Zu sechs Monaten und zwei Wochen Haft mit dreijähriger Bewährungszeit hat das Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Tettnang am Mittwoch einen 22-jährigen Häfler verurteilt. Zusätzlich muss der Mann 1000 Euro an die Streetworker von Arkade zahlen. Der 22-Jährige stand wegen zweifachen Handeltreibens mit Marihuana, einmal mit Abgabe an einen unter 18-Jährigen, sowie des Besitzes von unerlaubten Gegenständen nach dem Waffengesetz vor Gericht. Das Urteil könnte allerdings nur eine Halbwertszeit von einer Woche haben, meinte der Vorsitzende Richter Martin Hussels-Eichhorn. Dann steht der 22-Jährige unter anderem wieder wegen Handels mit Betäubungsmitteln in acht Fällen in Tettnang vor Gericht: "Da ist das hier ein Durchlaufposten", wie der Richter sagte.

Die Polizei war dem Angeklagten durch die Kontrolle zweier Drogenkonsumenten auf die Spur gekommen, wie zwei Polizeibeamte in der Gerichtsverhandlung aussagten. Zum einen habe der 22-Jährige knapp fünf Gramm Marihuana im Februar 2016 in der Fußgängerzone von Friedrichshafen verkauft, weitere 30 Gramm Marihuana im Mai im Bereich des Maybachplatzes. Im Oktober 2016 durchsuchte die Polizei seine Wohnung und fand neben einer Feinwaage und Rauchutensilien einen selbst gebauten Chako, zwei mit einer Kette verbundenen Schlagstöcke. Alle drei Taten gestand der Angeklagte.

Einen Zeugen, der zunächst Erinnerungslücken zeigte, ermahnte Richter Hussels-Eichhorn, er solle nicht so "rumeiern". Ein weiterer Zeuge, der direkt beim Angeklagten Drogen gekauft hatte, erschien nicht zu der Gerichtsverhandlung. Er war in einem anderen Verfahren von Hussels-Eichhorn zu Jugendarrest verurteilt worden. Dieser sollte am Verhandlungstag enden, wie man bei der Mutter des abwesenden Zeugen einige Tage vor der Verhandlung in Erfahrung gebracht hatte. Der Mann hätte also am Nachmittag zur Verhandlung kommen können. Tatsächlich war er offenbar schon einen Tag vor der Verhandlung entlassen worden, wie sich dann herausstellte. Gegen ihn wurde daher ein Ordnungsgeld von 150 Euro verhängt, ersatzweise zwei Tage Haft.

Zwei Dinge bedurften der Diskussion vor der Urteilsfindung. Zum einen finden sich fünf Eintragungen im Strafregister des Angeklagten, wie Hussels-Eichhorn berichtete, davon zwei Mal einschlägige Betäubungsmitteldelikte. Etwa ab 2013 war der Angeklagte Drogenkonsument, inzwischen nimmt er keine Drogen mehr.

Evelyn Otten von der Jugendgerichtshilfe meinte zum Lebensweg des 22-Jährigen: "Ich sehe durchaus eine Entwicklung." Sie empfahl, das Erwachsenstrafrecht anzuwenden, auch wenn der Angeklagte bei der ersten Tat noch 20 Jahre alt gewesen sei. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft folgte dem und forderte eine Haftstrafe von einem Jahr und einem Monat auf Bewährung. Verteidiger Sebastian Glathe wollte hingegen Jugendrecht angewendet sehen und schlug alternativ vor, in Hinblick auf die zu erwartende Strafe in einer Woche die Verfahren teilweise einzustellen. Die Staatsanwaltschaft lehnte dies ab.