Der Frühling lockt die Menschen wieder zurück in den Garten. Doch was kann zu dieser Jahreszeit angepflanzt werden? Welche Tipps und Tricks haben die Profis? Drei Kleingärtner und eine Gärtnerei teilen ihr Wissen über Pflanzen, Schädlinge und Trends.

Für die Gartenfreunde Hinteresch ist ein Gewächshaus unverzichtbar. Die Kleingärtner nutzen es zum Vorziehen junger Gemüsepflanzen. Tomaten, Paprika oder Gurken werden demnach zunächst geschützt aufgezogen. "Wir benutzen dafür Samen aus eigenem Bestand. So etwas kann nirgends gekauft werden", erklärt Erwin Marezki, Vorsitzender des Vereins. Wer auf so einen Vorrat nicht zurückgreifen kann, solle beim heimischen Gärtner nachfragen. Diese würden sich zwar nicht für eigene Züchtungen eignen, erzielen aber für eine Saison dennoch gute Ergebnisse.

Für sie ist der Kleingarten auch ein Zuhause: Erwin Marezki (l.), Ulrike Halder und Bernhard Eichwald.
Für sie ist der Kleingarten auch ein Zuhause: Erwin Marezki (l.), Ulrike Halder und Bernhard Eichwald. | Bild: Sandro Kipar

Großen Wert legen die Gartenfreunde außerdem auf natürliche Prozesse. "Wir nutzen nur wenig bis gar keine Spritzmittel", sagt Bernhard Eichwald, stellvertretender Vorsitzender der Gartenfreunde. Gedüngt wird mit einem Sud aus Brennnesseln. "Die sind auch gut gegen Blattläuse", ergänzt Eichwald. Auch mit den sogenannten Ohrenkneifern solle der Hobbygärtner es sich nicht verscherzen. Laut Eichwald fressen die gerne die lästigen Blattläuse. Und sollte sich einmal die wurzelfressende Maulwurfsgrille ins Gartenbeet verirren, seien Eierschalen die richtige Lösung. "Den Kalk verträgt die nicht", sagt Eichwald.

Auf die Frage, wann etwas gepflanzt werden sollte, schwört Marezki auf den Mondkalender. Dafür hat er eine einfache Faustregel: "Alles was nach oben wächst, muss bei zunehmendem Mond gepflanzt werden. Was nach unten wächst, bei abnehmendem. Ein professioneller Gärtner wird dem allerdings sofort widersprechen." Doch laut Marezki und seinen Vereinskollegen sprechen die Ergebnisse für sich. Einzige Ausnahme seien Bohnen. "Die müssen bei abnehmendem Mond gepflanzt werden", sagt der Vorsitzende.

Pflegeintensiv sei vor allem die Tomate. Schon beim Heranziehen im Gewächshaus solle die Erde, in der sie wächst, immer locker und feucht sein. Im Freien gepflanzt wird traditionell erst nach den Eisheiligen. Eine Regel, die laut den Kleingärtnern für die meisten Gemüsesorten gilt. Ausnahmen seien beispielsweise Salat oder Spinat, die etwas robuster sind. "Wichtig ist, dass die Tomaten auch draußen überdacht sind", erklärt Bernhard Eichwald. Die Gartenfreunde empfehlen außerdem, neue Triebe nicht abzuschneiden, sondern abzubrechen. "Lässt man sie treiben, kann die Pflanze irgendwann nicht mehr alle Früchte ausreichend mit Nährstoffen versorgen", sagt Eichwald. Ideal sei es, nur den Haupttrieb mit etwa neun Früchten wachsen zu lassen.

Alles wächst und gedeiht – auch dank ungewöhnlicher Methoden. Bernhard Eichwald ist stolz auf sein Gemüse, das er im Gewächshaus vorzieht.
Alles wächst und gedeiht – auch dank ungewöhnlicher Methoden. Bernhard Eichwald ist stolz auf sein Gemüse, das er im Gewächshaus vorzieht. | Bild: Sandro Kipar

Einen Trend für Gärten und Balkone erkennt Gerhard Friedrich, Inhaber von Gartenbau Friedrich. Er glaubt, dass besonders das Naschobst in diesem Jahr beliebt sein wird. "Kleine Himbeer- oder Heidelbeersträucher zum Beispiel, die auch im Topf gepflanzt werden können", sagt Friedrich. Diese bleiben laut dem Gärtner kompakt und passen zum mitteleuropäischen Klima. Wer schon jetzt mit der Gartenarbeit beginnen möchte, sollte sich laut Friedrich an bestimmte Pflanzen halten. "Hornveilchen und Stiefmütterchen können schon jetzt gepflanzt werden. Auch Kräuter oder Salat sind schon jetzt denkbar."

Die eisigen Temperaturen im März haben jedoch auch den erfahrenen Gärtner vor eine Herausforderung gestellt. "Die letzten Wochen liefen nicht so gut. Eigentlich kommt das Geschäft schon Anfang März zum Laufen." Einige Pflanzen wanderten in den Kühlraum der Gärtnerei. Dort werden sie durch die Temperatur zurückgehalten und bleiben im Knospenstadium, erklärt Friedrich.

 

Der lange Weg zum eigenen Kleingarten

Nicht jeder kann vor der eigenen Haustüre einen Garten anlegen. Wer dennoch auf das Grün nicht verzichten möchte, kann sich um einen Kleingarten bemühen. Diese Grundstücke werden in der Regel von Stadt und Vereinen verwaltet.

  • Bewerbung: In Friedrichshafen gibt es laut Stadtverwaltung die Kleingartenanlagen Hinteresch, Rotachbogen, Seeblick und Kitzenwiese. Interessenten können sich bei den Vereinen um einen Platz bewerben. "In die Bewerbung gehören Name, Beruf, Familienstand und das Alter", erklärt Erwin Marezki von den Gartenfreunden Hinteresch. Dies habe laut Ulrike Halder, Schriftführerin der Gartenfreunde, auch gute Gründe: "So ein Kleingarten bedeutet mehr Arbeit, als viele vermuten. Nur zu zweit kann das Grundstück ordentlich gepflegt werden." Allein sei dies nicht möglich. Gleichzeitig bemüht sich der Verein um junge Neuzugänge, denn das Alter sei einer der Gründe, weshalb langjährige Kleingärtner ihre Grünflächen abgeben.
  • Warteliste: Es kommt selten vor, dass ein Kleingarten frei wird. Allein auf der Warteliste der Gartenfreunde stehen schon etwa zehn Interessenten. Die städtische Warteliste umfasst laut Stadtverwaltung sogar rund 250 Personen. Die Wartezeit liegt demnach zwischen zehn und 15 Jahren, informiert die Stadt.
  • Gebühren: Auch über Kosten gibt die Stadt Auskunft: "Die Kleingärtner zahlen pro 100 Quadratmeter 20 Euro im Jahr." Damit sind dann aber auch alle Kosten gedeckt, weiß Halder und ergänzt: "Ein Drittel der Fläche muss bewirtschaftet werden." Das lohnt sich aber auch, sagt Halder, denn sie kann sich durch ihren Kleingarten fast vollständig mit Gemüse versorgen.
  • Wohnort: Die Stadt verpachtet nur an Interessenten, die in Friedrichshafen wohnen. Marezki kann diese Regelung nur unterstützen: "Wer täglich 20 Minuten oder mehr zu seinem Kleingarten fahren muss, verliert schnell die Lust daran." (kip)