Die Ermittlungen gegen einen Händler aus Friedrichshafen, der das Potenzmittel "Rammbock" vertrieben haben soll, sind noch in vollem Gange. Das berichten Polizei und Staatsanwaltschaft auf Nachfrage. "Wir ermitteln wegen eines Verstoßes gegen Paragraf 95 Absatz 1, Nummer 3 a des Gesetzes über den Verkehr mit Arzneimitteln (AMG)", teilt Staatsanwältin Tanja Kraemer, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Ravensburg, mit.

Es geht um das unerlaubte Inverkehrbringen von Arzneimitteln. Die Strafvorschrift im AMG sieht dafür eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren vor. Es werde umfassend ermittelt, bestätigt auch Markus Sauter, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Konstanz.

„Ich gehe davon aus, dass die Ermittlungen umfassend sein werden.“ – Markus Sauter, Pressesprecher Polizeipräsidium Konstanz
„Ich gehe davon aus, dass die Ermittlungen umfassend sein werden.“ – Markus Sauter, Pressesprecher Polizeipräsidium Konstanz | Bild: Polizeipräsidium Konstanz

Mittel enthält mehr Sildenafil als Viagra

Das Mittel "Rammbock" war als Nahrungsergänzungsmittel verkauft worden, enthielt aber in einer hohen Dosis den Wirkstoff Sildenafil, der in Viagra und in entsprechenden Generika verwendet wird. Darauf wurde laut Polizei und Staatsanwaltschaft weder auf der Verpackung noch in der Produktbeschreibung im Internet hingewiesen.

Verkauft wird das zugelassene Viagra mit bis zu 100 Milligramm Sildenafil pro Tablette. Eine geprüfte Packung des Gels "Rammbock" enthielt nach Angaben von Staatsanwältin Kraemer 105 Milligramm Sildenafil.

Der Wirkstoff kann bei Menschen mit Herzerkrankungen oder in Kombination mit bestimmten Medikamenten tödlich wirken – deshalb sind Mittel mit diesem Inhaltsstoff in Deutschland verschreibungspflichtig.

"Ich kann noch nichts Verifizierbares sagen. Die Ermittlungen sind ja noch nicht so alt." – Tanja Kraemer, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Ravensburg
"Ich kann noch nichts Verifizierbares sagen. Die Ermittlungen sind ja noch nicht so alt." – Tanja Kraemer, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Ravensburg | Bild: Cuko, Katy

Bei Routinekontrolle ergeben sich Verdachtsmomente

Entdeckt wurde der Verstoß laut Dirk Abel, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Tübingen, "im Zuge einer routinemäßigen Lebensmittelüberwachung". Vor Ort in Friedrichshafen hätten sich für die Lebensmittelkontrolleure Verdachtsmomente ergeben, weshalb sie eine Probe mitnahmen und untersuchen ließen.

Nach der Feststellung von Sildenafil übernahm die Leitstelle für Arzneimittelüberwachung den Fall. Gegen die Vertriebsfirma wurde eine Untersagungsverfügung zum weiteren Inverkehrbringen von "Rammbock" erlassen und am 11. April eine Gesundheitswarnung veröffentlicht.

Das Amtsgericht ordnete eine Durchsuchung der Geschäftsräume des Vertreibers in Friedrichshafen an, wo am selben Tag von der Polizei mehr als 11 000 Verpackungseinheiten sichergestellt wurden. Wie viele Packungen bis dahin verkauft wurden und woher sie stammen, wird noch ermittelt.

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Bisher keine Stellungnahme des Geschäftsführers

Die Vertriebsfirma wurde im August 2017 im Handelsregister eingetragen. Das Mittel "Rammbock" wurde über eine Internetseite des Unternehmens und weitere Kanäle vertrieben. Auf der Facebook-Seite von "Rammbock" steht: "Wer die Wahl hat, hat die Qual. Von etwas Gutem kann es nur schwer zu viel geben" – abgebildet sind "Rammbock"-Packungen mit Ferrari-, Bentley- und Maserati-Autoschlüsseln.

Nach Auskunft der Behörden erfolgte der Vertrieb auch über mehrere Wettbüros. Vom Geschäftsführer der Firma gab es bisher keine Stellungnahme.