Claus-Dieter Wehr will mit neuen Darlehen der Gesellschafter in Höhe von 13,5 Millionen Euro den Flughafen Friedrichshafen auf wirtschaftlich solidere Beine stellen. "Eine finanzielle Neuausrichtung ist unumgänglich", sagte er am Dienstag. Hauptgesellschafter der Flughafen Friedrichshafen GmbH (FFG) sind die Stadt Friedrichshafen und der Bodenseekreis. Zusammen halten sie knapp 80 Prozent der Anteile. Das Land Baden-Württemberg ist mit knapp sechs Prozent beteiligt. Die restlichen Anteile halten Häfler Industrieunternehmen. Beschlüsse des Häfler Gemeinderats wie des Kreistags stehen zwar noch aus. Doch von einer breiten zustimmenden Mehrheit ist in beiden Gremien auszugehen. Deutliche Kritik an einer weiteren finanziellen Beteiligung der Stadt haben bisher nur die Grünen geäußert. Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand hatte in einer der jüngsten Sitzungen angekündigt, dass sich der Häfler Gemeinderat wie auch der Kreistag jeweils in öffentlichen Sitzungen mit den geplanten Darlehen für die FFG beschäftigen würden. Positive Beschlüsse der beiden Gremien vorausgesetzt, gelte es, so Wehr, die Darlehen rechtlich abzusichern, damit diese nicht gegen das Beihilferecht der Europäischen Union verstoßen.

Hintergrund für die neue Finanzspritze der Gesellschafter der öffentlichen Hand ist auch, dass die FFG seit 2015 massive Verluste zu verbuchen hat. In 2015 wie in 2016 weist die FFG-Bilanz jeweils 1,5 Millionen Euro an Verlusten aus. Für 2017 wird mit rund zwei Millionen Euro gerechnet. Diese roten Zahlen beruhen vor allem darauf, dass nur noch die Lufthansa innerdeutsche Flüge über Frankfurt anbietet. Direktflüge nach Berlin, Hamburg oder Düsseldorf, wie sie die Fluggesellschaften Intersky und VLM in der Vergangenheit angeboten haben, gibt es zurzeit nicht. Beide genannten Gesellschaften mussten Insolvenz anmelden – die österreichische Intersky musste im November 2015 völlig überraschend den Betrieb einstellen. Die belgische VLM, die die Linien übernahm, gab im Juni 2016 wegen fehlender Finanzmittel auf. Nach wie vor sei es das Ziel, mit einer neuen Fluggesellschaft ins Geschäft zu kommen, sagte Wehr. Es gebe zuversichtlich stimmende Gespräche, aber noch keine Verträge. Der FFG-Chef bestätigte am Dienstag Medienberichte, nach denen auch mit der dänischen Fluggesellschaft Sun Air of Scandinavia verhandelt würde. Geht es nach Wehr, dann würde er noch vor Weihnachten verkünden, welche Linie künftig wieder ab Friedrichshafen starten wird. Denn ideal sei ein Start einer neuen Verbindung im Frühjahr. Ob dies klappen wird, ließ er offen. Zumindest in den Planzahlen für die kommenden beiden Jahre schlagen sich neue innerdeutsche Flugverbindungen nieder. Für 2018 kalkuliert Wehr mit 570 000 Passagieren, für das Folgejahr mit 616 000. Im Jahr 2016 flogen knapp 524 000 Passagiere ab Friedrichshafen.

Der Flughafen-Geschäftsführer sagte am Dienstag während einer Pressekonferenz im Flughafen, dass die Finanzplanung für die FFG darauf basiere, dass die Gesellschafter in den kommenden drei Jahren neue Darlehen in Höhe von jeweils rund 4,5 Millionen Euro zur Verfügung stellen werden. Von den insgesamt erwarteten 13,5 Millionen Euro sollen 6,9 Millionen genutzt werden, um Schulden zu tilgen. Des weiteren sollen die Darlehen genutzt werden, um die Eigenkapitalquote von heute 23 auf mögliche 51 Prozent zu erhöhen.

Schließlich sollen 6,7 Millionen Euro, die schwerpunktmäßig die Stadt und der Bodenseekreis zur Verfügung stellen, für Investitionen genutzt werden. Mit 500 000 Euro beziffert Wehr die Summe, die nötig ist, um neue Roll-Halte-Punkte zu installieren. Diese seien vergleichbar mit Ampeln im Straßenverkehr und bei schlechtem Wetter nötig, damit die Piloten wissen, wo sie die Maschinen halten müssen. Das aktuelle System entspreche, was Markierung und Distanzen anlangt, nicht mehr den Bestimmungen. Für solche sicherheitsrelevanten Maßnahmen hofft Wehr auch auf eine finanzielle Unterstützung durch das Land Baden-Württemberg. Nach Ansicht des FFG-Geschäftsführers stehe der grün-schwarze Koalitionsvertrag dem nicht entgegen. "Wir geben nicht auf, bis es eine klare Aussage dazu gibt", sagte Wehr auf Nachfrage. Gespräche mit Vertretern des Verkehrs- und des Finanzministeriums zur Frage, ob das Land bereit ist, sicherheitsrelevante Maßnahmen zu finanzieren, habe es bisher aber noch nicht gegeben.

Für den Häfler Flughafen wie für andere Regionalflughäfen kommt nach Angaben Wehrs erschwerend hinzu, dass die Flugsicherung aus eigener Tasche bezahlt werden müsse. An den Flughäfen in Stuttgart oder München übernehme dies die Deutsche Flugsicherung. Die die Kosten mit den Fluglinien verrechnet. Ein Umlegen der Kosten an den wesentlich kleineren Regionalflughäfen sei wegen des geringeren Verkehrsaufkommens nicht möglich.

Stadt hat einen großen Einfluss

Finanziell tragen vor allem die Stadt Friedrichshafen und der Bodenseekreis die Flughafen Friedrichshafen GmbH (FFG).

  • Gesellschafter der FFG sind (in Klammern stehen immer die Prozente der Anteile): die Stadt Friedrichshafen (39,38), der Bodenseekreis (39,38), das Land Baden-Württemberg (5,74), die ZF Friedrichshafen AG (4,32), die Technische Werke Friedrichshafen GmbH (4,11), die Luftschiffbau Zeppelin GmbH (3,54), die Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (1,57), die DADC Luft- und Raumfahrt Beteiligungs GmbH (Airbus/Dornier, 0,98) und die MTU Friedrichshafen GmbH (0,98). Die Stadt hat unmittelbaren Einfluss auf die Stiftungsbetriebe ZF und die Luftschiffbau GmbH sowie auf die eigene Tochter Technische Werke.
  • Schulden der Vergangenheit: Ab 2012 war es gelungen, die jährlichen Verluste der Flughafen GmbH deutlich nach unten zu fahren. Für das Jahr 2014 wurde ein Verlust von 480 000 Euro ausgewiesen, nach 1,2 Millionen Euro für 2013 und 4,6 Millionen Euro für 2012.
  • Der Ausfall von Intersky im November 2015 bedeutete für die FFG einen finanziell schweren Schlag. Mit rund 115 000 Passagieren war Intersky die wichtigste Regionalfluggesellschaft am Bodensee-Airport. Ein Fünftel der Passagiere, die vom Flughafen abflogen, saßen in Intersky-Maschinen. Vor allem die innerdeutschen Verbindungen nach Hamburg, Berlin und Düsseldorf bezeichnet FFG-Chef Claus-Dieter Wehr als eine der drei wichtigsten Geschäftssäulen des Bodensee-Airports. Neben Billigangeboten gehöre die Drehkreuz-Funktion dazu – die die Lufthansa zurzeit ermöglicht. (dim)