Wien und Friedrichshafen haben etwas gemeinsam: Es wird viel gebaut, wenngleich die Dimensionen in der österreichischen Hauptstadt völlig andere sind. Einen Eindruck davon, wie man in Wien Wohn- und Gewerbeflächen im großen Stil entwickelt, bekamen Mitglieder des Gemeinderats bei einer Fachexkursion am Freitag und Samstag. Die knapp 50-köpfige Delegation, darunter die Verwaltungsspitze mit Oberbürgermeister Andreas Brand, den Bürgermeistern Stefan Köhler und Andreas Köster sowie Kämmerer Stefan Schrode, bekam dabei einen Einblick in die Aktivitäten der Stiftungskonzerntochter Zeppelin Österreich GmbH. Hellhörig wurden die Räte bei einem Vortrag eines Städteplaners, der den Wiener Weg des sozialen Wohnungsbaus vorstellte.

Beeindruckt zeigten sich die Häfler von der XXL-Baustelle Austria Campus, derzeit Österreichs größte Baustelle: Auf der Fläche des ehemaligen Nordbahnhofs, so groß wie sechseinhalb Fußballfelder, entstehen Bürobauten. Baubeginn war 2015, im August nächsten Jahres soll alles fertig sein. Die gesamte Baustellenlogistik liegt in den Händen der Firma Zeppelin Streif Baulogistik. Wie groß und komplex die Aufgaben sind, verdeutlichen einige Zahlen: "Während des Aushubs hatten wir hier 300 bis 500 Lastwagenfahrten täglich", sagt Geschäftsführer Dominik Müller. 19 Kranstandorte galt es zu planen, die Infrastruktur für Wasser, Strom Entsorgung und Datenleitungen, 380 Container samt Kantine wurden aufgebaut. "Dabei verändert sich die Situation auf der Baustelle ständig", so Müller. Dazu kommt die Zutrittskontrolle für 1500 Leute, die auf dem Areal tätig sind.

Das alles geht nur mithilfe ausgeklügelter IT-Systeme, jeder Zeppelin-Mitarbeiter ist mit Tablet unterwegs. "Wir sind in der Lage, eine komplette Großbaustelle zu managen", sagt Zeppelin-Chef Peter Gerstmann, "wer hier die Datenhoheit hat, macht das Geschäft." Praktisch: Zeppelin hat auch gleich noch einen Baumaschinen-Mietpark auf der Baustelle eingerichtet.

Mit großem Interesse verfolgten die Häfler, was Professor Rudolf Scheuvens von der TU Wien zur Stadtentwicklung Wiens sagte. Denn obgleich Wien boomt und mit 1,8 Millionen Einwohnern um ein Vielfaches größer ist als Friedrichshafen: Die Probleme sind dieselben – es fehlt an Wohnraum. Beim Wohnbau mischt sich die Stadt Wien massiv ein. Seit den 1920er Jahren sind im großen Stil geförderte Wohnungen entstanden: Das "Wiener Modell" mit rund 220.000 Gemeindewohnungen und gut 200.000 subventionierten und von Bauträger errichteten Neubauten sorgt dafür, dass viele Wiener für 5,50 Euro pro Quadratmeter zur Miete wohnen. "Der Quadratmeterpreis im geförderten Wohnungsbau liegt derzeit bei 7,50 Euro", so Scheuvens – und das in einer Großstadt. Ein völlig neuer Stadtteil entsteht auf dem ehemaligen Flugfeld Aspern vor den Toren Wiens für 20.000 Bewohner. Der Clou dabei: Vor den Wohnungen wurde die Infrastruktur geschaffen mit U-Bahn-Anschluss und subventionierten Läden in den Erdgeschosszeilen. "Die Startphase ist entscheidend", sagt Scheuvens. Wohl alle Häfler Gäste waren in diesem Moment in ihren Gedanken im Häfler Fallenbrunnen, das es zu entwickeln gilt.

Zeppelin Österreich GmbH

Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis 1926 zurück, als Kamillo Eisner in Wien eine Firma gründet, die Dieselfahrzeuge verkauft und wartet. Nach dem Zweiten Weltkrieg repariert die Firma Caterpillar-Planierraupen der US-Armee und wird Caterpiller-Generalvertreter für Österreich. 1992 steigt die Zeppelin Baumaschinen GmbH mit 50 Prozent ein, 1998 übernimmt Zeppelin 100 Prozent. 2016 macht die Zeppelin Österreich GmbH als größter Baumaschinenhändler Österreichs mit 254 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 88 Millionen Euro, bis 2019 peilt man 100 Millionen an. Die Zentrale ist in Fischamend bei Wien. In Österreich hat das Unternehmen fünf Standorte, sechs Mietstationen, drei Mietpartner und acht Auslieferungslager. Der Zeppelin-Konzern hat weltweit rund 7700 Mitarbeiter, der Umsatz 2016 betrug rund 2,36 Milliarden Euro. Gesellschafter sind die Zeppelin-Stiftung und die Luftschiffbau Zeppelin. (asa)