Sie feiern ihren zehnten Geburtstag und sind bereits raus aus der Pubertät: Die Filmtage sind in Friedrichshafen etabliert, ein fester Bestandteil der Kulturszene und haben mit ihrem Angebot etwas zu sagen. Und das findet nicht nur Bürgermeister Andreas Köster. Dass es die acht langen Dokumentarfilme und insgesamt 28 Kurzfilme nicht in die großen Kinos schaffen ist daher nicht ihrer Qualität geschuldet. Die meisten unter ihnen sind bereits preisgekrönt, beleuchten aber gesellschaftliche Problemstellungen jenseits des Mainstreams. "Jetzt oder nie" – das Motto der Jubiläumsausgabe – ist daher Programm und bietet eine einmalige Gelegenheit, cineastische Kunstwerke jenseits des Konventionellen zu entdecken. Wie gewohnt in der intimen und familiären Atmosphäre des Kiesel am Medienhaus.

"Wir haben in diesem Jahr besonders viele gute Dokumentarfilme", begründet Veranstaltungsleiterin Claudia Engemann die Entscheidung, das Festival um einen Tag auf jetzt fünf Tage zu verlängern. Insgesamt wurden 332 Beiträge eingereicht, zehn Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Darunter 230 Kurzfilme, 48 lange Dokumentationen und 54 Kinderfilme. Eine große Herausforderung für die vierköpfige Auswahljury, in der auch ZU-Studentin Louisa Deinhart vertreten ist. Sie hat sich der Kinderfilme angenommen und 13 davon in zwei Kategorien, für Kinder ab vier und Kinder ab sieben, ausgewählt. Darunter die "Mücke Pieks" auf der Suche nach einem Mantel und das Märchen von der Prinzessin auf der Erbse mit Torsten Sträter in der Rolle des Erzählers.

Der Dokumentarfilm "Dil Leyla" eröffnet das Festival. Die Geschichte von Leyla Imret, der gebürtigen Kurdin, die 2014 in die Türkei zurückkehrt, um Bürgermeisterin zu werden, nimmt eine tragische Wendung, als diese unter Hausarrest gestellt wird. Dass sie zum Publikumsgespräch in den Kiesel kommt, darf daher als besonderes Ereignis gewertet werden. Anders als angekündigt wird dagegen Pia Lenz nach ihrem Film "Alles gut", der die Situation der Flüchtlinge aus Sicht der Kinder betrachtet, nicht anwesend sein.

Wie sich Rhythmus und Melodieführung auf die Wahrnehmung eines Films auswirken, lässt das Konzert "Beschleunigt. Laut. Leise" des "Essemble ascolta" am Montagabend erleben. Zu Stummfilmklassikern spielt die Gruppe live auf der Bühne, am Dienstag findet ergänzend ein kostenloser Workshop in der Zeppelin-Universität zu diesem Thema statt.

Die Vergabe des mit 500 Euro dotierten Publikumspreises und des 1500 Euro schweren Jurypreises darf auf jeden Fall mit Spannung erwartet werden. Der Macher von "Watu Wote" wurde bereits mit dem Studenten-Oskar ausgezeichnet und ist jetzt für den Oskar nominiert.

Termine und Tickets

Das Festival findet von Donnerstag bis Montag, 1. bis 5. März, im Kiesel statt. Karten sind im Vorverkauf im Graf-Zeppelin-Haus unter kartenservice.gzh@friedrichshafen.de oder eine Stunde vor Vorstellungsbeginn an der Abendkasse erhältlich. Ein Sonderverkauf findet in der Mensa der ZU im Fallenbrunnen am Montag und Dienstag, 26. und 27. Februar, von 11.30 Uhr bis 14 Uhr und im Foyer des Medienhauses am Dienstag und Mittwoch, 27. und 28. Februar, jeweils von 12 bis 17 Uhr statt. Es sind Einzeltickets, ein Kurzfilm-, Doku- und Festivalticket sowie ein Ticket für das Live-Konzert erhältlich. Das Rahmenprogramm der Filmtage mit einer Straßenshow der "Pyromantiker" und die Fernsehecke im Foyer mit früheren Filmbeiträgen sind kostenlos. Darüber hinaus gibt es einen Malwettbewerb für Kinder und die Möglichkeit einen "Gucki" zu gewinnen.

Tickets im Internet: ticket.suedkurier.de