Er feuerte zwar eine Pointe nach der anderen ab, aber wirklich scharf geschossen wurde dabei im ausverkauften großen Zelt des Friedrichshafener Kulturufers nicht. Kabarettist Django Asül, Niederbayer mit türkischen Wurzeln, unterhielt am Mittwoch das Publikum mit seinem Programm "Letzte Patrone".

Ein Auftritt in Friedrichshafen sei für ihn wie Urlaub. Sei die Stadt für die Stuttgarter doch das, was Kitzbühel für die Münchner sei. So habe sich Asül am Nachmittag noch Zeit für eine Stadtführung genommen, wobei ihm die Häfler Altstadt besonders gefiel. "Die zwei Minuten sollten sie sich nehmen." Bingo. Nach einem Rundumschlag vom Zeppelin über ZF bis Dornier bescheinigte er der Stadt insbesondere während des Zweiten Weltkriegs eine friedensstiftende Rolle. "Sie war quasi ein Vorläufer von Amnesty International." So kann man es auch sehen. Aber allein schon wegen des Volleyballs könne sie sich heute als Kulturstadt bezeichnen. Nach so viel Lob für den Gastgeber genehmigte sich Asül den ersten Schluck aus seinem Hefeweizen. Zusätzlich verschafften ihm drei Ventilatoren auf der Bühne etwas Kühle. "Hier herrscht ja eine Thermik wie an der Ostseite des Gardasees."

In seinem Programm "Letzte Patrone" beschäftigte sich Asül intensiv mit seiner Restlaufzeit. Auslöser war ein Zeitungsartikel, in dem stand, dass der Durchschnittsdeutsche im Schnitt jedes Jahr einige Tage älter wird. "An mir selbst habe ich aber festgestellt, dass ich jedes Jahr ein ganzes Jahr älter werde. Also scheint mir im Vergleich zum Rest der Bevölkerung die Zeit davon zu laufen", sinnierte er. Beim Versuch, die verbleibende Zeit möglichst intensiv zu nutzen, will er der Gesellschaft etwas zurückgeben, zum Beispiel durch caritatives Arbeiten wie die Gründung einer Bürgerwehr in seiner Heimatgemeinde Hengersdorf oder als Jugendwart im Krieger- und Veteranenverein. Im Laufe des Abends streifte er so ziemlich alles, was derzeit die Menschen bewegt: Europakrise, Autoindustrie, schnell verdientes Geld, sozialer Aufstieg und das bayrische Abitur.

Das Thema Flüchtlinge beleuchtete der Kabarettist am liebsten aus der Sicht seines Kumpels Hans vom morgendlichen Cappuccino-Stammtisch in Hengersberg. "Ich hab nix gegen Ausländer." Schweigen. "Aber bloß weil i nix gegen was hab muss es ja noch lang nicht da sein." Gern zieht Hans auch Kängurus heran, um seinen Standpunkt in schönstem Niederbayrisch zu erläutern. "Ein Tier im Vorgarten geht ja noch unter exotisch durch. Aber fünf Millionen wären zu viel." Asül selbst kennt die Balkanroute aus frühester Kindheit von diversen Urlaubsfahrten ins Heimatland der Eltern. "Damals hieß die Strecke noch Autoput." Ansonsten spielt die Türkei in seinem Programm eine untergeordnete Rolle. "Der Türke an sich ist ein feiner Kerl. Ich war selbst mal einer."

Die Steilvorlage für den türkischen Prototyp liefert ihm ein Freund seines Vaters, den er mit Akzent, Gestik und Mimik gekonnt imitiert. "Granaten-Uschi" von der Leyen bekommt ebenso ihr Fett ab wie Ökonomen, die anderen beim Arbeiten zuschauen und darüber ein Buch schreiben. Asül mag PS-starke Autos ("wer schneller unterwegs ist, belastet die Umwelt weniger lang"), aber fährt nicht gern im Suff. Halt. Er meinte den Geländepanzer SUV. Witzig war auch sein temporeicher Ausflug in die griechische Mythologie, um das Phänomen Europa zu erklären. Zeus ist laut Asül verwandt mit dem bayrischen "Zois", auf Deutsch "Zahl es". Hier passt ein weiterer Schluck aus dem Weizenglas. "Zeus muss ein Grieche gewesen sein." Letztendlich hätte man sich aber doch eine schärferen Schuss mit der "Letzten Patrone" gewünscht.