Welche Entwicklungschancen gibt es in Zukunft für Friedrichshafen? Welche Herausforderungen und Aufgaben gilt es künftig zu lösen? Und wie können Häfler die Stadtentwicklung mitgestalten? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigten sich zahlreiche Bürger, Vertreter aus Wirtschaft, Tourismus, Bildung, Umwelt, Landwirtschaft, Politik und Verwaltung bei der Auftaktveranstaltung zum integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) am Dienstagabend im Graf-Zeppelin-Haus. Oberbürgermeister Andreas Brand gab dabei den Startschuss für den öffentlichen Beteiligungsprozess zum ISEK und betonte: „Friedrichshafen ist eine dynamische Stadt. Das ist ausgesprochen erfreulich für uns, bringt aber gleichzeitig eine ganze Reihe Herausforderungen und Aufgaben mit sich, die wir nur gemeinsam lösen können.“

Der Blick in die Vergangenheit und die Gegenwart, Antworten auf Fragen, was in Friedrichshafen gut gefällt und was verbesserungswürdig ist, seien entscheidend für die Stadtentwicklung in der Zukunft, hob der Oberbürgermeister hervor. „Es wird viel geplant, entwickelt und umgesetzt in der Stadt. ISEK soll uns als Klammer für die nächsten zehn bis 15 Jahre dienen, die all diese Prozesse zusammenführt.“ Der ISEK-Prozess sei eine Herausforderung, möglicherweise auch ein Wagnis für die Stadt, dessen Ergebnisse heute noch nicht bekannt sind. „Ich habe den Wunsch und die Bitte an alle Bürger, dass sie den Prozess nutzen, um die Zukunft zu gestalten“, betonte Andreas Brand.

Experten nahmen Friedrichshafen unter die Lupe und formulierten Wünsche und Ideen für die Entwicklung der Stadt.
Experten nahmen Friedrichshafen unter die Lupe und formulierten Wünsche und Ideen für die Entwicklung der Stadt.

„Wir werden ISEK heute Abend nicht fertig haben, sondern heute starten wir diesen Prozess“, machte auch Stephanie Rahlf, Projektleiterin des Planungsbüros KoRiS, deutlich. Es gehe dabei um die Stadt Friedrichshafen und alle Dinge, die die Stadt prägen. Auch allgemeine Trends, Einflüsse von außen und Spannungsfelder durch verschiedene Interessen müsste man im Kopf behalten, wenn man über die Stadtentwicklung diskutiere. ISEK soll dabei Antworten auf die Fragen liefern: Wo wollen wir hin? Wie erreichen wir das und was müssen wir dafür tun? Franz Pesch, Professor am Städtebau-Institut der Uni Stuttgart, ging auf globale Aspekte der Stadtentwicklung ein und macht für Friedrichshafen deutlich: „Was ich bis jetzt mitbekommen habe, das zeigt, beim Thema Wohnen, da drückt Sie der Schuh, und das ist ein ganz zentrales Thema.“ Wilfried Franke vom Regionalverband sah in der anschließenden Expertenrunde den zentralen Knackpunkt in der Verfügbarkeit von Fläche, Thomas Körner forderte, dass auch die Grünordnung ein fester Bestandteil in der Stadtentwicklung werden müsse. Doch auch die Bürger konnten ihre Vorschläge und Ideen mit einbringen. „An den Stellwänden zu den verschiedenen Themenkomplexen können Sie uns Ihre Ideen mit auf den Weg geben. Wir werden alles mitnehmen und auswerten“, betonte Stephanie Rahlf.

Der erste ISEK-Workshop findet am Freitag, 22. April, von 15 bis 19 Uhr im GZH statt.
Informationen im Internet: www.isek.friedrichshafen.de
 

Wie sehen die Friedrichshafener die Zukunft ihrer Stadt?

Bei einer Bürgerbefragung im Rahmen des Projekts „Integriertes Stadtentwicklungskonzept“ konnten Wünsche und Vorstellungen geäußert werden.


Zentrale Themen: Die Ergebnisse der groß angelegten Umfrage zeigten die zentralen Themen der Stadtentwicklung in den kommenden 15 Jahren auf. An erster Stelle steht dabei mit fast 60 Prozent an Nennungen Verbesserungen bei Mobilität und Verkehr. Es folgen die Themenkreise Siedlungsentwicklung mit Wohnen und Freiflächen, die Wirtschaft, Umwelt-, Klima-, Natur- und Landschaftsschutz sowie Fragen zu Gesundheit und Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen.

Besondere Probleme: Im Themenkreis Wohnen sehen die Befragten erhebliche Defizite. Bemängelt werden ein zu geringes Wohnungsangebot, hohe Grundstückspreise, hohe Mieten und zu wenige Bauplätze. Weiterhin bemängelt werden fehlende gastronomische Angebote sowie zu wenige Einkaufsmöglichkeiten.

Keine Probleme: Viele Bereiche in der Zeppelinstadt werden sehr positiv gesehen. Dazu zählt die medizinische Versorgung, die von 74 Prozent der Befragten lobend hervorgehoben wird. Ebenfalls Pluspunkte gibt es in den Bereichen Sauberkeit, Bildungseinrichtungen, Grünanlagen, Kulturangebot und Sportangebote.

Lebensqualität: Im Vergleich zu einer ähnlichen Umfrage im Jahr 2002 schätzen die Bürger ihre Lebensqualität als noch besser ein als vor 14 Jahren. 93 Prozent der Teilnehmer sehen sich hier sehr gut oder eher gut aufgestellt.