Das Schöffengericht des Amtsgerichts Tettnang unter Vorsitz von Richter Max Märkle hat am Dienstagnachmittag den angeklagten 29-jährigen Bremer wegen versuchten gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Betrugs zu drei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt.

Der angeklagte 29-jährige Bremer ist nach Ansicht des Gerichts "Logistiker" einer internationalen Bande, der die Abholaktion am 20. Juni 2017 bei einer 94-jährigen Häflerin organisiert hat. Sie sollte um 100 000 Euro betrogen werden. Die beiden "Abholer" wurden dabei von der Polizei festgenommen. Zuvor waren ihr bereits mit der "Falschen Polizisten"-Masche 25 000 Euro und dann noch einmal 100 000 Euro aus der Tasche gezogen worden. Die Täter sind unbekannt. Verteidiger Stephan Weinert forderte Freispruch für seinen Mandanten.

Am letzten Verhandlungstag gab es zunächst eine Überraschung. Der 31-jährige "Abholer" hatte sich kurz vor dem Verhandlungstag am 28. Februar gemeldet und angekündigt, jetzt doch eine Aussage machen zu wollen. Das hatte er zuvor verweigert. Gestern Mittag erschien er dann zwar aus Bremen kommend, um dann jedoch wieder zu erklären, dass er nicht aussagen werde. Der 31-Jährige war im Dezember wegen gewerbsmäßigen und badenmäßigen versuchten Betrugs zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung, auch vor Richter Märkle, verurteilt worden. Dagegen läuft eine Berufung. Der andere "Abholer", ein 24-jähriger aus Bremen, wurde zu einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung verurteilt, wegen Beihilfe zu dem versuchten Betrug. Er war der Hauptbelastungszeuge gegen den 29-Jährigen.

Verteidiger Weinert blieb bei seiner Meinung, dass dessen Aussage unglaubwürdig sei, da er zunächst den 31-Jährigen belastet hatte und erst nach Aussicht auf eine Bewährungsstrafe den 29-Jährigen. Möglich sei auch, dass ein Dritter Verdächtiger aus der Shisha-Bar in Bremen, bekannt aus einem weiteren Fall im Raum München, der Drahtzieher sei. Seiner Ansicht nach hat die Polizei Einzelheiten ohne Tatbezug zusammengefügt, damit sie zu dem Wissen der Behörden über das Vorgehen der "Falschen Polizisten" passen, deren Chefs in der Türkei sitzen sollen. Das könne man glauben oder nicht. Aber: "Der Glauben gehört in die Kirche und nicht ins Gericht", sagte Weinert.

Staatsanwältin Amelie Gerteis und das Schöffengericht sehen in den vielen Indizien die Anklage bestätigt. Märkle beschrieb das Vorgehen wie "das perfekte Ineinandergreifen von Zahnrädern". "Es ist völlig schamlos, wie die Autorität und das Ansehen von staatlichen Behörden ausgenutzt worden ist", stellt er fest. Eine alte Frau um ihre Pflegevorsorge zu bringen sei "ein ganz, ganz miese Masche". Das Gericht ordnete außerdem an, die DNA des 29-Jährigen zu sichern, weil es weitere Straftaten erwartet. Er hat schon sieben, allerdings kleinere, Vorstrafen.