Nach der Insolvenz der belgischen Airline VLM sucht das Flughafen-Management Ersatz. "Wir führen Gespräche mit verschiedenen Interessenten", sagte Flughafen-Geschäftsführer Claus-Dieter Wehr im Gemeinderat. Ihm komme es darauf an, eine tragfähige Lösung zu finden, so Wehr. Auf "windige" Airlines möchte er nicht setzen – nach der Intersky- und der VLM-Pleite möchte er weitere negative Schlagzeilen vermeiden. "Eine gewisse Reputation" müsse eine Fluggesellschaft haben, außerdem will Wehr "die Wirtschaftlichkeit nicht außer Acht lassen". Sprich: Es muss sich für den Flughafen auch rechnen. Außerdem, und das ist die Lehre des Intersky-Debakels, sichert sich die Flughafengesellschaft inzwischen besser ab gegen Pleiten: Sie verlangt finanzielle Sicherheiten. Bei VLM sei man finanziell "mit einem blauen Auge davongekommen". Bei Intersky habe es solche Absicherungen nicht gegeben.

Vorgezogen werden soll das Engagement der Fluggesellschaft People’s Viennaline, einem Tochterunternehmen des Flughafens Altenrhein, die ab Frühjahr 2017 Köln anfliegen sollte, nun geschieht das möglicherweise früher. Verhandelt wird laut Wehr im Moment mit einer Airline, dessen Name er noch nicht nennen will, die nach Berlin und Hamburg fliegt. Dass kurzfristig eine Fluggesellschaft wie einst VLM groß mit drei Flugzeugen einsteigt, hält Wehr für "eher unwahrscheinlich".

Zum Konkurrenz-Flughafen Memmingen sagte der Häfler Flughafen-Chef: "2014 hatten die 200¦000 Passagiere mehr als wir, nämlich 750¦000, und einen Verlust von 1,5 Millionen Euro." In demselben Jahr sie man in Friedrichshafen nahe dran gewesen an der "schwarzen Null". Auf die Situation der Flughafenbeschäftigten angesprochen, sagte Wehr: "Ja, eine gewisse Angst ist da." Das sei auch bei der Betriebsversammlung deutlich geworden. Man habe die Schichtpläne überarbeitet, derzeit würden auch Urlaubstage und Überstunden abgebaut. Grundsätzlich sieht Wehr die Voraussetzungen für den Häfler Airport für gut an: Geschäftsreiseverkehr durch viele Industriebetriebe, hohe Kaufkraft in der Region und gute Nachfrage an Touristikverkehr. Allein zur Messe Outdoor seien 3500 Besucher per Flugzeug angereist. Es gibt Firmen, die hier ihre eigenen Jets stehen haben: Liebherr hat in Friedrichshafen fünf eigene Flugzeuge stationiert. Für Wehr "stimmt die Basis". Gedankenspiele wie die der Grünen, das Flughafengelände für Wohn- und Gewerbezwecke vorzusehen, hält er nicht gerade für vertrauensfördernd.

Den Erklärungen vorausgegangen war der Antrag zur Änderung der luftrechtlichen Genehmigung, dem der Gemeinderat zugestimmt hat. Das gestaltet eine notwendige Zertifizierung einfacher und billiger. Demnach ist für die Landung sehr großer Flugzeuge wie zum Beispiel einer Boeing 757 eine Sondergenehmigung nötig. Die Änderung tangiere nicht die Betriebszeiten und die Situation in Sachen Lärm, so Wehr.


 

Wem der Flughafen gehört

Die Gesellschafter: Die Gesellschafter der Flughafen Friedrichshafen GmbH (FFG) sind die Stadt Friedrichshafen sowie der Landkreis Bodenseekreis mit jeweils 39,38 Prozent, das Land Baden-Württemberg mit 5,74 Prozent, die ZF Friedrichshafen AG mit 4,32 Prozent, die Technische Werke Friedrichshafen GmbH mit 4,11 Prozent, die Luftschiffbau Zeppelin GmbH mit 3,54 Prozent, die IHK Bodensee-Oberschwaben mit 1,57 Prozent, die DADC Luft- und Raumfahrt Beteiligungs GmbH (Airbus/Dornier) sowie die MTU Friedrichshafen GmbH mit jeweils 0,98 Prozent. FFG-Geschäftsführer ist seit 1. Juni 2015 Claus-Dieter Wehr.

Die Flugziele: Im laufenden Sommerflugplan werden folgende Ziele angeflogen: Air Berlin: Palma de Mallorca. Corendon Airlines, Freebird Airlines und Sunexpress: Antalya. Lufthansa CityLine: Frankfurt. Germania: Antalya, Fuerteventura, Gran Canaria, Heraklion, Kayseri, Kos, Palma de Mallorca, Reykjavik, Rhodos, Teneriffa, Varna. Turkish Airlines: Istanbul. Wizz Air: Skopje. Twin Jet: Toulouse (ab 5. September). (asa)