Im Winter sind sie besonders gefährdet: Radfahrer. Dunkelheit, Schnee und Eis machen das Radeln zu einem gefährlichen Unterfangen. "Radfahren ist gerade in der dunklen Jahreszeit gefährlicher", sagt Markus Sauter, Sprecher der Polizeidirektion Konstanz. Wer während der kalten Jahreszeit dennoch auf seinen Drahtesel steigt, sollte einiges beachten.

Defensiveres Fahren ratsam

"Die Ausstattung für Fahrräder im Sommer und Winter unterscheidet sich nicht besonders. Außerdem gelten dieselben Pflichten und Regeln", erklärt Polizeihauptkommissar Markus Sauter. Bernhard Glatthaar vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Bodenseekreis (ADFC) stimmt ihm zu und ergänzt: "In den Wintermonaten lauern andere Gefahren. Es ist länger dunkel und die Wahrscheinlichkeit eines Fehlverhaltens im Straßenverkehr ist höher."

Glatthaar empfiehlt Fahrradfahrern, zwischen Oktober und März die eigene Fahrweise an die Witterungsbedingungen anzupassen. So müsse mit Rutschfallen, wie etwa feuchtem Laub oder überfrierender Nässe, gerechnet werden. Der Rat des ADFC-Mannes: Morgens lieber etwas früher losfahren und das Tempo anpassen. Abrupte Lenkbewegungen oder scharfe Bremsmanöver sollten möglichst vermieden werden. "Ein defensiveres Fahren ist ratsam – das gilt für Auto- und Radfahrer gleichermaßen", erläutert Glatthaar.

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Auch ein Helm ist im Winter trotz fehlender Helmpflicht unerlässlich. Viele ersetzen den Kopfschutz im Winter lieber mit einer Mütze. "Das jedoch ist alles anderes als ratsam", so Markus Sauter von der Polizei. Denn bei Unfällen mit Rädern seien Kopfverletzungen häufig.

Verbesserter Winterdienst in Friedrichshafen

In Radfahrmetropolen wie Kopenhagen werden Radwege im Winter noch vor den Fahrbahnen geräumt. Von solchen Verhältnissen ist Friedrichshafen weit entfernt. Bernhard Glatthaar erinnert sich noch daran, dass die Häfler Radwege bei Schneefall früher nur mäßig geräumt wurden. Erst seit ein paar Jahren ändert sich das. "Früher wurden nur die Hauptstraßen ausreichend vom Schnee befreit, doch für Radfahrer sind oft kleine Straßen die wichtigste Verbindungen. Die Stadt hat mittlerweile ihre Prioritäten angepasst und den Winter-Räumungsplan des Baubetriebsamtes überarbeitet", freut sich ADFC-Vorsitzender Bernhard Glatthaar.

Vier Tipps von Fahrrad-Experte Horst Mory:

1. Reifen mit genügend Profil ausstatten

Gerade das Radfahren auf dünnen Reifen kann im Winter gefährlich sein.
Gerade das Radfahren auf dünnen Reifen kann im Winter gefährlich sein. | Bild: Singler, Julian
  • Ausreichend Profil: "Das Fahrrad sollte schon Ende des Sommers mit Reifen ausgestattet sein, die ausreichend Profil haben", sagt Horst Mory, Filialleiter von Keller Fahrräder in Friedrichshafen.
  • Reflektoren: Weiterhin sollte laut Mory grundsätzlich darauf geachtet werden, dass das Rad seitliche Reflektoren hat. Sind diese nicht bereits vorbereitet im Reifen vorhanden, sollten Radfahrer in der Felge Reflektoren haben – dies schreibt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) auch vor.
  • Spikes & Co.: Der ADFC gibt den Tipp, etwas Druck aus den Reifen zu lassen, um die Griffigkeit bei Schnee zu verbessern. Spikes und Winterreifen seien dagegen etwas für Experten. Mit gut profilierten Ganzjahresreifen kämen Radler gut durch den Winter.

 

2. Gut beleuchtet durch die Dunkelheit

Beim Fahrradlicht kommt es neben der Beleuchtung auch auf die Ausleuchtung an.
Beim Fahrradlicht kommt es neben der Beleuchtung auch auf die Ausleuchtung an. | Bild: Singler, Julian
  • Licht: Beim Fahrradlicht kommt es Horst Mory zufolge darauf an, ob ältere oder moderne Dynamovarianten verwendet werden. "Bei den älteren Modellen sollte vor dem Winter geprüft werden, ob eine ausreichende Ausleuchtung gewährleistet ist", sagt der Experte. Die Ausleuchtung sei genauso wichtig wie die Beleuchtung selbst.
  • LED-Beleuchtung: "Moderne Lichtsysteme arbeiten mit LED statt Halogen. LED-Licht ist im direkten Vergleich heller und stärker", erläutert Mory. Wegen der schlechteren Sichtverhältnisse im Herbst und Winter rät der ADFC dazu, das Licht schon bei Dämmerung einzuschalten. Der Fahrradclub empfiehlt Nabendynamo, LED-Frontscheinwerfer und LED-Rücklicht – am besten mit Standlicht.

 

3. Auch die Bekleidung bringt Sicherheit

Neonfarbige Kleidung mit zusätzlichen Reflektoren ist im dunklen Winter ideal.
Neonfarbige Kleidung mit zusätzlichen Reflektoren ist im dunklen Winter ideal. | Bild: Singler, Julian
  • Leuchtende Farben: Horst Mory rät Fahrradfahrern dazu, unterwegs auf dunkle Bekleidung zu verzichten. Ideal sei neonfarbige Kleidung, die reflektiert oder zusätzliche Reflektoren eingearbeitet hat. "Damit ist der Radler im Straßenverkehr stets und von allen Seiten gut zu erkennen", sagt er.
  • Warnwesten: Mory: "Sie schreibt der Gesetzgeber zwar nicht vor, aber gerade für Kinder im Kindergarten- oder Grundschulalter machen sie in diesen Monaten absolut Sinn."
  • Reflektoren: Kontrastreiche Kleidung sowie zusätzliche Reflektoren an Jacke, Hose oder Helm seien laut ADFC ein Sicherheitsplus. Ohren, Hände und Füße sollten warmgehalten, aber nicht zu dick eingepackt werden, da der Körper sich durch Bewegung erwärmt.

 

4. Bremsen sollten gut gewartet werden

Bremsen sollten das ganze Jahre über gepflegt werden.
Bremsen sollten das ganze Jahre über gepflegt werden. | Bild: Singler, Julian
  • Bremsen: Nach Angaben des ADFC sind Bremsen im Winter nicht anders zu behandeln als im Sommer. Aber: Bremsen und Fahrradkette würden das ganze Jahr über oftmals vernachlässigt. Spätestens im Winter kann sich das rächen, denn wegen der auf die Bodenbeläge gestreuten Salzlauge, die die Straßen, Geh- und Radwege enteist, werde das Metall angegriffen.
  • Reinigung: Um leichten Beschädigungen bis hin zum Reißen der Kette vorzubeugen, sollte sie das ganze Jahr über regelmäßig gereinigt und geölt werden, rät Fahrradhändler Mory. Merkt der Radler, dass die Bremskraft nachlässt, sollte er nachjustieren. Die Instandhaltung der Bremsen ist also wichtig, hat im Vergleich zu Reifen oder Licht aber nicht oberste Priorität.