Friedrichshafen-Fischbach – Nein, nachvollziehen kann Ellen Müller die Vorgänge des vergangenen Jahres nicht. Die Mutter zweier Kinder im Grundschulalter steht auf dem Schulhof der Grundschule Fischbach und lässt die vergangenen Monate Revue passieren. Wie viele andere Bürger auch, hat die diplomierte Architektin an dem Workshop teilgenommen, der im Vorfeld des Planungswettbewerbes für die Neugestaltung der Eisenbahnstraße die Beteiligung der Fischbacher sicherstellen und Impulse aus der Bürgerschaft aufnehmen sollte.

Mittlerweile stehen die Gestaltungsentwürfe seit knapp zwei Wochen auf der Webseite der Stadt Friedrichshafen. Vier Architektenbüros aus Friedrichshafen, Stuttgart, Freiburg und der Schweiz wurden beauftragt, auf der Grundlage der Workshop-Ergebnisse Lösungen für das Gebiet zu erarbeiten. Allerdings wurden aus der Sicht vieler Eltern, deren Kinder in die Grundschule Fischbach gehen, die eingebrachten Vorschläge und Wünsche fast vollständig ignoriert.

Deshalb hat Ellen Müller einen offenen Brief an die Häfler Stadtverwaltung geschrieben, in dem sie ihre Bedenken zur Sprache bringt. Keine der vorgestellten Varianten werde den Wünschen und Vorschlägen der Bevölkerung und vor allem den Ansprüchen der Kinder gerecht, schreibt Müller. "Einerseits wird den Bürgern vorgegaukelt, dass sie ein Mitspracherecht bei der Stadtentwicklung hätten und auf der anderen Seite wird deutlich, dass die Meinung der Bewohner nicht wichtig ist!"

Ellen Müller geht es im Kern um vier Forderungen, die auch der Elternbeirat der Grundschule in Teilen in einem Musterbrief anführt, den die Eltern unterschreiben und an das Stadtplanungsamt der Stadt Friedrichshafen senden können. Bislang sind dort laut Aussage der Stadt 17 identische Schreiben eingegangen. Die Eltern kritisieren die Einschnitte, die die Entwürfe im Bereich der Schule und des Schulhofes hinterlassen und stellen die Frage, wo künftig die Schüler, die ganztags in der Schule sind, betreut werden sollen. Außerdem fordern beide Briefe, die Lage des geplanten Pflegeheimes mit Blick auf möglichen Kinderlärm zu überdenken. Ellen Müller möchte darüber hinaus erreichen, dass der Skaterplatz den Jugendlichen weiter als Freifläche zur Verfügung steht. "Eine Neubebauung des jetzigen Skaterplatzes kann ich aus architektonischer Sicht absolut nachvollziehen und befürworte das auch als Aufwertung des Ortseinganges Fischbach. Der Skaterplatz muss aber unbedingt im neuen Plan berücksichtigt werden und darf nicht ersatzlos gestrichen werden oder kilometerweit entfernt wieder auftauchen. Dass hier Platz zum Bewegen und Sport treiben wegfallen soll, ist in Zeiten von Computern und Fernsehen ein No-Go."

Die größte Sorge der Eltern ist jedoch die Beschneidung der Freiflächen rings um die Schule und die Verlegung der Ganztagesbetreuung in das Schulgebäude. "Wir haben einen Kindergarten gebaut, weil es so viele Kinder gibt", so Ellen Müller. Wenn der Neubau der Grundschule zum Kindergarten werde, habe man in Zukunft keinen Platz mehr für die gestiegene Zahl an Grundschülern. "Das ist wie eine Tsunami-Welle. Dass es einmal mehr Klassen geben wird, sollte heute keinen mehr überraschen", sagt Müller. Die Stadt, die eine Anfrage zu den Befürchtungen der Fischbacher Eltern unkommentiert ließ, kann die Pläne der Architekten noch bis Ende des Jahres anpassen.

Das Workshop-Verfahren

Seit August 2016 wurden die Bürger über das städtische Online-Portal "Macht mit" in das Verfahren einbezogen. Im November stellte die Stadt die gesammelten Ideen bei einem Workshop vor, bevor sie im Mai 2017 vier Architekturbüros beauftragte, in einem Wettbewerb gegeneinander anzutreten. Drei der vier Pläne sehen den Abriss des Grundschulanbaus vor. Alle Pläne enthalten Neubauten auf den noch unbebauten Grünflächen hinter der Schule und dem Skaterpark. (kbr)