Eigentlich war die Fragerunde am Ende der Einwohnerversammlung schon abgeschlossen. Da drängte sich Rosi Przybilla mit einem herzlichen "Dankeschön" für zwei Magnolienbäumchen, die die Stadt vor ihrem Haus in der Hans-Böckler-Straße gepflanzt hat, noch ans Mikrofon. "Macht doch mehr so schöne Sachen", rief sie unter dem Beifall der rund 400 Häfler der versammelten Rathausspitze zu, und hatte auch gleich einen konkreten Vorschlag: "Lasst die Rotach schön bleiben." Auch Naherholungsgebiete würden in der Stadt gebraucht.

Rund 400 Häfler informierten sich am Mittwochabend im Graf-Zeppelin-Haus an den Infoständen der Stadtverwaltung über laufende und geplante Projekte.
Rund 400 Häfler informierten sich am Mittwochabend im Graf-Zeppelin-Haus an den Infoständen der Stadtverwaltung über laufende und geplante Projekte. | Bild: Cuko, Katy

Das seit Jahren umstrittene Thema Hochwassermanagement an der Rotach war eins, das Oberbürgermeister Andreas Brand in seinem Streifzug durch die Stadt nicht streifte. Seine Rede prägten zwei andere Schwerpunkte: Bürgerbeteiligung und Investitionen. Ob Neugestaltung des Uferparks, Wohnungsbau in Allmannsweiler oder die neue Ortsmitte in Fischbach: Hier waren und sind Ideen, Meinungen und Vorschläge der Häfler gefragt. Man versuche den Ausgleich der Interessen, doch "gute Lösungen sind nicht immer einstimmig", warb Brand um Verständnis.

Oberbürgermeister Andreas Brand und Erster Bürgermeister Stefan Köhler (links) stellten sich auf dem Podium bei der Einwohnerversammlung den Fragen der Häfler. Bild: Stadt Friedrichshafen/Felix Kästle
Oberbürgermeister Andreas Brand und Erster Bürgermeister Stefan Köhler (links) stellten sich auf dem Podium bei der Einwohnerversammlung den Fragen der Häfler. | Bild: Felix Kaestle

Ein Beispiel dafür mag der Lammgarten im Uferpark sein, dessen Verlegung im Raum stand, der am Platz nun "für uns gesetzt" ist, so der OB. Die "vereinigten Hüttenwerke drumherum" allerdings gehörten strukturiert. Wie die Ufer-Flaniermeile mal aussehen soll, da sei "noch nichts zementiert oder in Beton gegossen". Abschnittweise will die Stadt vorgehen, vielleicht mit dem Gondelhafen beginnen, jedenfalls keine Großbaustelle am Stück eröffnen, versprach Brand. Auf dem Weg dahin will die Stadt die Bürger weiter mitnehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Trotz großer Investitionen – darunter zwei Bäder und drei Sporthallen in zehn Jahren – seien "die Taschen ordentlich gefüllt", erklärte Brand mit Blick auf den Kassensturz zum Jahresabschluss 2018. Die Verschuldung wurde auf zehn Millionen Euro abgebaut, die Rücklagen im städtischen Haushalt auf den "historischen Höchststand" von 80 Millionen Euro ausgebaut, so Brand. Die Hälfte davon braucht es allerdings für den B 31-Tunnel in Waggershausen. Und viele Baustellen bleiben, wie auch nach Brands Rede in der Fragerunde an die Rathausspitze deutlich wurde:

  1. Was plant die Stadt nach der Germania-Pleite nun mit dem Flughafen? "Die wirtschaftliche Anspannung ist dadurch größer geworden", so der OB. Was zu tun sei, könne er erst sagen, wenn alle Fakten vorliegen. "Man kann den Flughafen in Frage stellen, ich tue das nicht", positionierte sich Andreas Brand deutlich.
    Das könnte Sie auch interessieren
  2. Wäre bei der wirtschaftlich schwierigen Lage des Klinikums eine Zusammenarbeit mit der Oberschwabenklinik in Ravensburg nicht sinnvoll? "Was soll besser oder anders werden mit Ravensburg?", fragte Brand. Der Medizin Campus Bodensee mit den drei Kliniken habe das Zeug dazu, besser zu werden, auch wenn sich der wirtschaftliche Erfolg in Tettnang und Weingarten noch nicht so eingestellt habe wie 2014/15 prognostiziert. Ob die medizinische Strategie geändert werden muss, werde bereits überprüft. Im Zweifel stehe ihm als OB der Häfler Standort freilich am nächsten.
  3. -Wie ist der Stand der Dinge beim ehemaligen Zoll-Areal? Das habe man zurückgestellt, weil derzeit viele Themen auf der Agenda stehen, erklärte Erster Bürgermeister Stefan Köhler.
  4. Wäre ein 1-Euro-Ticket für den ÖPNV, wie in Ravensburg gerade diskutiert wird, angesichts voller Kassen nicht auch in Friedrichshafen denkbar? "Wir schließen so etwas nicht aus", sagte Brand. Doch zuvor müsse man sagen können, worauf man dafür verzichtet, wer das bezahlt und wie man das umsetzt. Die Stadt setze derzeit auf einen qualitätsvollen Ausbau des Nahverkehrs und mehr Strecken. Wenn es ums Geld geht, brauche es zudem die Abstimmung mit dem Verkehrsverbund Bodo.
Das könnte Sie auch interessieren

Eine halbe Stunde vor Beginn der Informationsveranstaltung sind die 22 Themeninseln im Graf-Zeppelin-Haus gut besucht. Bürger diskutieren mit Vertretern der unterschiedlichen Fachämter und kommen untereinander ins Gespräch. Dabei rückt das Thema Wohnen und Infrastruktur immer wieder in den Vordergrund.

An den Infoständen und dazwischen kamen Bürger untereinander ins Gespräch.
An den Infoständen und dazwischen kamen Bürger untereinander ins Gespräch. | Bild: Anette Bengelsdorf
  • Junges Wohnen mit Kindern: Claudia und David Schmidt, vor zwei Jahren aus Berlin nach Friedrichshafen gezogen, suchen seit längerem nach einer bezahlbaren Wohnung, in der auch Platz für den geplanten Nachwuchs ist. Doch häufig, so berichtet das junge Ehepaar, gehe schon aus der Annonce hervor, dass der Vermieter weder Kinder noch Haustiere wünscht. „Ich verstehe nicht“, sagt David Schmidt, „dass manche Vermieter ihre gesellschaftliche Verantwortung nicht übernehmen.“ Doch nicht nur die Wohnungssituation, auch die Kneipenlandschaft sei in Friedrichshafen nicht an unter 30-Jährige angepasst. „Ich würde gerne wissen, in welche Richtung sich die Stadt entwickeln will“, sagt er, „ob sie sich zukünftig an den Studenten oder eher den Senioren orientiert.“
  • Infrastruktur FN-Ost: Doch auch die ältere Generation ist nicht uneingeschränkt mit der Infrastruktur zufrieden. „Wir sind hier geboren und haben uns immer sehnlichst ein gemütliches Café in der Kitzenwiese gewünscht“, sagt Herta Gillhausen. Apotheken, Ärzte und auch die Busverbindung ließen nicht zu wünschen übrig, doch im Freizeitbereich fehlen ihr passende Angebote. Um die Entwicklung in diesem Teil der Stadt voranzubringen, wurde vor zwei Jahren das Bürgerforum Ost gegründet. „Uns liegt am Herzen, alles was bei uns geplant ist, einsehen zu können“, sagt Eberhard Utz, der mit Mitgliedern des Leitungsteams gekommen ist. Das Forum habe bei der Stadt ein Vorschlagsrecht und werde auch angehört, betont er. Dass so viel Bürgerbeteiligung nicht erfolglos ist, schildert er anhand der Postfiliale. Die sei auf ihr Betreiben von der Paulinenstraße wieder in die Kitzenwiese umgezogen und jetzt sogar barrierefrei. Auch der Veloring und Hochwasserschutz sind Themen, die im Bürgerforum lebhaft diskutiert werden.
Großen Gesprächsbedarf hatten viele Bürger, die den Vorsitzenden der Fischbacher Runde, Dietmar Nützenadel (rechts), zum Thema Eisenbahnstraße ins Kreuzverhör nahmen.
Großen Gesprächsbedarf hatten viele Bürger, die den Vorsitzenden der Fischbacher Runde, Dietmar Nützenadel (rechts), zum Thema Eisenbahnstraße ins Kreuzverhör nahmen. | Bild: Cuko, Katy
  • Eisenbahnstraße Fischbach: Vor dem weißen 3D-Modell hat sich eine Gruppe von Anwohnern versammelt. Auch hier wird lebhaft über die Infrastruktur diskutiert. So vermisst Peter Hiemenz ein echtes Zentrum in seinem Quartier; Apotheke, Bäcker, Lebensmittelladen seien weiträumig verstreut. Zudem fehle in der Nähe des Lebensmittelladens ein Bahnübergang, um die Bürger jenseits der Schienen fußläufig an die Einkaufsstruktur anzubinden. Alles Themen, die ihn neben den weiteren Bauaktivitäten vor seiner Wohnung in der Eisenbahnstraße motiviert haben, zur Einwohnerversammlung zu kommen.
  • Neugestaltung des Uferparks: Bei allem Verständnis für den Gestaltungswillen der Stadt sieht Werner Heinzelmann Grenzen dessen, was verändert werden sollte. „Muss man in Friedrichshafen wirklich alles Alte kaputtmachen?“, fragt sich der 61-Jährige. Sicher, die Uferstraße mit ihren Wasserpfützen sei in einem „unerfreulichen“ Zustand. Aber die alte Ufermauer und die Freitreppe abzureißen, müsse deshalb nicht sein. Für ihn, der in der Stadt geboren ist, gehört sie zu den wenigen verbliebenen Dingen, mit denen er sich noch identifizieren könne.