Emeli Bühler (12 Jahre)

„Wenn ich nicht gerade im Reitstall oder beim Kanufahren bin, bummel ich gern mit meinen Freundinnen durch die Innenstadt. Meistens schauen wir einfach ein bisschen in die Läden, was es Neues gibt. Tally Weijl, H&M, New Yorker, ich finde das Shopping-Angebot für Jugendliche eigentlich ganz okay. Naja, Friedrichshafen ist halt klein. Manchmal gehen wir auch ins Bodensee-Center, aber das ist eher langweilig für uns. Im Kino sind wir auch öfter Mal, wenn ein guter Film läuft. Was uns aber wirklich fehlt, ist ein richtig gutes Café, das auch was für unser Alter ist. So was wie Dunkin Donut oder Starbucks oder so. Mit Free Wifi, wo wir uns einfach mit dem Handy mal hinsetzen können, was trinken, bisschen reden, bisschen surfen, Musik hören.

Tochter und Enkelin, geht in die 7. Klasse des Graf-Zeppelin-Gymnasiums, liebt Pferde und Musik und ihre zwei kleinen Geschwister (meistens).
Tochter und Enkelin, geht in die 7. Klasse des Graf-Zeppelin-Gymnasiums, liebt Pferde und Musik und ihre zwei kleinen Geschwister (meistens). | Bild: Wienrich, Sabine

Was fehlt? Ein Café für Jugendliche – mit Free Wifi

In unserer Schule gibt es zwar eine Mensa, aber kein Café oder so ne gemütliche Ecke oder so. Im Sommer gehen wir dann manchmal zu dem Frozen Yoghurt Laden, der ist nett. Aber im Winter fehlt das total. Ich finde eh, dass man im Sommer hier wirklich viel mehr machen kann. Wir treffen uns oft im Freibad in Fischbach, das ist toll. Oder am See. Im Winter wird das schon schwieriger. In Jugendtreffs oder so gehe ich eigentlich nicht. Auf Freizeiten habe ich auch ehrlich gesagt keine Lust.

Abends ausgehen alleine? Ne, das mache ich noch nicht. Aber ich war schon auf einigen Konzerten hier im Umkreis. Bei Cro zum Beispiel. Und bei den Söhnen Mannheims. Am allerliebsten höre ich aber Loredana. Das ist eine Deutschrapperin und wir hören sie eigentlich alle über Spotify. Wenn die mal nach Friedrichshafen kommen würde, das wäre toll. Da würden wir alle auf jeden Fall sofort hingehen.“

Marc Bühler (42 Jahre)

Vater und Sohn, selbstständiger Steuerberater, liebt Zahlen, guten Bodensee-Wein und natürlich seine große Familie
Vater und Sohn, selbstständiger Steuerberater, liebt Zahlen, guten Bodensee-Wein und natürlich seine große Familie. | Bild: Wienrich, Sabine

„Als ich begonnen hab, auszugehen, sind die Franzosen gerade aus Friedrichshafen abgezogen. Wir waren viel unterwegs, zum Beispiel im „Kasino Moskau“, dem Ex-Offizierskasino am Flughafen. Klar, wir sind natürlich auch nach Lindau oder Ravensburg gefahren, aber in Friedrichshafen gab es wenigstens noch eine minimale Kneipenszene. Eigentlich reicht ja eine gute Anlaufstelle, wofür man abends die Fahrt in die Stadt auf sich nimmt.

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Für mich was das lange Zeit das „Perterter“, eine kleine Bar beim Hotel „Goldenes Rad“. Ein paar Tische, eine Bar, gute Musik, nette Menschen – das reicht schon für einen guten Abend. Die Bar gibt es leider nicht mehr, der Raum steht heute noch leer. Und in der Innenstadt gibt es aktuell nichts mehr, wofür es sich lohnt, abends hinzufahren. Außer wenn Veranstaltungen sind. Die“City of Music“ zum Beispiel. Da zeigt sich doch eigentlich, dass es schon eine Struktur gibt und man sie nur nutzen müsste, damit die Leute wieder kommen. Stattdessen werden um 22 Uhr die Bordsteine hochgeklappt in Friedhofshafen.

Was fehlt? Geld für den Kulturstandort Fallenbrunnen

Was ich wirklich mag, ist der Fallenbrunnen. Kino, Kleinkunst, Restaurant – das Konzept ist echt gut und der Verein bringt viel Herzblut ein. Was fehlt, sind richtig große Investments seitens der Stadt. Die müsste da viel mehr Mittel freimachen, um den Fallenbrunnen als richtigen Kulturstandort zu etablieren.

Das wäre für Menschen wie mich, die so mittendrin stehen, super. Ich bin nicht mehr der, der große Lust hat bis spät in die Nacht tanzen zu gehen. Aber ein paar hochwertige Bars oder Vinotheken, wo ich ein, zwei Gläser Wein trinken kann, wären schon gut.“

Gertrud Bühler (66 Jahre)

Mutter und Oma, immer im Einsatz für ihre sieben Enkelkinder, liebt ihren wunderschönen Garten, den Bodensee, Tennis und ihre Familie
Mutter und Oma, immer im Einsatz für ihre sieben Enkelkinder, liebt ihren wunderschönen Garten, den Bodensee, Tennis und ihre Familie. | Bild: Wienrich, Sabine

„Ich habe seit 18 Jahren Enkelkinder und irgendwie gar nie richtig Zeit zum Ausgehen. Sieben Stück sind es mittlerweile, das Jüngste ist drei Jahre alt. Das macht mir großen Spaß, oft viele Kinder bei uns zu haben, aber ich bin dann abends einfach müde. Deshalb brauche ich auch keine Bars oder Kneipen mehr.

Unser soziales Leben spielt sich in der Familie, aber auch im Verein ab. Ich spiele seit 33 Jahren Tennis im TSV Fischbach und beim TC. Ich treffe mich dort regelmässig mit meinen Freundinnen, wir spielen und später gibt es noch eine Runde im Vereinsheim. Unsere Männer spielen heute weniger, sie gehen aber noch zusammen auf Weinreise. Wir sind aber immer noch eine Clique und eigentlich ist da immer was los.

Im Sommer gehe ich oft zweimal am Tag schwimmen. Außerdem lieben wir es, mit dem Fahrrad zu fahren. Gern auch mal in die Stadt, wo ich mich dann im „Rathaus Café“ oder beim Bäcker mit meiner Freundin oder meinen Schwestern treffe. Ich liebe den See. Wir haben acht Jahre in München gelebt, da war natürlich kulturell viel mehr geboten. Ich habe dort das Einkaufsangebot besonders gern genutzt. Aber den See habe ich vermisst. So etwas Schönes gibt es in keiner Großstadt. Wir sind dann wieder in meine Geburtstadt zurück gezogen.

Was fehlt? Eigentlich weiß ich zu schätzen, was wir haben

Das erste Jahr war schwer, da bin ich noch oft nach München, weil ich das Stadtleben und die Läden vermisst habe. Aber heute weiß ich zu schätzen, was wir hier haben und mir reichen unsere Geschäfte. Am liebsten bin ich ohnehin draußen – im Garten, am See oder auch im Yachtclub-Lokal. Das fühlt sich dann wirklich an wie Urlaub.“

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