Die Szene macht neugierig: Ein Feuerwehrmann läuft rückwärts die Barbarossastraße hinunter, mit einer Tierbox unterm Arm. Sein Blick ist konzentriert auf eine Stockente gerichtet, die – aufgeregt schnatternd – sich nicht entscheiden kann, ob sie dem Mann näher kommt oder doch lieber flüchtet. Und so watschelt sie im Enten-Turbogang hin und her. Des Rätsels Lösung sitzt in der Tierbox: sieben winzige Küken, die die Entenmama ganz offensichtlich gern wieder in ihre Obhut nehmen würde.

Entenjagd auf dem ZF-Parkplatz: Stefan Marquart und Kevin Graf fangen das ausgebüxte Küken wieder ein.
Entenjagd auf dem ZF-Parkplatz: Stefan Marquart und Kevin Graf fangen das ausgebüxte Küken wieder ein. | Bild: Katy Cuko

Feuerwehr holt rund zehn Mal im Jahr Entenfamilien von Dächern

Für die drei Männer der Freiwilligen Feuerwehr Friedrichshafen war dieser Einsatz am Mittwochmorgen nicht der erste dieser Art. „Bestimmt so zehn Mal im Jahr holen wir Entenfamilien vom Dach“, erzählt Kevin Graf, während er die Entenmama verfolgt. Die hatte ausgerechnet das Flachdach eines Hauses an der Ravensburger Straße zum Brutplatz für ihren Nachwuchs erkoren. Eigentlich keine schlechte Entscheidung, denn mitten im Stadtgebiet und weit oben ist die Entenfamilie sicher, beispielsweise vor Füchsen, die gern Nester plündern. Doch sobald die ersten Küken schlüpfen, wird es gefährlich, denn Stockenten sind Nestflüchter. Sie verlassen schnell den Brutplatz und streben im Gänsemarsch hinter Mama Ente her zum nächsten Gewässer. Sonst verhungern die Kleinen, die vor allem kleine Mücken fressen.

Küken können schwimmen, aber noch nicht fliegen

Schwimmen können die Entenbabys, aber fliegen noch nicht. Das wusste auch eine Bewohnerin im Haus an der Ravensburger Straße, die am Mittwoch die Feuerwehr verständigte. Und so rückten Manuel Rauscher, Kevin Graf und Stefan Marquart aus, drei von 15 Hauptamtlichen bei der Feuerwehr, um die Küken zu retten, „bevor sie sich zu Tode stürzen“, wie Graf sagt. Die Kleinen ließen sich auf dem Dach relativ leicht einfangen. Doch die Entenmama zog zunächst den Abflug vor. Mit den quiekenden Küken in der Tierbox lockten die Männer sie an, doch fangen ließ sich die Ente lange nicht. Nach gut 20 Minuten Katz-und-Maus-Spiel auf der Straße flog sie erneut davon.

Ich will hier raus! Eins der sieben Entenküken versucht permanent, dem Käfig auf Zeit zu entkommen.
Ich will hier raus! Eins der sieben Entenküken versucht permanent, dem Käfig auf Zeit zu entkommen. | Bild: Katy Cuko

Vorwitzige Küken versuchen aus Tierbox zu entwischen

Was nun? Die Feuerwehrmänner trugen die Box mit den Küken zum ZF-Parkplatz an der Barbarossastraße – und warteten, in der Hoffnung, die Entenmama komme zurück. Sonst hätte man die Kleinen im Tierheim aufpäppeln müssen. Langeweile kam trotzdem nicht auf, weil ein vorwitziges Küken dauernd versuchte auszubüxen. Nach etlichen Anläufen quetschte sich das kleine Tierchen tatsächlich durch das Türgitter und rannte flink davon. Also gingen Stefan Marquart und Kevin Graf noch einmal auf Entenjagd, hatten den kleinen Ausreißer aber recht schnell wieder eingefangen.

Passe ich da durch? Im dritten Anlauf quetscht sich das Küken erfolgreich durch das Türgitter der Box.
Passe ich da durch? Im dritten Anlauf quetscht sich das Küken erfolgreich durch das Türgitter der Box. | Bild: Katy Cuko

Happy End: Familie zieht im Feuerwehrauto an die Rotach um

Doch die Entenmama ließ sich nicht blicken. Vielleicht war der Straßenlärm zu laut und sie hörte ihre Küken nicht mehr? Die Männer beschlossen, die Box wieder aufs Flachdach zu schleppen. Eine Viertelstunde später war die Entenfamilie wieder vereint. Im Feuerwehrwagen zogen die acht Vögel an die Rotach um. Eine tierisches Happy End.

Wieder eingefangen: In der Hand von Kevin Graf ist der kleine Ausreißer ganz friedlich.
Wieder eingefangen: In der Hand von Kevin Graf ist der kleine Ausreißer ganz friedlich. | Bild: Katy Cuko