Schon 2012 war es einmal ein Thema. Damals gelang es der Messe, erneut einen Vertrag mit der European Outdoor Group (EOG), der Verband der gesamten Outdoor-Branche, zu verlängern. Nun stehen erneut Verhandlungen an. Denn die EOG hat den Vertrag mit der Messe Friedrichshafen gekündigt und zum Jahr 2019 neu ausgeschrieben. Stefan Reisinger, Bereichsleiter der Outdoor bei der Messe Friedrichshafen, bestätigt diesen Vorgang. "Die EOG hat den Outdoor-Vertrag gekündigt, um sich in der Erarbeitung von neuen Branchenvisionen frei zu machen von allen Zwängen. Für zukünftige Ausrichtungen prüft die EOG nun Konzeptvorschläge von mehreren Messeveranstaltern aus ganz Europa.“ Noch im nächsten Jahr wird die erfolgreiche Messe in Friedrichshafen stattfinden, was danach ist, ist derzeit offen.

Arne Strate, Sprecher der EOG, bestätigte ebenfalls die Kündigung. "Das Konzept der Messe muss überarbeitet werden", so Strate. Denn schon lange sei die Outdoor keine Ordermesse mehr, sondern müsse sich Veränderungen unterziehen. Das habe auch eine Umfrage innerhalb der in der EOG organisierten Firmen ergeben. Welche Messen mit Friedrichshafen konkurrieren, wollte Strate auf Nachfrage nicht preisgeben.

Vaude-Chefin Antje von Dewitz spricht sich für einen Verbleib der Outdoor in Friedrichshafen aus. "Für uns wäre es natürlich ideal, allein wegen der räumlichen Nähe", betont sie. Der Outdoor-Ausrüster hat seinen Firmensitz in Obereisenbach bei Tettnang. Für Friedrichshafen spreche auch die tolle Outdoor-Umgebung und das eingespielte, sympathische Messe-Team, dass sich in der Vergangenheit bewährt habe. Von Dewitz erklärt aber auch, dass aus Branchensicht das zukunftsfähigste Konzept zähle. "Die Outdoor ist die europäische Leitmesse der Branche. Dann müssen aber auch die Händler aus ganz Europa kommen, etwa auch aus Skandinavien oder Osteuropa. ", meint von Dewitz. Sie selbst ist Vorstandsmitglied der EOG, die die gesamte Branche vertritt. Dass die Messe Friedrichshafen die Kündigung erhielt, hält von Dewitz für nicht außergewöhnlich. "Um die Messe neu auszuschreiben, müssen wir natürlich erst kündigen, sonst können wir sie ja nicht neu ausschreiben", erklärt sie. Wichtig sei es, dass die Outdoor attraktiv bleibe – und zwar für die Marken, die Händler und die Medien. "Wir brauchen einen Mehrwert auf vielen Ebenen. Die Messe muss vor allen Dingen am Puls der Zeit bleiben, muss widerspiegeln und Antworten auf das geben können, was den Outdoormarkt bewegt", so die Vaude-Chefin. Für die Firmen sind die Kosten eines Messeauftritts hoch, daher müsse auch viel dabei herauskommen, meint Antje von Dewitz. Problematisch für den Standort Friedrichshafen ist jedoch nach wie vor die Infrastruktur. Die problematische Verkehrsanbindung der Messe, die hohen Kosten und Schwierigkeiten, Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe zu finden, sind manchen Firmen der Outdoor-Branche ein Dorn im Auge. "Ich kann schon verstehen, dass einige Marken damit nicht zufrieden sind", erläutert die Vaude-Chefin.

Stefan Reisinger weiß um die Probleme. „Viele unserer Kunden äußern sich bei uns wie auch bei der European Outdoor Group kritisch zur Erreichbarkeit und zur Hotelsituation der Region. Dieses stellt sicherlich eine Herausforderung dar", betont Reisinger. Trotzdem ist er optimistisch, dass ein neuer Vertrag "mit frischen Impulsen" zustande kommt. "Die EOG räumt dem Messe-Team in Friedrichshafen gute Chancen ein, das neu zu bestimmende Messeformat mit uns als Partner weiter durchzuführen", erklärt der Projektleiter auf Nachfrage des SÜDKURIER. Er verweist darauf, dass die Messe Friedrichshafen seit 25 Jahren mit großem Erfolg die Outdoor ausgerichtet habe. "Als Veranstalter arbeiten wir kontinuierlich daran, die Outdoor so auszurichten, dass sie den Bedürfnissen der globalen Branche und dem Status der Leitmesse gerecht wird", betont er. Auf die Frage, was ein Verlust der Outdoor für die Messe Friedrichshafen bedeuten würde, bleibt er vage. "Die Outdoor ist im Messeportfolio von großer Bedeutung", heißt es zurückhaltend. Der mögliche Verlust einzelner Veranstaltungen könne nicht beziffert werden, fügt Reisinger hinzu. Auf der Messe ISPO in München will die EOG im Januar ihre Entscheidung bekannt geben.
 

Die Geschichte der Outdoor-Messe

Die Outdoor-Messe ist eine der wichtigsten Veranstaltungen im Portfolio der Messe Friedrichshafen.

  • 1994: Die Messe Outdoor startet mit 231 Ausstellern und 5490 Fachbesuchern. Führende deutsche Marken wie Deuter, Big Pack, Jack Wolfskin, Lowa, Meindl, Salewa, Tatonka oder Vaude initiierten die erste Outdoor-Messe. Die die kleine Messe wird damals als Veranstaltung mit "begrenzten Zukunftsaussichten" beschrieben.
  • 1997: Die Hallen auf dem alten Messegelände in Friedrichshafen sind erstmals komplett ausgebucht (453 Aussteller).
  • 2012: Die Messe verkündet, dass die Outdoor in Friedrichshafen bleibt. Die Messegesellschaft konnte den Vertrag mit dem Branchenverband European Outdoor Group (EOG) verlängern.
  • 2017: An der Outdoor beteiligten sich 965 Aussteller und 21 412 Fachbesucher aus 90 Nationen. Auch medial rückt die Outdoor Themen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. 1 019 akkreditierte Medienvertreter aus 30 Nationen, darunter mehr als 160 Blogger, berichten aus Friedrichshafen. Erstmals wurde die Messe in den Juni verlegt und beginnt an einem Sonntag. Damit soll Einzelhändlern ermöglicht werden, zur Messe zu kommen.
  • 2018: Die Outdoor wird vom 17. bis 20. Juni 2018 stattfinden.
Kerstin Mommsen