Alles beginnt unaufgeregt. Betritt man die IBO durch das Foyer West, scheint alles noch recht ruhig und übersichtlich. Doch gerade wenn man nicht von hier ist und dann das erste Mal die Hallen begeht, überflutet dieses wilde Kaleidoskop von Gurkenhobeln, Gartenpflanzen und Garagentoren binnen kürzester Zeit jegliche Sinne.

Das beginnt in Halle A3, in der „Urlaub Freizeit Reisen“ untergebracht ist. Dutzende Destinationen ringen um die Aufmerksamkeit der Besucher, die bevorzugt wieder da stehen bleiben, wo ihnen im Gegenzug irgendeine flüssige Belohnung winkt. Beinahe körperlich anstrengend ist die Gewinnspieldichte. Dort etwas ausfüllen, hier einen Papierflieger irgendwo hereinwerfen, dort an einem Rad drehen. Im Glücksfall kostet die Reise nach Kappadokien für zwei Personen dann „nur“ 1000 Euro. Ein Hauch von Fernweh weht einem trotzdem ins Herz, spätestens wenn man auf den Stand trifft, der einem Reisen nach Aalen schmackhaft machen will, die exotische Traumstadt auf der Ostalb. Sei es drum, die anschließende Halle "Haushalt Wohnen Gesundheit" scheint eine Art Herz des Superorganismus IBO zu sein. Denn wir Menschen mögen vielleicht zum Mond fliegen können, aber was uns immer noch vor unlösbare Probleme stellt, das ist das Zerteilen von Gemüse. Nicht anders ist zu erklären, dass auch nach der hundertsten Verbrauchermesse, dem tausendsten Jahrmarkt, der millionsten Fernseh-Verkaufsshow Hobel-, Zauberstab- und sonstige Zerkleinerer-Stände Publikum anziehen wie ein Magnet. Wenn es eine Champions League der Verkäufer gebe, wären die entsprechenden Präsentatoren aber auch immer im Finale.

„Hier, sie sind von der Presse, schreiben Sie in Ihre Reportage ruhig rein, wie ehrlich ich bin“, sagt einer, blitzschnell reagierend, als er die Kamera meiner Kollegin entdeckt. Diesem Charme erliegt man, also: Es ist nicht wie im TV, wo man mit dem Wunderaperillo Zwiebelwürfel in einem Schritt machen zu können scheint – vielmehr muss man, wie der Mann im blauen Hemd anekdotenreich erklärt und gleich blitzschnell vorführt, das Wurzelgemüse davor noch vierteln.

Fehlende Routine ist ein Problem, gerade auf Messen. Wenn man unbedarft zwei harmlose Antworten gibt, reicht das und schon steht man kurz davor, einen neuen Vertrag für das Bezahlfernsehen abzuschließen, denn „du zahlst sicher zu viel und wir haben Messeangebote“. Die eher kumpelhafte Verhandlung scheitert kurz vor der Unterschrift an einer Formalie, später ist man darüber recht froh. Gut, dass es in der Gastrohalle jedes erdenkliche Essen gibt, um sich zu stärken. Schon die Luft muss hier einen Nährwert haben, so intensiv wie sie Gerüche mit sich trägt und als Dunst unter der Hallendecke schwebt. Als in der Kocharena das Essen fertig zum Probieren ist, schwappen die Zuschauer wie eine Welle zu den Schälchen. Das Idyll nebenan, die Gartenaustellung, ist der ruhige Gegenentwurf dazu. Meine Kollegin bewundert das kurioseste Exponat: die riesige, lebensgroße Bronzeplastik eines sich auf den Hinterhufen aufbauenden Pferdes. Ein gigantisches Objekt, wie im Film. In der "Grillarena" erklärt derweil ein Koch, dass Fleisch gar kein Blut mehr in sich habe, nur Zellwasser. "Wer es nicht glaubt, kann sich ja mit eigenem Blut einen Vergleich schaffen, mit einem Messer geht das gut." Es wird nicht so richtig klar, wie ernst das gemeint war.

Gut, dass man sich zur Erholung in die Zirkusshow setzen kann. Unter anderem zaubert Magier Jay Niemi da einen Vogel nach dem anderen hervor, eine, zwei, drei weiße Tauben, einen weißen Papagei, am Ende einen riesigen bunten Papagei. Alles scheinbar mühelos. Man muss an hunderte Standmitarbeiter denken, die sich gleichzeitig draußen abarbeiten und wie gerne sie wohl ihre Abschlüsse und Verkäufe so einfach aus dem Handgelenk schütteln würden wie Niemi sein Federvieh.

Fahrräder, Autos, Mode, Fenster, Türen, alles kommt im weiteren Durchgang noch dazu, vermutlich könnte man auf der IBO alle Bauteile eines Hauses und noch dazu die komplette Einrichtung zusammenkaufen. Nur passend, dass Zimmerleute gleich ein ganzes Holzhaus direkt in der Halle errichten. Am Ende des Tages lockt eine Standkategorie besonders – jene, bei der man sitzen oder liegen kann. Anstrengend war's – aber auch sehr kurzweilig.

Freitag auf der IBO

Es ist Freundinnentag, das heißt, dass nur eine Freundin den vollen Eintritt zahlt, alle weiteren weiblichen Begleiterinnen nur die Hälfte. Zudem gibt es von Rilling-Sekt noch für jede Freundin ein Glas gratis. In der Kocharena kochen heute der nigrische Taekwondo-Olympiazweite Abdoulrazak Issoufou Alfaga (11 Uhr) und der OB von Weingarten, Markus Ewald, und Elisabeth Fürstin zu Waldburg-Wolfegg und Waldsee (15 Uhr). (dod)