Museum stehen nur das Zollamt, der Hafenbahnhof und der Bereich um die Esso-Tankstelle und der Parkplatz Hinterer Hafen zur Verfügung, denn diese sind nach SÜDKURIER-Informationen komplett in städtischem Besitz. In einem solche Quartier könnte nicht nur die Technik-, Industrie- und Stadtgeschichte gezeigt, sondern auch die hochkarätige Kunstsammlung in einem größerem Umfang präsentiert werden.

 

Sanierungsgebiet


Pläne: Die Überlegungen zur Neugestaltung des Hinteren Hafens sind noch ganz am Anfang. Die grundsätzliche Entscheidung muss der Gemeinderat erst noch mit einer Sanierungssatzung treffen.

Verfahren: "Es ist vorgesehen, zukünftige Nutzungen über Wettbewerbsverfahren zu entwickeln", sagte Baubürgermeister Stefan Köhler im Januar.