Friedrichshafen – "Achtung, Achtung, eine wichtige Durchsage der Betriebsleitstelle", schallt es um 16 Uhr laut und deutlich aus dem Riedleparktunnel. Das Öffnen eines Feuerlöscherkastens hat den Tunnelalarm ausgelöst. Noch während die Durchsage in deutscher und englischer Sprache mehrfach die Autofahrer auffordert, ihre Fahrzeuge und den Tunnel über die ausgeschilderten Rettungswege zu verlassen, sind Martinshörner zu hören. Das erste Fahrzeug der Feuerwehr trifft ein.

Es ist ein Horrorszenario, das sich die Planer der Feuerwehrübung am Samstagnachmittag ausgedacht haben. Durch eine defekte Bremse und einen Reifenplatzer gerät ein Auto, das aus Richtung Lindau kommt, im Tunnel in den Gegenverkehr. Das Fahrzeug bleibt auf dem Mittelstreifen liegen, sodass ein entgegenkommender Lastwagen durch eine Vollbremsung einen Zusammenstoß zwar verhindern kann, aber nicht am defekten Auto vorbei kommt. Die Fahrzeuge blockieren beide Fahrbahnen und der Verkehr kommt zum Erliegen.

Vier Feuerwehrleute, ausgerüstet mit Atemschutzmasken und je zwei Atemluftflaschen auf dem Rücken, dringen entlang der rechten Tunnelwand zum Unfallort vor. Bald werden sie dichtem Rauch verschluckt. Die nächste Vierergruppe arbeitet sich kurz darauf auf der anderen Seite vor. Eine dritte Gruppe hält sich bereit, um im Notfall die Kameraden retten zu können. Weil die Bremsen des Autos zu heiß sind, ist ein Brand entstanden. Das Feuer breitet sich zügig auf die Ladefläche des Lastwagens aus, der mit Bauholz und Benzinkanistern beladen ist. Beide Gruppen der Feuerwehr erkunden die Lage und suchen nach Verletzten, die sie mit orangegelben Blinklichtern markieren. Grüne Blinklichter weisen den Rettungskräften den Fluchtweg im dichten Rauch.

Gleichzeitig dringt eine Einheit der Feuerwehr vom westlichen Ende des Tunnels her mit Schläuchen zur Unfallstelle vor. Die Hydranten sind blau blinkend markiert. Aufgrund der Windrichtung ist die Sicht an dieser Seite des Tunnels deutlich besser, sodass die Löschfahrzeuge einfahren können. Stadtbrandmeister Louis Laurösch erklärt: "Bei Tunneleinsätzen steht im Gegensatz zu sonst nicht die Lebensrettung, sondern das Löschen an erster Stelle." Denn zuerst müsse die Ausbreitung des Feuers verhindert werden, bevor man retten könne. Eine schwierige Situation für die Helfer, die eventuell an hilfsbedürftigen Menschen vorbeigehen müssen.

Insgesamt sieht das Übungsszenario vor, dass bei der Havarie zwölf Menschen verletzt wurden, zwei von ihnen schwer. Der Fahrer des Autos konnte zwar sein Fahrzeug verlassen, blieb aber am Boden liegen. Während er von einem der beiden Viererteams geborgen und den Sanitätern übergeben wird, versucht der Löschtrupp, den Brand unter Kontrolle zu bringen. Dabei wird der Wasserstrahl nicht nur auf die brennende Ladung des Lastwagens, sondern auch auf Tunnelwände und Decke gerichtet. Werde der Beton nicht gekühlt, erklärt Laurösch, bestehe die Gefahr, dass dieser platzt und herunterfällt. Deshalb hätten die Feuerwehrleute die Aufgabe, im Wechsel den Brand zu bekämpfen sowie Decke und Wände zu kühlen.

Nicht ganz eine Stunde später erklärt Einsatzleiter Ralf Sesterhenn, dass er zufrieden mit dem Ablauf der Übung ist. Im Ernstfall wäre der Tunnel drei bis vier Tage wegen Inspektion der Technik gesperrt. Nach der Übung muss nur aufgeräumt werden, bevor für die 90 Rettungskräfte das Wochenende beginnt.

Aufgrund von Wartungsarbeiten wird der Tunnel das nächste Mal in der Nacht von19. auf 20. April von 19 bis 6 Uhr gesperrt.

Die Übung

Für die Übung wurde der Riedleparktunnel am Samstag von 14 bis 20 Uhr gesperrt. Beteiligt waren die Feuerwehr Friedrichshafen, der Brand- und Katastrophenschutz, die Kreisstraßenmeisterei Tettnang, die Polizei, mehrere Rettungsdienste sowie die Tunnelwartungsfirma Actemium. Insgesamt waren rund 90 Rettungskräfte im Einsatz.