Friedrichshafen – Mit einem Sommerfest ist das Haus Vitalis in Friedrichshafen offiziell eingeweiht worden. Die Städtische Wohnungsbaugesellschaft (SWG) hat in der Ravensburger Straße 30 insgesamt 1650 Quadratmeter barrierefreien Wohnraum sowie eine Tagespflegeeinrichtung für die Bruderhaus-Diakonie geschaffen. Neben neun Mietwohnungen, vorzugsweise für Senioren, sind drei Wohngemeinschaften für je sechs Senioren entstanden.

WGs als Herzstück des Hauses

Die drei Wohngemeinschaften namens Windrose, Seerose und Irisblüte sind für SWG-Geschäftsführer Paul Stampfer das Herzstück des Hauses: "Die Senioren sind eine wichtige Gesellschaftsschicht und brauchen angemessenen Wohnraum." Zwei WGs sind bereits bezogen – eine mit jüngeren, völlig selbstständigen Senioren, eine mit älteren, die zwar einen bestimmten Pflegebedarf haben, aber ihren Alltag trotzdem selbstbestimmt gestalten. "Sie alle sind bereit, in diesem Lebensabschnitt unkonventionelle Wege zu gehen und sich auf eine neue Wohnform einzulassen", sagte Stefan Köhler, Erster Bürgermeister und SWG-Beiratsvorsitzender.

WG-Bewohnerin Ute Kiefer: "Hier ist man nicht mehr allein"

Das eigene Reich in der Senioren-WG: Judit Varga ist eine von sechs Bewohnern in der WG Seerose und gehört mit 63 Jahren zu den Jüngsten im Haus Vitalis.
Das eigene Reich in der Senioren-WG: Judit Varga ist eine von sechs Bewohnern in der WG Seerose und gehört mit 63 Jahren zu den Jüngsten im Haus Vitalis. | Bild: Claudia Wörner

Mit 59 Jahren ist Ute Kiefer die jüngste Bewohnerin im Haus Vitalis. Ihr Appartement in der WG Seerose mit eigenem Bad und kleiner Küche hat sie sich nach ihrem eigenen Geschmack eingerichtet. "Ich fühle mich hier pudelwohl", sagt Kiefer. Vor ihrem Umzug wohnte sie in der Nachbarschaft und verfolgte den Bau mit. Schön sei, dass sie sich sowohl in ihre eigenen vier Wände zurückziehen könne als auch in der großen, gemeinsamen Wohnküche Anschluss finde. "Hier ist man nicht mehr allein." Auch Judit Varga schätzt die Gemeinschaft und die Möglichkeit zum Rückzug. "Ich habe über das Internet vom Haus Vitalis erfahren und habe sofort gewusst – das ist es", sagt die 63-Jährige, die noch berufstätig ist. Die Einrichtung für den Gemeinschaftsbereich haben sich die sechs Bewohner der Seerose selbst ausgesucht und zusammengestellt. Von der SWG gab es dafür einen Zuschuss von 6000 Euro.

Auch Menschen im Rollstuhl können hier gärtnern

Das Architekturbüro Hildebrand und Schwarz spendierte Gartengeräte zur Einweihung: (von links) SWG-Geschäftsführer Paul Stampfer freut sich zusammen mit Architekt Uwe Schwarz, Bewohner Helmut Wilke und Diakon Ulrich Gresch über das Geschenk.
Das Architekturbüro Hildebrand und Schwarz spendierte Gartengeräte zur Einweihung: (von links) SWG-Geschäftsführer Paul Stampfer freut sich zusammen mit Architekt Uwe Schwarz, Bewohner Helmut Wilke und Diakon Ulrich Gresch über das Geschenk. | Bild: Claudia Wörner

Ein Hauswirtschaftsraum komplettiert das Angebot. Das Haus hat einen Aufzug, extrabreite Stellplätze für Autos und Fahrräder in der Tiefgarage und einen großen Garten für alle Mieter. Geplant wurde das Haus Vitalis samt Garten mit sechs thematisch gegliederten Inseln vom Architekturbüro Hildebrand und Schwarz aus Friedrichshafen. Statt auf Farben setzten die Architekten auf Naturmaterialien wie gebrannte Klinker und Natursteinplatten an den Fassaden und Parkettböden in den Wohnungen. Der Garten mit Gemüsebeet, Rosen- und Kräutergarten sowie Bänken unter Bäumen ist so angelegt, dass auch Menschen im Rollstuhl an einigen Stellen gärteln können.

Kirchlicher Segen für Haus, Bewohner und Mitarbeiter

Diakon Ulrich Föhr (links) von der katholischen Kirche und Hannes Bauer von der evangelischen Kirche weihten das Haus samt Bewohnern und Mitarbeitern.
Diakon Ulrich Föhr (links) von der katholischen Kirche und Hannes Bauer von der evangelischen Kirche weihten das Haus samt Bewohnern und Mitarbeitern. | Bild: Claudia Wörner

Hannes Bauer, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, und Diakon Ulrich Föhr von der katholischen Kirchengemeinde weihten gemeinsam das neue Haus samt seiner Bewohner und Mitarbeiter. "Sowohl als Stadtrat wie auch als Quartierspfarrer schlägt mein Herz hier höher", sagte Bauer. Das Haus Vitalis biete Raum zur Versöhnung mit der eigenen Lebenssituation im Alter.

Tagespflege für 15 Senioren

Bereits seit Februar betreibt die Bruderhaus-Diakonie im Erdgeschoss des Hauses eine Tagespflegeeinrichtung. Auf rund 270 Quadratmetern werden hier bis zu 15 Senioren betreut. Vereinzelt gebe es noch Plätze, wie es beim Sommerfest hieß.

Dörfliche Struktur im städtischen Umfeld

Diakon Ulrich Gresch, Regionalleiter der Bruderhaus-Diakonie, unterstrich die Einzigartigkeit des Konzepts in der Stadt und in der Region. "Hier leben die Menschen autonom und selbstbestimmt in allen Lebenslagen." Er sprach von einer dörflichen Struktur in einem städtischen Setting, in der Selbsthilfe und selbstständige Organisation im Vordergrund stehen. "Das Haus Vitalis ist niederschwellig und ein Modell der Zukunft." So sei es ein großer Vorteil, dass eine WG zum Beispiel bei Pflegebedarf gemeinsam eine stundenweise Präsenzkraft finanzieren könne. "Auch der Pflegedienst kann länger bleiben, wenn er nicht sechs verschiedene Adressen anfahren muss." Seiner Meinung nach sollte es solche Häuser in jedem Quartier der Stadt geben.

Kontakt: Städtische Wohnungsbaugesellschaft, Telefon 0 75 41/9 22 70, E-Mail info@swg-friedrichshafen.de, http://www.swg-friedrichshafen.de