Die Propeller teilen hörbar die Luft, als die beiden einmotorigen Flugzeuge über die Startbahn des Flughafens in Friedrichshafen flitzen. Dann, in der Luft, bewegen sie sich beinahe lautlos voran. "Die Elektromobilität ist der Weg in die Zukunft", sagte Roland Bosch, Projektleiter der internationalen Luftfahrtmesse Aero, zu Beginn der Pressekonferenz. Und dass dieser Weg nicht auf der Straße endet, wurde spätestens bei der E-Flight-Airshow klar.

Mit einer Akku-Leistung von 60 Kilowatt kann die Magnus e-fusion von Siemens 40 Minuten lang in der Luft bleiben. Das ist nicht nur für die Menschen am Boden, sondern auch für den Piloten höchst angenehm: Der Motor ist leise und kann zwischen Überprüfung und Startfreigabe abgeschaltet werden, was bei einem herkömmlichen Motor nicht möglich ist. "Das Flugzeug fliegt sich wunderbar", sagt Pilot Frank Anton nach der Landung. Der Unterschied zu einem herkömmlichen Motorflugzeug sei mit dem zwischen einem Schaltwagen und einem Auto mit Automatikgetriebe vergleichbar. Nur, dass hier die Leistungselektronik alles regelt.

Frank Anton, Leiter der Abteilung eAircraft bei Siemens, ist von den Flugeigenschaften der "Magnus e-fusion" begeistert.
Frank Anton, Leiter der Abteilung eAircraft bei Siemens, ist von den Flugeigenschaften der "Magnus e-fusion" begeistert. | Bild: Anette Bengelsdorf

Das Thema nehme 2018 enorm Fahrt auf, sagt Physiker Frank Anton, der bei Siemens die Abteilung eAircraft leitet und stellt mit der weltweit ersten hybrid-elektrisch angetriebenen Magnus bereits den nächsten Schritt zum zertifizierten Flugzeug im Reiseverkehr vor. Der Zweisitzer startet mit einem E-Motor, dann – auf Reiseflughöhe – lässt man einen Dieselmotor an, der mit einem Generator die Batterien lädt, um eine größere Reichweite zu erlangen. Diese – so sagt der Physiker – dritte Revolution in der Antriebstechnik der Luftfahrt ging kurz vor Start der Aero erstmals in die Luft und ebne den Weg zum Verkehrsflugzeug. In Zusammenarbeit mit Airbus möchte Siemens bis im Jahr 2035 bis zu 100 Passagiere mit hybrid-elektrischem Antrieb 1000 Kilometer weit im Regionalverkehr transportieren. "Die Dinge fangen klein an", sagt er, "wir haben aber die großen vor Augen."

Großes hat auch Axel Lange von Lange Research vor. Doch im Gegensatz zu Siemens möchte er mit seiner Antares E² keine Passagiere transportieren, gleichwohl eine äußerst wertvolle Fracht, die höchste Zuverlässigkeit fordert. Ausgerüstet mit Elektronik und Sensoren soll das filigrane Flugzeug mit den langen Tragflächen Überwachungsaufgaben im zivilen Bereich übernehmen. Eingesetzt, um Grenzen oder die Fischerei zu kontrollieren, ist das mit sechs Motoren ausgerüstete Flugobjekt dann bis zu 40 Stunden lang oder nahezu 6000 Kilometer über der See unterwegs, beobachtet das Eis in der Arktis und zählt die Eisbärenpopulation. Bei Bedarf auch unbemannt. "Selbst, wenn zwei Motoren ausfallen, kann die Antares weiterfliegen", erklärt Lange den Grund für die vielen Motoren.

Eine "Magnus e-fusion" wird zum Rollfeld auf dem Flugplatz Friedrichshafen gebracht.
Eine "Magnus e-fusion" wird zum Rollfeld auf dem Flugplatz Friedrichshafen gebracht. | Bild: Anette Bengelsdorf

Angetrieben wird die fliegende Überwachungstechnik von sechs Elektromotoren und sechs Brennstoffzellen, die jede für sich 40 Kilowatt leisten. Die chemische Energie wird an Bord aus 300 Kilogramm Methanol und Sauerstoff aus der Luft gewonnen, wird in elektrische Energie umgewandelt und treibt die Motoren an. Somit sind Batterien nur zur Unterstützung beim Starten nötig und werden während des Flugs wieder geladen.

 

Videos von der Magnus e-fusion in Friedrichshafen:

Video: Bengelsdorf

 

Video: Bengeldsorf

 

Rund um die Aero

  • Öffnungszeiten: Die internationale Luftfahrtmesse Aero findet von Mittwoch, 18., bis Samstag, 21. April in elf Messehallen statt und ist Mittwoch bis Freitag von 9 bis 18 Uhr und Samstag von 9 bis 17 Uhr geöffnet. 630 Aussteller aus 38 Ländern zeigen von Motorflugzeugen über Helikopter und Ultraleicht-Flugzeugen bis hin zur Drohne alles, was fliegt. Darüber hinaus sind Cockpit- und Bordsysteme sowie Pilotenausrüstung zu sehen.
  • Sonderschauen zum Thema Flugsimulation sowie die Aktion "Be a Pilot" mit einem ersten Eignungstest zum Berufspiloten regen zum Selberfliegen an. Die "E-flight-expo" stellt Innovationen des Elektroantriebs vor. Mehr als 200 Vorträge, Konferenzen und Workshops vertiefen das Thema.
  • Eintrittspreise: Tageskarten sind für 20 Euro, ermäßigt 15 Euro, Zwei-Tages-Karten für 35 Euro, Vier-Tages-Karten für 66 Euro erhältlich. Schüler und Studenten zahlen 5 Euro, für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre ist der Eintritt frei.