Dienstagmorgen, Treffpunkt Regenerstraße. Ulrich Bernard steht vor dem Apfelbaumfeld, das längst keins mehr ist. "Alles weg", sagt er, "das ist einer der letzten innerörtlichen freien Flecken, da hätte man wirklich etwas Schönes darauf schaffen können." 8500 Quadratmeter, mitten in Windhag, Top-Lage. Was hier gebaut wird, verkauft sich vom Plan, das steht fest. Doch die vorläufigen Pläne, die sorgen seit rund drei Jahren für Ärger zwischen Bürgern, Investor und Stadtverwaltung.

Im Kern geht es um einen klassischen Zielkonflikt. Auf der einen Seite stehen ein Investor, in diesem Fall Grundstückseigentümer und Häfler Hotelier Robert Baur, und die Stadtverwaltung, respektive das Technische Rathaus. Ihr erklärtes, gemeinsames Ziel heißt: Nachverdichtung. Auf der anderen Seite die Bürgerinitiative Apfelbaumfeld. Anwohner, Eigentümer, Nachbarn, die mitsprechen und mitgestalten wollen, die über Verkehrs- und Lärmsituationen grübeln. "Die Stadt hätte den Startschuss anders setzen müssen", sagt Bernard, "sie hat sich viel zu wenig Gedanken gemacht über das Gebiet und alles dem Investor überlassen. Dabei hat sie doch Planungshoheit." In einem offenen Brief (siehe Infokasten), der im Vorfeld an Gemeinderäte, Stadt und Presse ging, kritisierte die BI die Verwaltung vehement, wirft ihr "Täuschungen" und "Intransparenz" vor.

Dienstagabend, Technisches Rathaus, Charlottenstraße. Alle Besucherstühle sind besetzt, ein eher seltenes Bild. Die BI Apfelbaumfeld ist zahlreich vertreten. Baubürgermeister Stefan Köhler ruft Tagesordnungspunkt 4, den Entwurfsbeschluss Regenerstraße, auf. "Ich weise die Täuschung, die uns vorgeworfen wird, vehement zurück", sagt Köhler, "das Gremium hat sich ausführlich und sehr umfassend mit den Plänen beschäftigt, dieser Brief ist einfach nicht zutreffend." Stefan Nachbaur, Chef von Prisma, stellt die leicht geänderten Pläne und neu erstellte Lärm- und Verkehrsgutachten vor. Es gibt keine Wortmeldungen seitens der Gemeinderäte. Ohne Diskussion bringt der Technische Ausschuss einstimmig erneut den Entwurf für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan auf dem Flurstück 14 auf den Weg.

Ulrich Bernard und seine Mitstreiter verlassen den Sitzungssaal.

Entwurf Regenerstraße

  • Das Projekt: Das rund 8500 Quadratmeter große Grundstück in der Regenerstraße (Flurstück 14) gehört Hotelier Robert Baur (Buchhorner Hof, Hotel Föhr), der gleichzeitig Investor ist. In seinem Auftrag soll die Firma Prisma dort acht dreistöckige Mehrfamilienhäuser (plus Penthouse-Wohnungen) mit insgesamt 73 Wohnungen bauen. Hinzu kommt eine Tiefgarage mit zwei Ausfahrten in Richtung Regenerstraße. Planer ist das Architekturbüro Fritz Hack in Friedrichshafen. Die Stadtverwaltung vereinbart mit dem Investor in einem Durchführungsvertrag, dass 20 Prozent der Wohnungen mietpreisgebunden sein sollen. Bis 2014 gab es an dieser Stelle eine Intensivobstanlage, die Bäume sind nun aber alle gerodet.
  • Der aktuelle Stand: Für das Plangebiet gibt es seit 1959 einen Baulinienplan, der allerdings deutlich geringere Baudichte und Formen vorschreibt, als vom Investor und der Stadtverwaltung gewollt. Die Stadtverwaltung will deshalb einen vorhabenenden Bebauungsplan auf den Weg bringen. Der Entwurf wurde gestern Abend erneut beschlossen, da während der öffentlichen Auslegung des ersten Entwurfs das Verkehrs-und Lärmgutachten entwendet worden waren und außerdem Änderungen vorgenommen wurden. Jetzt wird der Entwurf erneut öffentlich ausgelegt. Bevor es an den Satzungsbeschluss geht, muss die Stadt das Ergebnis des Petitionsausschusses des Landtags abwarten. Dort liegt eine Petition der BI vor. Wann und ob der Gemeinderat über den vorhabenen Bebauungsplan abstimmt, ist vom Ergebnis abhängig.
  • Die Bürgerinitiative (BI): Die Initiative Apfelbaumfeld wurde 2013 von Anwohnern gegründet, als erste Gerüchte zur Bebauung der Freifläche in Windhag aufkamen. Mittlerweile hat sie rund 100 Mitglieder. "Wir wollen keine Bebauung verhindern", sagt Sprecher Ulrich Bernard, "aber wir wollen miteinbezogen werden." Die BI wirft der Verwaltung in einem offenen Brief "Intransparenz", "Ungereimtheiten" und "Täuschungen" vor und fühlt sich von der Verwaltung übergangen. "Der Vorwurf der Intransparenz überrascht uns schon: Wir haben im Vorfeld zahlreiche Gespräche mit Anwohnern und der Initiative geführt", sagt Sprecherin Monika Blank. Die Initiative im Netz: www.apfelbaumfeld.de