Pappmaschee, Kleister und Holzwolle: Das klingt nicht nach normalem Unterricht. Für die Schüler der Berufsschulklasse der Tannenhagschule ist es eine Aufgabe, bei der jeder gerne mitmacht. Seit Januar läuft das Projekt „Funkenhexe“. Statt im Klassenzimmer finden sich die Schüler dafür mehrmals die Woche im Atelier der Schule ein. „Wir formen gerade mit weißem Papier und Kleister den Kopf der Hexe“, erzählt Jason Swartz, während er seiner Arbeit nachgeht. Davor hat er den Kopf mit Holzwolle ausgestopft. Auch Feuerwerkskörper mussten einen Platz finden, damit die Figur auf dem Funkenfeuer gut brennt. „Am besten gefällt mir das Zusammenbauen des Holzes für das Grundgerüst“, sagt Swartz. Doch auch auf das anschließende Bemalen freut sich der Schüler. Für Swartz ist es die vierte Funkenhexe, die er mitgestalten darf. Deswegen weiß er genau, wie alles abläuft, und unterstützt seinen Kumpel Florian Frontino, der zum ersten Mal beim Projekt mitmacht. „Mir macht die Arbeit mit dem Kleister am meisten Spaß“, erzählt Frontino.

Dieses Jahr bauen Schüler zum 30. Mal die Hexe für die Funkenfreunde Fischbach. Und an die erste kann sich sogar Gerold Ehinger, Rektor der Tannenhagschule, noch erinnern. „Es ist eigentlich ein schöner Zufall. An der allerersten Funkenhexe habe ich mitgeholfen, weil ich zu dieser Zeit gerade ein Praktikum während meines Studiums an der Schule gemacht habe“, blickt Ehinger schmunzelnd zurück. Dass er einmal zahlreiche weitere Hexen als Rektor miterleben darf, habe er damals nicht gedacht.

Zwei Lehrer tragen die Verantwortung für das Schul-Projekt. Jürgen Dangel hilft seit zehn Jahren bei der technischen Umsetzung und für Halina-Martha Oller ist es die sechste Hexe, an der sie ihre kreative Ader ausleben darf. „Wir sind ein super Team und ergänzen uns gegenseitig“, sagt Oller. Bevor die beiden die Leitung des Projektes übernommen haben, hat sich Ursula Keller 25 Jahre lang um die Funkenhexe gekümmert. „Sie war mit ganz viel Leidenschaft dabei“, erzählt Oller anerkennend.

Sie arbeiten seit vielen Jahren zusammen (von links): Michael Bercher von den Funkenfreunden Fischbach, Lehrerin Halina-Martha Oller, Gerold Ehinger, Leiter der Tannenhagschule, und Manfred Gress, Vorsitzender der Funkenfreunde Fischbach.
Sie arbeiten seit vielen Jahren zusammen (von links): Michael Bercher von den Funkenfreunden Fischbach, Lehrerin Halina-Martha Oller, Gerold Ehinger, Leiter der Tannenhagschule, und Manfred Gress, Vorsitzender der Funkenfreunde Fischbach. | Bild: Mona Lippisch

Anders als in anderen Gemeinden am Bodensee gibt es in Fischbach zwei Funken: einen Großen und einen für die Kinder. Deswegen werden jedes Jahr auch zwei Hexen gebastelt, eine mit einer Größe von etwa 3,50 Meter und eine kleinere. „Bei anderen geht das schnell-schnell und die Figur ist irgendwie zusammengebaut. Bei uns steckt sehr viel Herzblut und Leidenschaft der Schüler und Lehrer dahinter“, weiß Manfred Gress, Vorsitzender der Funkenfreunde Fischbach. Es sei stets eine Überwindung, das Funkenfeuer anzuzünden und die schönen Skulpturen zu zerstören. Ebenfalls etwas außergewöhnlich ist seit einigen Jahren das Aussehen der Hexe. Glich sie vor etwa zehn Jahren noch einer schaurig-bösen Gestalt, wird sie heute gemäß einem jährlich wechselnden Motto entworfen. „Als das Thema ‚Pirat’ war, hatte unsere Hexe Ohrringe und war geschminkt“, schildert Oller lachend. Jeder Schüler dürfe während des Projekts seine Ideen einbringen, sodass das Kunstwerk immer wieder einzigartig wird.

Für die diesjährigen Funkenhexen haben sich Oller und Dangel ein heimatbezogenes Motto ausgedacht: die Fischerin vom Bodensee. So verkleidet sich das Team rund um die Schüler und Betreuer am Gumpigen Donnerstag dem Thema entsprechend. Denn an diesem Tag wird die fertige Arbeit der gesamten Schule vorgestellt. Bis dahin haben die Schüler noch einiges zu tun. Doch es sieht gut aus: „Dieses Jahr liegen wir – anders als beim vergangenen Mal – prima in der Zeit“, sagt Dangel.

Funkenfeuer in Fischbach

Die Funkenfreunde Fischbach lassen ihren Funken am Sonntag, 5. März, am Fildenplatz abbrennen. Mit dem Anzünden des Holzhaufens um 18.30 Uhr, nach Einbruch der Abenddämmerung, soll traditionell der Winter vertrieben werden. Für die Fischbacher und weitere Zuschauer ist es die letzte Möglichkeit, einen Blick auf die Hexen im Kleid der Fischerin vom Bodensee zu werfen. Für musikalische Unterhaltung am Funkensonntag sorgt die Musikkapelle Fischbach. (lip)