Hermann Schenk war ein grundgütiger Mann, hilfsbereit und immer da, wenn ihn jemand brauchte. So beschreibt ihn sein Sohn Manfred. Hermann Schenk ist im November 2018 mit 93 Jahren gestorben. Sein Grab auf dem Friedhof Jettenhausen ist eine Rarität in Friedrichshafen: eine moderne Skulptur aus Holz und Metall mit einer bronzenen QR-Plakette. Sie führt zur Internetseite schenkfn.de, auf der in wenigen Worten und mit vielen Bildern an das Leben von Hermann Schenk erinnert wird.

Die Metallplatte enthält den QR-Code, den man mit dem Smartphone scannen kann.
Die Metallplatte enthält den QR-Code, den man mit dem Smartphone scannen kann. | Bild: Corinna Raupach

Manfred Schenk hat sie für seinen Vater gestaltet, als Zeichen der Verbundenheit und Dankbarkeit, aber auch, um dem Vermächtnis seines Vaters gerecht zu werden, sagt er: „Er hat die Nazis und den Zweiten Weltkrieg erlebt und ist sein Leben lang für ein ‚Nie wieder!‘ eingetreten. Es hat ihm Sorgen gemacht, dass die Menschheit aus ihren Fehlern nichts lernt“, erzählt Manfred Schenk. Noch in seinen letzten Wochen habe ihn das umgetrieben.

„Holz und Metall waren die Werkstoffe, die mich mit meinem Vater verbunden haben“

Nach dem Tod habe er überlegt, wie er dieses Vermächtnis weitergeben könnte. „Erst mal habe ich mit meinem Sohn die Gedenk-Homepage eingerichtet. Dann kam die Idee, das über die QR-Plakette allen Besuchern am Grab zugänglich zu machen“, sagt er. Das Grabmal für seinen Vater hat er selbst entworfen und gebaut. „Holz und Metall waren die Werkstoffe, die mich mit meinem Vater verbunden haben, wir haben oft zusammen in der Werkstatt gestanden.“ Bei der Friedhofsverwaltung gab es keinerlei Einwände. „Ich war ganz überrascht, dass das so einfach möglich war“, sagt Schenk.

Die QR-Plakette hat Manfred Schenk in seiner Werkstatt mit einer CAD-Maschine gefertigt.
Die QR-Plakette hat Manfred Schenk in seiner Werkstatt mit einer CAD-Maschine gefertigt. | Bild: Manfred Schenk

Ein Grabmal muss bei der Stadtverwaltung beantragt werden. Pressesprecherin Andrea Kreuzer informiert: „Hier kommt es gelegentlich vor, dass Grabmalanträge auch abgelehnt werden. Ursache hierfür ist meistens, dass Sicherheitsvorschriften oder Maximalgrößen nicht eingehalten werden. Die Gestaltung des Grabmales selbst führt so gut wie nie zur Ablehnung eines Grabmalantrages.“ Manfred Schenk sei der erste gewesen, der in Friedrichshafen das digitale Gedenken auf einen Friedhof gebracht hat.

Daniel Wicker ist Steinbildhauermeister und Steinmetz. Er erzählt: „An mich ist so etwas noch nicht herangetragen worden, aber ich habe wohl vor einigen Jahren davon gehört.“ Für ihn sei ein Grabmal eine ganz individuelle Entscheidung. „Es geht um ein Denkmal, vor dem die Hinterbliebenen am Grab stehen. Das müssen sie unter Umständen noch 20 oder 30 Jahre angucken wollen“, sagt er. Trends gebe es in seinem Metier eher nicht. Meistens entschieden sich die Hinterbliebenen heute wie vor Jahren für Naturstein.

Einige Menschen haben keinen Bezug zu Gräbern

Das Bestattungsunternehmen Pohl übernahm vor etwas mehr als einem Jahr die Beerdigung von Hermann Schenk. Thomas Pohl beobachtet im Allgemeinen eine Entwicklung hin zur kleinen, pflegeleichten Grabstätte. Viele Menschen hätten keinen Bezug zu Gräbern, sondern suchten nach anderen Formen. „Manche lassen sich lieber den Fingerabdruck des Toten auf ein Schmuckstück lasern, neulich wollte sich ein Enkel sogar den Fingerabdruck tätowieren lassen“, erzählt Pohl.

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Andere stellten ein Bild auf oder umgingen in der Schweiz die strengen Bestattungsregeln in Deutschland. „In Deutschland darf die Asche nicht separiert werden und muss auf einem Friedhof bestattet werden“, erklärt Pohl. In der Schweiz könnten sich die Angehörigen aus einem Teil der Asche beispielsweise einen Diamanten pressen lassen.

Angehörige müssen selbst entscheiden, was für sie geeignet ist

Pfarrer Rudolf Bauer, der die Trauerfeier von Hermann Schenk gestaltete, hält die QR-Plakette für eine angemessene Form des Gedenkens. „Ich zähle das zur Bandbreite des Gedenkens, ebenso wie ein Bild auf dem Grabstein oder auch die ausgefallenen Künstler- oder Komponistengräber auf dem Wiener Zentralfriedhof“, sagt er. Auch er stellt Veränderungen fest. „Allein im vergangenen Jahr hatte ich zwei anonyme Bestattungen. Da müssen sich die Hinterbliebenen darüber im Klaren sein, dass das endgültig ist“, sagt er. Letztlich müsse im Mittelpunkt der Entscheidung über die letzte Ruhestätte immer die Frage stehen: „Wie geht des den Angehörigen damit?“

„High Noon“ statt „Ave Maria“

So halte er es auch bei den Trauerfeiern. Wünsche der Hinterbliebenen habe er bisher noch nie abgelehnt. „Wenn sich jemand Filmmusik wünscht, die er mit dem Verstorbenen verbindet, erkläre ich das der Gemeinde. Wir hatten schon einmal ‚High Noon‘ statt ‚Ave Maria‘.“

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Digitale Formen des Gedenkens im Trend?

Manfred Schenk ist froh, für seinen Vater eine moderne Form des Gedenkens gefunden zu haben. Er sagt, er könne sich gut vorstellen, dass digitale Erinnerungsplattformen zunehmen werden, vielleicht ergänzt durch die Möglichkeit von Gästebucheintragungen oder Kondolenzbotschaften.

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