Friedrichshafen – Es war eine fast schon historische Mitgliederversammlung des SPD-Ortsvereins. Denn 23 Häfler bekamen ihr nagelneues, rotes Parteibuch ausgehändigt – so viel Zulauf hatten die Häfler Genossen schon lange nicht mehr. "Ich glaube, zuletzt ist die SPD in Willy Brandts Zeiten so sehr gewachsen", sagte Norbert Zeller, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion und Wahlleiter am Freitag. Mit den "Neuen" hat der Häfler Ortsverein nun 183 Mitglieder.

Der Zulauf lässt sich leicht erklären: Die langwierigen Koalitionsverhandlungen in Berlin und der Mitgliederentscheid der SPD über die Frage, der GroKo beizutreten oder nicht, bewog viele, sich erstmals in der Partei zu engagieren. "Ich wollte in diesen Zeiten politisch Farbe bekennen, denn die bürgerlichen Parteien haben das nötig", sagte etwa Matthias Arzner, der gegen die GroKo stimmte. Auch Nikolas Römer – ebenfalls GroKo-Gegner – betonte, dass er in die SPD eingetreten sei, um "sich zu beteiligen, statt nur zu kritisieren". "Ich bin eingetreten, weil ich möchte, dass im Sinne der Menschen Politik gemacht wird und weil ich mich engagieren möchte", so Neu-Mitglied Andreas Krumtung, der wiederum für die GroKo stimmte.

Das Thema des Abends war die Erneuerung, die sich die SPD auf die Fahnen geschrieben hat. Das betonte auch der scheidende Ortsvorsitzende Roland Kaczmarek. "Die SPD muss den Wählern klarmachen, wofür sie eigentlich steht. Und das schafft man nicht dadurch, dass man das 'Weiter so' mit Erneuerung ersetzt, es genügt nicht, Erneuerung zu behaupten, das Land muss sie spüren." Genau aus diesem Grund sei die Zeit für ihn auch reif, sein Amt nach sechs Jahren abzugeben, denn "auch in den Ortsvereinen ist eine Veränderung notwendig." Als sein Nachfolger wurde sein Stellvertreter Werner Nuber mit 36 von 40 Stimmen gewählt, den Dieter Stauber, Fraktionschef im Gemeinderat, als "Best-Ager mit sozialer Kompetenz" lobte. Nuber stellte klar, dass er für eine persönliche und inhaltliche Erneuerung stehe, denn die SPD müsse mehr sein "als sozial", so Nuber.

Aus eben dem Grund, Erneuerung möglich zu machen, stellte auch Christine Heimpel ihr Amt als stellvertretende Vorsitzende zur Verfügung, ohne allerdings zu betonen, weiter mitmischen zu wollen. Gewählt wurden Luca Baumann und Matthias Eckmann, beide bereits engagiert als Vorstand der Jusos im Bodenseekreis. "Vieles war gut, aber einiges muss anders werden", betonte Baumann und Eckmann fügte hinzu, dass es unabdingbar sei, eine Mischung zwischen Alt und Jung im Ortsverein zu etablieren. Auch die anderen Ämter im Vorstand gingen an junge SPDler: Kassier wurde Michael Kübler, Schriftführerin Christine Weimann. Der gesamte SPD-Vorstand besteht für die nächsten beiden Jahre nun vor allem aus sehr jungen SPD-Mitgliedern, die allesamt die inhaltliche Erneuerung auf ihre Fahnen geschrieben haben.

Dieter Stauber dankte nach seinem Bericht über die Arbeit der SPD-Gemeinderatsfraktion Roland Kaczmarek für seine unermüdliche Arbeit in den vergangenen Jahren. "Du warst immer verlässlich, hast alles super organisiert und warst nie beratungsresistent", so Stauber. Kaczmarek erntete viel Applaus und betonte, dass er weiter politisch engagiert bleibe. "Ich bin ja im Gemeinderat, im Helferkreis Asyl und beim Bürgerforum FN -Ost aktiv und das werde ich natürlich auch weiter bleiben", so Kaczmarek.

Vorsitzender Werner Nuber betonte, dass die Häfler SPD künftig neue Formate ausprobieren wolle, um den Menschen näher zu kommen. Ulrich Bernard stellte den "Salon Rouge" vor, der schon im April an den Start gehen soll. "Das ist ein Dikussionszirkel, der für alle Interessierten offen sein soll", erklärte Bernard. Denn Erneuerung brauche neue Wege.

Der neue Vorstand

  • Vorstand: Werner Nuber ist der neue Vorsitzende, seine Stellvertreter sind Luca Baumann und Matthias Eckmann. Kassier ist Michael Kübler, Schriftführerin Christine Weimann. Als Beisitzer wurden Angelika Ahlfänger, Kamil Balikavlayan, Ulrich Bernard, Bülent Sari, Roland Kaczmarek und Detlef Luf gewählt.
  • Neumitglieder: Matthias Arzner, Werner Boes, Tristan Brömsen, Correia Cesar, Valentin Glökler, Beate Grela, Kartharina Koert, Leon Kohrt, Andreas Krumtung, Bernd Kuypers, Nora Lenk, Detlef Luf, Hilde Mayer, Charlotte Michaelis, Ferdinand Nehm, Nikolas Oberländer, Nikolas Römer, Claas Rosenhagen, Karl Schmid, Anneliese Sendker, Jan Sternagel, Adam Wist und Hendrik Witt. Vom Ortsverein Hamburg-Altona kam Dario Schröter.