Rote Baumkronen, frisches Bohrmehl am Stamm, helle Flecken an der Rinde, Rückstände von Harz. Auf dem Boden liegen mehrere Zentimeter hoch Nadeln und Rinde. All das sind Anzeichen dafür, dass der rund fünf Millimeter große Feind der Fichten aktiv ist. Die Rede ist vom Borkenkäfer oder auch Buchdrucker. Nach den extrem heißen und trockenen Sommerwochen, ist der Pflanzenschädling über den Häfler Seewald hergefallen. Mehr als 150 Fichten an insgesamt drei betroffenen Waldflächen müssen deswegen gefällt werden, heißt es seitens der Stadtverwaltung.

Im Häfler Seewald mussten Ende August mehr als 150 Fichten gefällt werden, weil sie vom Borkenkäfer befallen waren – eine Folge der Trockenperiode.
Im Häfler Seewald mussten Ende August mehr als 150 Fichten gefällt werden, weil sie vom Borkenkäfer befallen waren – eine Folge der Trockenperiode. | Bild: Mona Lippisch

Die Stellen, auf denen die Borkenkäfern ihr Werk angerichtet haben, liegen alle am östlichen Ende des Seewaldes kurz vor Lochbrücke in Richtung Meckenbeuren. Spaziergänger und Radfahrer, die dort unterwegs sind, müssen in der Zeit der Arbeiten mit abgesperrten Wegen rechnen. „Wir müssen absperren. Das ist sonst einfach zu gefährlich für Passanten“, sagt Markus Brenner bei einem Rundgang durch den Wald. Seit 2010 arbeitet Brenner als Förster im Landkreis, seit rund eineinhalb Jahren ist er zuständig für das Forstrevier in Friedrichshafen.

Förster Markus Brenner zeigt auf die Rinde einer befallenen Fichte.
Förster Markus Brenner zeigt auf die Rinde einer befallenen Fichte. | Bild: Mona Lippisch

Trockenheit optimal für Schädlinge

„Eigentlich kann man noch von Glück reden“, sagt Brenner. Damit meint der Experte den ausschließlichen Befall der Fichten. Andere Baumarten passen nämlich nicht in das Nahrungsschema des Borkenkäfers.

So sieht die Rinde vieler Fichten im Überlinger Wald aus: Die Fraßgänge auf der Innenseite sind ein typisches Kennzeichen für den Befall durch einen Borkenkäfer.
So sieht die Rinde vieler Fichten im Überlinger Wald aus: Die Fraßgänge auf der Innenseite sind ein typisches Kennzeichen für den Befall durch einen Borkenkäfer. | Bild: Lippisch, Mona

„Durch Massenbefall bringt der Käfer die Bäume zum Absterben. Wegen der anhaltenden Trockenheit und Wärmeperiode, die unser Wetter seit Anfang April quasi bestimmte, hatten die Schädlinge optimale Bedingungen“, erklärt Brenner. Die Fichten konnten die Borkenkäfer mit eigenen Mitteln – etwa der Harzbildung – nicht abwehren. „Bei guter Wasserversorgung, hätten es die Bäume geschafft. Aber geregnet hat es diesen Sommer leider auch zu wenig“, sagt der Förster.

Förster Markus Brenner zeigt ein Merkmal des Borkenkäferbefalls: braunes Bohrmehl auf der Rinde und am Stammfuß des Baumes.
Förster Markus Brenner zeigt ein Merkmal des Borkenkäferbefalls: braunes Bohrmehl auf der Rinde und am Stammfuß des Baumes. | Bild: Mona Lippisch

Die einzige Möglichkeit, einen solchen Befall zu stoppen, sei die Fällung der Fichten. Mit einem Holzvollernter wird der Baum am unteren Ende gepackt und aus dem Boden gezogen. Unmittelbar danach entfernt das Forstgerät die Äste mit dem sogenannten Entastungsmesser. „Praktisch ist, dass die Fichte dann direkt in fünf Meter lange verkaufsfertige Abschnitte geteilt wird“, sagt Brenner. Etwa zwei bis drei Minuten dauert es vom Entwurzeln bis zum Teilen eines Baumes.

Im Häfler Seewald mussten Ende August mehr als 150 Fichten gefällt werden, weil sie wegen Trockenheit vom Borkenkäfer befallen waren.
Im Häfler Seewald mussten Ende August mehr als 150 Fichten gefällt werden, weil sie wegen Trockenheit vom Borkenkäfer befallen waren. | Bild: Mona Lippisch

Die Aktion ist für die kommenden zwei Wochen angesetzt. „Durch starken Regen wird das Fällen natürlich schon beeinträchtigt. Da kann der Vollernter nicht fahren. Der bewegt sich nämlich ausschließlich auf Befahrungslinien, und die dürfen bei Starkregen nicht genutzt werden“, sagt der Förster.

Alle Bäume, die gefällt werden, wurden zuvor mit orangenen Strichen gekennzeichnet.
Alle Bäume, die gefällt werden, wurden zuvor mit orangenen Strichen gekennzeichnet. | Bild: Mona Lippisch

Aufgeforstet wird im Frühjahr

Damit die Flächen, auf denen aktuell die betroffenen Fichten zu sehen sind, nach der Fällung nicht leer stehen, pflanzen die zuständigen Förster im Frühjahr neue Bäume. So wird der durch Abholzung verschwundene Waldbestand wiederaufgeforstet. „Wir sind relativ spät dran mit dem Fällen. Für eine Aufforstung im Herbst ist der zeitliche Abstand ein wenig knapp. Ich denke, es ist besser, wenn man die Fläche etwas ruhen lässt“, sagt Markus Brenner. Auf Fichten werde bei der Aufforstung verzichtet. Welche Bäume gepflanzt werden, kann der Förster aber noch nicht sagen. Dies werde in Absprache mit der Stadt geplant.

Fichtenholz trotzdem nutzbar

Die gefällten Bäume können, so Brenner, größtenteils sogar noch genutzt werden. Bei einer frühzeitigen Fällung wird das Holz der Fichten wie jedes anderes verwendet. „Je länger die Borkenkäfer den Baum befallen haben, desto weniger ist das Holz am Ende wert“, sagt Brenner.