Rund 350 Passagiere waren am Mittwoch vom überraschenden Aus der Regionalfluggesellschaft VLM betroffen, der Nachfolgerin von Intersky. Alle drei Abendverbindungen waren gestern Mittag annulliert worden, nachdem der VLM-Aufsichtsrat einen Insolvenzantrag gestellt hatte.

Begründet wurde dieser Schritt von VLM unter anderem damit, dass der Plan, durch den Verkauf der sechs eigenen Flugzeuge genügend Geld zur Sanierung fürs Unternehmen einzuspielen, nicht aufgegangen sei. Das Management der Flughafen Friedrichshafen Gesellschaft (FFG) betonte gestern, sich um eine neue Fluglinie zu bemühen. Vor sechs Monaten war VLM gestartet. "Wir sind mit verschiedenen Airlines im Gespräch", sagte FFG-Sprecher Andreas Humer-Hager auf Nachfrage.

Auch Landrat Lothar Wölfle ist unmittelbar von der VLM-Pleite betroffen. Er flog am Mittwoch nach Berlin und wollte heute mit einer VLM-Maschine wieder an den See zurückkehren. So wie Wölfle ging es auch 12 Mitarbeitern des Dieselmotorenbauers Rolls Royce Power Systems (RRPS). "Für Mittwoch und Donnerstag mussten für etwa zwölf Mitarbeiter andere Reisemöglichkeiten gefunden werden: andere Fluggesellschaften, Zug oder Mietwagen", so RRPS-Sprecher Wolfgang Boller. "Aktuell sind rund 200 ZF-Geschäftsreisende vom Ausfall der Verbindungen betroffen – 123 von/nach Düsseldorf, 62 von/nach Berlin und 17 von/nach Hamburg", so ein ZF-Sprecher.
 



"Das kam in dieser Schärfe und Konsequenz doch überraschend für uns. Es ist ein herber Rückschlag für das Unternehmen Flughafen sowie die Anbindung unserer Region. Für die betroffenen Passagiere ist das höchst unangenehm. Das Mögliche zu tun, um diesen Menschen weiterzuhelfen, ist jetzt das Gebot der Stunde für das Flughafen-Team", sagte Landrat Wölfle auf Anfrage. Und Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand sagte: „Wir bedauern, dass der Versuch, VLM zu retten, gescheitert ist. Nachdem sich die Geschäfte gerade gut entwickelt hatten, hatten wir die berechtigte Hoffnung und Erwartung, dass der Rettungsschirm ausreichen würde, um einen stabilen Flugbetrieb sicherzustellen. Offensichtlich kam der Rettungsschirm zu spät. Was wir aber in den vergangenen Monaten gesehen haben: Der Markt für die Strecken, die Intersky und VLM bedient haben, ist da, auf den Strecken ist Geld zu verdienen. Für den Flughafen stellt sich nun erneut die Aufgabe, eine Fluggesellschaft zu finden – für schnelle Entscheidungen oder voreilige Schlüsse von Seiten des Unternehmens oder der Gesellschafter ist aus unserer Sicht nun der falsche Zeitpunkt.

Gerade jetzt gilt es, klug und besonnen zu agieren, den Markt neu zu sondieren und nach Lösungen für die betroffenen Strecken zu suchen.“

Ein ZF-Sprecher wies in einer Stellungnahme gegen dem SÜDKURIER darauf hin, wie wichtig Flugverbindungen für den Automobilzulieferer ab Friedrichshafen sind: "Unsere Geschäftsreisenden, aber auch unsere internationalen Kunden und Geschäftspartner sind auf funktionierende Flugverbindungen angewiesen. So müssen zum Beispiel unsere Mitarbeiter aus Vertrieb und Entwicklung unkompliziert quer durch Deutschland und in die ganze Welt reisen können. Reisen per Mietauto oder im Zug, die nach dem Wegfall der drei VLM-Verbindungen nach Berlin, Düsseldorf und Hamburg jetzt notgedrungen anstehen, dauern länger, machen teilweise Übernachtungen notwendig und sind deshalb letzten Endes teurer. Insofern sind wir dringend auf gute Verbindungen auch innerhalb Deutschlands angewiesen."
 

Ticket-Rückzahlung

Passagiere, die Tickets über die VLM-Website www.flyvlm.com gebucht haben, sollten ihre Zahlung über die Kreditkarten-Anbieter zurückbuchen lassen, heißt es in einer Mitteilung der belgischen Fluggesellschaft VLM. Kunden, die ein VLM-Flugticket über ein Reisebüro gebucht haben, werden von VLM gebeten, eine Rückzahlung über das Reisebüro zu veranlassen.

Die Regionalfluggesellschaft VLM beschäftigt 174 Mitarbeiter. Ziel der Belgier war, jährlich eine ähnliche hohe Zahl an Passagieren zu transportieren wie Vorgängerin Intersky. Bei rund 115 000 Buchungen war ein Fünftel des Passagieraufkommens des Friedrichshafener Flughafen von Intersky abgewickelt worden.