Flugzeugabsturz bei Waldburg: Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BfU) in Braunschweig gehen davon aus, dass vereiste Landeklappen zum Absturz des Kleinflugzeugs Cessna Cititation 510 am 14. Dezember 2017 beim Landeanflug auf den Flughafen Friedrichshafen geführt haben. Das sagte 1. Staatsanwältin Christine Weiss. Ein technischer Defekt oder eine Erkrankung des Piloten werden in einem BfU-Zwischenbericht ausgeschlossen. Unter den drei Todesopfern war auch der Häfler Josef Wund (79).

Bei dem Flugzeugabsturz bei Siebratsreute nahe Waldburg am 15. Dezember 2017 sind drei Menschen getötet worden, darunter der Häfler Architekt und Thermen-Investor Josef Wund. Vereiste Landeklappen sollen laut Staatsanwaltschaft die Ursache für den Absturz gewesen sein.
Bei dem Flugzeugabsturz bei Siebratsreute nahe Waldburg am 15. Dezember 2017 sind drei Menschen getötet worden, darunter der Häfler Architekt und Thermen-Investor Josef Wund. Vereiste Landeklappen sollen laut Staatsanwaltschaft die Ursache für den Absturz gewesen sein. | Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Supermarkt-Erpresser: Extrem arbeitsintensiv waren 2017 für Polizei und Staatsanwaltschaft die Ermittlungen im Fall der Supermarkt-Erpressung mit vergifteter Babynahrung. Der mutmaßliche Täter, ein 53-jähriger Mann aus der Nähe von Tübingen, hatte Mitte September 2017 fünf mit Ethylenglykol versetzte Gläser mit Babynahrung in einen Supermarkt in Friedrichshafen gebracht und per E-Mail 11,75 Millionen Euro gefordert. Nach der Veröffentlichung von Fahndungsbildern, entstanden mit Überwachungskameras, konnte der Mann gefasst werden. Wegen angeblicher Suizidgefahr sitzt er derzeit im Justiz- Vollzugskrankenhaus Hohenasperg. Nach Fertigstellung der Anklage soll der Fall vor dem Landgericht Ravensburg verhandelt werden. Derzeit laufen noch kriminaltechnische Untersuchungen und auch ein psychiatrisches Gutachten fehlt noch.

Mit Gift in Babynahrung hat ein 53 Jahre alter Mann im September 2017 mehrere Supermärkte in Friedrichshafen erpresst. Der Prozesstermin steht noch nicht fest.
Mit Gift in Babynahrung hat ein 53 Jahre alter Mann im September 2017 mehrere Supermärkte in Friedrichshafen erpresst. Der Prozesstermin steht noch nicht fest. | Bild: Andreas Ambrosius

Taxiräuber: Bereits im Dezember hat die Ravensburger Staatsanwaltschaft die Anklage gegen drei junge Männer aus Friedrichshafen wegen drei Raubüberfällen auf Taxifahrer fertiggestellt. Die zur Tatzeit 17, 18 und 20 Jahre mutmaßlichen Täter sollen im September 2017 Taxifahrer maskiert, mit Schreckschusswaffen und in einem Fall mit einem Klappmesser zur Herausgabe von Bargeld gezwungen haben. Die Beute betrug insgesamt 650 Euro. Beginn der Hauptverhandlung vor einer Jugendkammer des Landgerichts am 21. März.

Zu drei Raubüberfällen auf Taxifahrer war es im September 2017 gekommen, der Taten verdächtigt werden drei junge Männer aus Friedrichshafen.
Zu drei Raubüberfällen auf Taxifahrer war es im September 2017 gekommen, der Taten verdächtigt werden drei junge Männer aus Friedrichshafen. | Bild: Kevin Rodgers

K42-Bombendroher: Noch keinen Termin gibt es für den Prozess vor dem Tettnanger Jugendschöffengericht gegen einen Jugendlichen, der im Juni vergangenen Jahres mit einem Brief mit einer Geldforderung von 100 000 Euro und einer Drohung, im Friedrichshafener Medienhaus K42 eine Bombe zu zünden, für einen Großeinsatz der Polizei gesorgt hatte. Die Anklage wirft dem jungen Mann „Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten“ vor.

Im Juni 2017 wurde das K42 wegen einer Bombendrohung evakuiert. Die Polizei sperrte den Bereich großräumig ab.
Im Juni 2017 wurde das K42 wegen einer Bombendrohung evakuiert. Die Polizei sperrte den Bereich großräumig ab. | Bild: Kerstin Mommsen

Handy-Betrüger: Noch offen ist, wann es zu einem Verfahren im Fall von zahlreichen Betrügereien mit Handys kommen wird. Nachdem 2017 sowohl in Ravensburg als auch in Friedrichshafen Vodafone-Partneragenturen überstürzt geschlossen wurden, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Betruges und Urkundenfälschung. Umfang und Ende seien noch nicht absehbar, so Oberstaatsanwalt Franz Josef Diehl.

Mehr Fälle von Diebstahl

Hinter Stuttgart und Heilbronn liegt die Staatsanwaltschaft Ravensburg mit fast 25 000 zu bearbeitenden Ermittlungsverfahren auf Platz drei. Jeder der 27 Staatsanwälte muss statistisch gesehen jeden Monat mindestens 75 Fälle bearbeiten. Nicht nur die Ermittlungen zum Flugzeugabsturz beschäftigt die Staatsanwaltschaft Ravensburg.

Alexander Boger, leitender Oberstaatsanwalt in Ravensburg, spricht von einem extremen Zuwachs: 2017 zählt die Behörde für Strafverfolgung und Vollstreckung 3400 Verfahren mehr als noch 2014. Unter den fast 25 000 Deliktgruppen haben Diebstahl und Unterschlagung seit 2014 besonders stark zugenommen. Markant sei auch der Anstieg tatverdächtiger Flüchtlinge, insbesondere im Bereich der Alltagskriminalität wie Diebstahl, ausländerrechtliche Verstöße und Körperverletzung. Ein deutlicher Rückgang ist beim Wohnungseinbrüchen zu verzeichnen. Die Staatsanwaltschaft Ravensburg beschäftigt 77 Mitarbeiter, davon 28 Amts- und Staatsanwälte. Zehn davon sind Frauen. (wr)