Als Nachrufschreiber sieht Walter Wemut das Leben vom Ende her. Er gewinnt so mit einer leisen Melancholie auch die Freiheit, etwa über die Widerständigkeit des Müßiggangs nachzudenken. „Am Herumsitzen ist für niemanden Geld zu verdienen, außer für die Fabrikanten von Sofas und Sitzkissen.“

Wemut ist der Protagnonist im Buch „Wozu wir da sind“ des Journalisten und Schriftstellers Axel Hacke. In der großen Mehrheit, beobachtet Wemut alias Hacke, bestehe die Menschheit aus Menschen, über die nicht viel zu erzählen sei. „So scheint es. Und genau das ist das Interessante. Weil es nämlich immer etwas sehr Interessantes zu erzählen gibt“, sagt er. Man müsse es nur herausfinden. „Man muss es wissen wollen.“

Das hat Axel Hacke zum Beruf gemacht. In Kolumnen und Büchern schaut er genau hin, auf Kleines im Großen, Besonderes im Normalen, auf das, was beim Weltuntergang übersehen werden könnte. Im Casino im Kulturhaus Caserne liest er aus seinen Texten, als kämen ihm diese Gedanken gerade jetzt, mit Pausen und oft mit sanfter Ironie. Seine Beobachtungen sind genau, entlarvend, aber nie gehässig. Er kann mit ebenso großer Ver- wie Bewunderung über Naturforscher sinnieren, die Orang-Utan-Urin auffangen, er versteht Kühlschrank Bosch, der sich Sorgen macht, durch ein modernes Gerät mit Internet ausgetauscht zu werden und er ist sauer auf „Jemand“, „Man“ oder „Einer“, weil die nie Blumen gießen oder aufräumen.

Wiedersehen zur Bexit-Verschiebung

Selbst politischen Trauerspielen gewinnt er etwas ab. Wer die Verzögerung des Brexits beklage, denke zu kurz. Die EU bestehe erst seit 1993. Der erste englische König sei schon 802 gekrönt worden und Charles warte seit 67 Jahren auf den Thron. Hacke rechnet damit, dass noch in 100 Jahren alle drei Monate eine britische Delegation nach Brüssel reisen und um die Verschiebung des Brexits bitten werde. „Dann wird niemand mehr wissen, was das eigentlich ist, Brexit. Aber man wird ihn verschieben, etwas trinken und sich in drei Monaten wiedersehen. So entstehen Feste!“ Heute wisse schließlich kaum jemand noch, warum es Pfingsten gebe.