Friedrichshafen – Fast 70 Jahre ist es her, dass der Kling K1 beim Hamburger Stadtparkrennen 1947 seine Runden drehte. Nach Rennerfolgen in Hockenheim, auf dem Nürburgring und einem Meistertitel in der Zwei-Liter-Sportwagenklasse verlieren sich die Spuren des Nachkriegsrennwagens in den 1950er Jahren. Jetzt ist er wieder aufgetaucht: Derzeit wird er in der Oldtimerwerkstatt von Joachim Ohlinger in Bad Schussenried restauriert. Bei der Klassikwelt Bodensee wird der K1 von 3. bis 5. Juni auf dem Messegelände in Friedrichshafen zu sehen sein.

"Als ich Anfang der 80er Jahre im Raum Mannheim eine alte Achse kaufte, da wusste ich noch gar nicht, was ich da in den Händen hielt", erzählt Helmut Leicht. Einige Jahre später sei in derselben Gegend eine Karosserie aufgetaucht. "Die wurde in einer Oldtimer-Zeitschrift inseriert. Mir war klar, dass es sich um etwas Besonderes handelt, auch wenn die Karosserie in einem desolaten Zustand war", sagt der 75-jährige Oldtimersammler. Dieser Spur folgend fand er weitere Teile, die dem Fahrzeug zugeordnet werden konnten.

Viele Jahre lagen die Einzelteile des Wagens in der Werkstatt von Helmut Leicht. Zusammen mit Joachim Ohlinger, mit dem er bereits an einem ähnlichen Restaurationsobjekt gearbeitet hatte, habe er sich an den Wiederaufbau des Wagens gemacht. "Wir haben anfangs nur vermutet, um was für ein Auto es sich handelt", erzählt Joachim Ohlinger, in dessen Oldtimerwerkstatt der K1 seit rund drei Jahren restauriert wird. Anhand von kleinen Merkmalen am Auto, etwa den seitlichen Kühlrippen, die man nach und nach freigelegt hat, und intensiven Recherchen haben sich Leicht und Ohlinger der Geschichte des Rennautos genähert.

Und das war nicht immer einfach: Konstruktionszeichnungen gibt es nicht mehr. So dienten Rennsportfotos und Fachliteratur als Recherchegrundlage. Allerdings fehlten Teile des Rahmens, die rekonstruiert und ersetzt werden mussten. "Heute können wir mit Sicherheit sagen, dass es sich um den K1 handelt, den der Rennfahrer Karl Kling im Jahr 1947 nach den Plänen von Ernst Loof, dem späteren Gründer des Renn- und Sportwagenherstellers Veritas aus Meßkirch gebaut hat", betont Ohlinger.

Dass das Restaurationsprojekt inzwischen so weit fortgeschritten ist, ist dem Ehrgeiz aller Beteiligten zu verdanken. "Teilweise waren nur noch Fragmente des Blechs übrig. Doch Stück für Stück haben wir die Teile instand gesetzt und so sind knapp 90 Prozent der Bleche Originalteile", so Ohlinger. Das sei ohnehin der Ansatz des gesamten Restaurationsprojekts. "Wir tauschen nicht die alten Teile gegen neue aus, lackieren die Felgen und bringen alles auf Hochglanz", sagt Oldtimerexperte Ohlinger. Vielmehr soll der Originalzustand so weit wie möglich wiederhergestellt werden. "Die Substanz – und damit ein Stück Geschichte – muss erhalten bleiben. Darum geht es bei der Restauration und Dokumentation von Oldtimern heute", führt Ohlinger aus. Bei der Messe in Friedrichshafen will er den Besuchern zeigen, wie in der Nachkriegszeit Rennwagen entstanden sind. "Nach dem Krieg gab es nichts. So hat sich eine Gruppe begeisterter Rennfahrer aus der Zeit vor dem Krieg wieder zusammengefunden, die unter einfachsten Bedingungen Autos gebaut hat, um endlich wieder Rennen fahren zu können. Und das soll man dem K1 auch nach der Restauration anstehen", erläutert Ohlinger.

Rund 3500 Arbeitsstunden haben Helmut Leicht, Joachim Ohlinger und sein Bruder Berthold bislang investiert, um dem Auto wieder ein Gesicht zu geben. "Ich bin anfangs von einem halben Jahr ausgegangen", gibt Leicht zu. Und obwohl daraus inzwischen drei Jahre geworden sind, hat keiner der drei jemals ans Aufgeben gedacht.

Klassikwelt Bodensee

Die Messe mit rund 800 Ausstellern findet von 3. bis 5. Juni statt und hat jeweils von 10 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Die Tageskarte kostet 16 Euro, ermäßigter Eintritt 14 Euro. Der Zugang zur Oldtimerparade ist im Tagesticket beinhaltet. Der Stand von Joachim Ohlinger wird in Halle B3/Stand 209 zu finden sein. Informationen im Internet: www.klassikwelt-bodensee.de