Für den SPD-Bundestagskandidaten im Wahlkreis aus Friedrichshafen, Leon Hahn, ist der Wohnungsbau "eines der zentralen Themen vor Ort". So erklärte er am späten Freitagnachmittag bei einem Gespräch mit dem Vorsitzenden des Mietervereins Oberschwaben, Anton Schmidt, warum ihn auch die Sichtweise und Probleme der Mieter interessieren. Zuvor waren Hahn und der wohnungsbaupolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Daniel Born, zum Gedankenaustausch bei der Kreisbaugenossenschaft Bodenseekreis (KBG) und der Fränkel AG, dem größten Privatvermieter in Friedrichshafen. Der Tenor aller drei Gespräche sei gleich gewesen, so Hahn: "Wir müssen mehr Wohnraum schaffen, weil es letztlich das einzig Wirkungsvolle ist, um hohe Mieten zu verhindern." Interessant sei in den Gesprächen mit den beiden Vermietern gewesen, dass sie in Friedrichshafen gern mehr bauen würden, aber keine Grundstücke dafür hätten oder bekämen und enorme Baukosten aufgrund von Verordnungen kaum bezahlbare Mieten hergeben.

Für Anton Schmidt, der rund 4000 Mitglieder im Mieterverein Oberschwaben vertritt, sind die größten Probleme bei jedem Beratungsgespräch präsent. Rund 40 Mieter pro Woche suchen die Geschäftsstelle in Ravensburg und die Außenstelle in Friedrichshafen im Haus der Gewerkschaft an der Riedleparkstraße auf, um sich bei diversen Problemen helfen zu lassen. Er bestätigte, dass der Druck auf dem Wohnungsmarkt in diesen beiden Städten enorm sei. "Firmen wie Vetter haben Schwierigkeiten, Fachkräfte zu kriegen, weil die keine Mietwohnung finden", erklärte Schmidt. Dieser Druck führe zu enorm steigenden Mieten, wobei die Mietpreisbremse offenbar niemanden interessiere. "Bei uns hat noch niemand in der Beratung danach gefragt", sagte Schmidt. Das sei sicher ein gut gedachtes Instrument, aber wirkungslos. "Woher soll ein neuer Mieter wissen, was sein Vormieter bezahlt hat?"

Typische Mieterprobleme sind nach Aussage von Anton Schmidt Schimmelprobleme und die Nebenkostenabrechnungen, wobei die "zweite Miete" immer teurer werde. Ebenfalls zu beobachten seien Eigenbedarfskündigungen, wobei mancher Mieter dann feststellen müsse, dass aus seinem früheren Zuhause eine Ferienwohnung wurde. Hier sehen Leon Hahn und Daniel Born ganz klar die Notwendigkeit, über ein Zweckentfremdungsverbot solche "Betrügereien" zu unterbinden, denn ehemalige Mieter hätten keine realistischen Chancen, hier beispielsweise Schadenersatz einzuklagen.

Was bei den Gesprächen Thema war, wollen sowohl Leon Hahn als auch Daniel Born in die politische Debatte einbringen. Mit Anton Schmidt gehören sie übrigens zu der Hälfte aller Menschen im Land, die zur Miete wohnen.