Gut sieht es nicht aus für die Flughafen Friedrichshafen GmbH (FFG). Denn auch im Geschäftsjahr 2016 ging es nicht bergauf – weder mit den Passagierzahlen noch mit den Finanzen. Die überraschende Pleite der Fluggesellschaft VLM im Juni 2016 und rückläufige Passagierzahlen bei der Turkish Airlines wegen der Terroranschläge und der politischen Entwicklung in der Türkei sind die Hauptgründe für das schlechte Abschneiden der FFG im Geschäftsjahr 2016. Insgesamt sank der Umsatz auf 11,6 Millionen Euro, das sind eine Million Euro weniger als 2015. Am wichtigsten ist jedoch der Fehlbetrag in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro, der die Bücher der FFG belastet. Nimmt man die bereits bestehenden Schulden dazu, steht der Flughafen mit insgesamt 3,1 Millionen Euro im Minus.

Flughafen Geschäftsführer Claus-Dieter Wehr ist mit dem Ergebnis nicht zufrieden. "Trotzdem ist es angesichts der schwierigen Umstände noch ganz passabel, wir liegen ungefähr beim Ergebnis vom Vorjahr", sagt er. "Das vergangene Jahr war eine einzige Achterbahnfahrt", gibt Wehr zu. Nach der Pleite der Regionalfluglinie Intersky Ende 2015 war zu Beginn des Jahres 2016 Hoffnung aufgekommen, als die belgische Airline VLM die Strecken nach Berlin, Hamburg und Düsseldorf anbot. Doch kaum hatten sich diese Verbindungen etabliert, meldete VLM Ende Juni 2016 Insolvenz an. Turkish Airlines stellte ihre Flüge zum Winter ein. Zwar gab es für die Strecken nach Köln durch die Fluggesellschaft People's Viennaline kurzfristig Ersatz, doch konnte damit "der Abwärtstrend nicht verbessert werden", wie es in der Sitzungsvorlage für den Häfler Gemeinderat heißt.

Im April 2017 wurde auch diese Strecke wieder eingestellt. Innerdeutsch bietet nur noch die Lufthansa Flüge nach Frankfurt an. "Es gilt nun dringend wieder eine zuverlässige Fluggesellschaft zu finden", heißt es in der Sitzungsvorlage. Die Geschäftsführung gehe aber, heißt es weiter, davon aus, dass "ab September 2017 wieder eine Strecke geflogen werden wird", ob Hamburg oder Berlin sei noch nicht sicher. "Wir sind an diesen Verbindungen dran, doch noch sind die Gespräche nicht abgeschlossen" erklärt Wehr dazu. Die Zukunft des Flughafens ist unter den jetzigen Bedingungen düster. Durch die rückläufigen Passagierzahlen (siehe Kasten) sind die Fixkosten des Bodensee-Airports nichts zu decken. "Wir müssen Gesamtpassagierzahlen von 550 000 bis 600 000 erreichen, um klar zu kommen. Und gerade deswegen ist es umso wichtiger, dass wir eine Lösung für die innerdeutschen Strecken finden", erläutert der Geschäftsführer. Die Verbindungen nach Hamburg und Berlin bringen jährlich etwa 80 000 Passagiere. "Wenn wir die haben, müssten wir hinkommen", so Wehr.

Die beiden größten Gesellschafter, die Stadt Friedrichshafen und der Bodenseekreis (beide halten rund 40 Prozent der Anteile), werden entscheiden müssen, ob sie dem angeschlagenen Flughafen weitere Finanzspritzen zukommen lassen. Erst zu Beginn des Jahres 2016 hatten die Gesellschafter der FFG ein Darlehen in Höhe von 3,4 Millionen Euro gewährt. Im Bericht der FFG heißt es deutlich: "Zur Gewährleistung eines positiven Fortbestands der Gesellschaft wird es kurz- bis mittelfristig erforderlich sein, dass die Gesellschafter weitere finanzielle Mittel zur Verfügung stellen." 

Eine andere Option wäre der Verkauf von Betriebsvermögen. Ansonsten sei die Finanzlage als kritisch einzustufen, so die klare Aussage in der Sitzungsvorlage. Der Jahresabschluss der FFG wird am Montag dem Häfler Gemeinderat vorgestellt. Diskussionen um die Zukunft des Flughafens sind vorprogrammiert.


Zahlen und Fakten

2016 nutzten 523 888 Passagiere den Flughafen Friedrichshafen, das sind 6,45 Prozent weniger als 2015 (559 985). Start- und Landebwegungen gab es 2016 insgesamt 41 394, das sind 2,31 Prozent weniger als noch 2015 (42 371). 6966 Flugbewegungen waren 2016 dem Linien- und Touristikverkehr zuzurechnen, 34 428 dem Allgemeinen Luftverkehr. Der Jahresabschluss 2016 weist eine Bilanzsumme von 34 723 036 Euro mit einem Fehlbetrag in Höhe von 1 550 625,55 Euro auf. (mom)