"Alles ruhig beim Kulturufer." Wenn Polizeisprecher Markus Sauter das sagt, meint er nicht den Lautstärkepegel. Er bewertet damit die friedliche Stimmung, die bei dem Festival im Häfler Uferpark herrscht. Zehntausende Besucher waren seit Freitag auf der Kulturmeile unterwegs. Die Polizei hatte bislang kaum etwas zu tun. Das ist bei Großveranstaltungen wie dieser nicht selbstverständlich. Vor allem in den Abendstunden geht es bei Volks- und Heimatfeste mitunter ruppig zu, manchmal enden Auseinandersetzungen auch im Krankenhaus. So geschehen beim Seehasenfest in Friedrichshafen oder beim Rutenfest in Ravensburg. Die Schattenseiten derartiger Großveranstaltungen treten immer dann zutage, wenn die Polizei oder Notaufnahmen von Kliniken ihre Bilanzen ziehen.

Drei Beamte bei Seehasenfest angegriffen

Beim Seehasenfest etwa wurden bei einem tumultartigen Einsatz drei Polizeibeamte verletzt. "Zwischen zwei Gruppen kam es zu einer Massenschlägerei", berichtete Uwe Janitschek bei der Bilanzpressekonferenz. Eine gebrochene Nase, Gesichtsverletzungen und Schnittwunden seien die Folge gewesen. Die eigentlich Zahl der Straftaten hat nach Ansicht des Polizeidirektors nicht zugenommen und sei bei der Größe des Fests und der Zahl der Besucher so zu erwarten gewesen, aber "die Bereitschaft, sich den Regeln des Staats zu unterwerfen, ist bei einzelnen Personen gesunken", beschrieb Janitschek die Täter und die Art der Straftaten, bei denen mit einem Besenstiel zugeschlagen oder mit den Füßen getreten werde.

Sofort mit Faust ins Gesicht geschlagen

Ein anderer Fall trug sich ebenfalls auf dem Seehasenfest zu. In einer Bar waren zwei Männer aneinandergeraten, weil ein 55-jähriger Mann versehentlich einen anderen anstieß. Der Angerempelte reagierte sofort mit einem Faustschlag ins Gesicht des 55-Jährigen, danach setzte er sich auf sein Opfer und drückte ihm mit zwei Fingern in die Augenhöhle. Der 55-Jährige musste ins Klinikum gebracht werden.

Gerüchte stellen sich als falsch heraus

Auch beim Rutenfest ging es nicht ausschließlich friedlich zu. Ein 19-Jähriger erlitt eine schwere Schnittverletzung am Hals. Bei diesem Vorfall machte sogar das Gerücht die Runde, der junge Mann sei infolge des hohen Blutverlusts gestorben – dies entsprach allerdings nicht der Wahrheit. In Anbetracht derartiger Delikte könne in der Bevölkerung schnell der Eindruck entstehen, dass Körperverletzungen bei Heimatfesten insgesamt zwar nicht mehr, dafür umso brutaler und folgenschwerer seien.

Das will die Polizei allerdings so nicht verstanden wissen. "Da einen Trend abzuleiten, halte ich für sehr schwierig", sagt Uwe Janitschek, Leiter des Polizeireviers Friedrichshafen. In einer mittelfristigen Übersicht wertet er das vergangene Seehasenfest als statistischen Ausreißer, wenngleich er so manchen Einsatz nicht verharmlosen will.

Fast immer ist Alkohol im Spiel

Auch für das Rutenfest in Ravensburg mahnt die Polizei zu einer objektiven Betrachtung. "Durch unsere starke Präsenz konnten anbahnende Auseinandersetzungen schon im Keim erstickt werden", betont Markus Sauter, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Konstanz. Keinen Zweifel haben Polizei und Ermittlungsbehörden dagegen, dass hohe Alkoholpegel bei den meisten Körperverletzungsdelikten ursächlich für eine niedrige Hemmschwelle sind. Viele handfeste Auseinandersetzungen spielen sich zu später Stunde oder nachts ab. Wie viele schwere Körperverletzungen auf Volksfesten begangen werden, wird im übrigen statistisch nicht explizit erfasst. "Aber eine Tendenz, dass dort die Körperverletzungshandlungen in der Schwere zunehmen, können auch wir nicht belegen", betont Oberstaatsanwalt Karl-Josef Diehl.

Polizisten öfters Opfer von Straftaten

Beunruhigende Signale kommen hingegen aus dem Kreis Konstanz. Polizisten und andere Amtsträger werden laut der Staatsanwaltschaft Konstanz immer öfter Opfer von Straftaten. Allein im zweiten Quartal 2018 sei in 17 Fällen Anklage erhoben und in 19 weiteren Fällen ein Strafbefehl beantragt worden, schreibt Staatsanwalt und Staatsanwaltschaftspressesprecher Andreas Mathy in einer Mitteilung. Bei den Delikten, denen Polizeibeamte und andere Amtsträger in ihrem Dienst erfahrungsgemäß ausgesetzt sind, zählen laut Staatsanwaltschaft unter anderem Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Bedrohung. Die Staatsanwaltschaft Konstanz zeigt sich besorgt: Sowohl hinsichtlich der Anzahl der Straftaten als auch hinsichtlich der Schwere der Taten hätten Delikte gegen Polizisten und andere Amtsträger in den vergangenen Jahren zugenommen.