Die Zukunft der Zeppelin-Apotheke ist ein Thema, über das in der Stadt derzeit heiß diskutiert wird. Während die Grünen von der Stadt fordern, das Gebäude zu kaufen, prüft das Netzwerk für Friedrichshafen, ob es eine Möglichkeit gibt, mit dem "Mietshäuser Syndikat" aus Freiburg günstigen Wohnraum zu schaffen. Philipp Fuhrmann vom Netzwerk für Friedrichshafen will alles tun, um das Gebäude in der Eugenstraße zu erhalten. "Ein zweites Schöllhorn darf es nicht geben" , sagt Fuhrmann. Wenn sich genügend Mieter fänden, die gemeinsam die Zeppelin-Apotheke erhalten wollen, könnte eine Syndikats-Lösung sogar klappen. Das Netzwerk hat bereits Kontakt zum "Mietshäuser Syndikat" in Freiburg aufgenommen. Das handelt nach einem einfachen Prinzip: Bewohner oder Interessenten kaufen ein Objekt, das abgerissen oder neu gebaut werden soll, gleichzeitig wird ein Wiederverkauf vertraglich ausgeschlossen.

Das funktioniert so: Zunächst gründet sich ein "Hausverein", dem diejenigen angehören, die in der Immobilie wohnen wollen. Das Haus gehört dann aber nicht unmittelbar dem Hausverein, sondern einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Diese "Haus-GmbH" hat zwei Gesellschafter, zum einen den Hausverein, zum anderen das "Mietshäuser Syndikat" als Kontrollinstanz. Denn in bestimmten Angelegenheiten wie Hausverkauf oder Umwandlung in Eigentumswohnungen hat das "Mietshäuser Syndikat" Stimmrecht; und zwar genau eine Stimme. Die andere Stimme hat der Hausverein. Das hat zur Folge, dass in Grundlagenfragen eine Veränderung des Status quo nur mit Zustimmung beider Gesellschafter beschlossen werden kann: Weder der Hausverein noch das "Mietshäuser Syndikat" können überstimmt werden.

Finanziert wird der Hauskauf nicht nur über die üblichen Bankenkredite, sondern auch über so genannte "Direktkredite". Dabei leihen Privatpersonen oder Gruppen der Haus-GmbH Geld. Damit kann eine Finanzierungslücke geschlossen werden, da einige Banken Direktkredite als Eigenkapitalersatz akzeptieren. Zudem können sich auch Personen oder Gruppen an der Finanzierung beteiligen, die nicht in dem Objekte wohnen wollen. Auf diese Weise hat das "Mietshäuser Syndikat" bereits 127 Projekte in der ganzen Bundesrepublik realisiert, unter anderem auch die Paradies-Wohn-GmbH – ein Frauenwohnprojekt in Konstanz.

Für Philipp Fuhrmann und seinem "Netzwerk für Friedrichshafen" wäre dieses Modell ideal. "Ich selber würde das Erdgeschoss kaufen und dann günstig an Studenten vermieten, um dort Kultur oder ein Café zu etablieren oder ein Stadtlabor gründen", erläutert Fuhrmann. Da es für das Gebäude bereits 1988 Anbaupläne gab, die genehmigt aber nie umgesetzt wurden, wäre auch der Bau weiterer Wohnungen auf dem jetzigen Parkplatz vorstellbar und wohl auch realisierbar. "Wir müssten nur genügend Mieter finden", so Fuhrmann. Er führte bereits Gespräche mit der Stadt, um eine Lösung für das Gebäude zu finden. Die Eigentümer wollen derzeit rund 1,5 Millionen Euro für das Objekt erzielen, das 1903 gebaut wurde und zuletzt 1988 saniert wurde. Auch die Stadt Friedrichshafen prüft derzeit die Optionen. „Wir sind mit den Eigentümern im Gespräch, haben aber Vertraulichkeit vereinbart", hieß es seitens der Stadtverwaltung auf Anfrage dieser Zeitung. Bei dem Gespräch sollte ausgelotet werden, ob die Eigentümer überhaupt an die Stadt verkaufen würden.

Reizvolle Details, kein Denkmal: Ergebnis der Bewertung im Jahr 2012

2012 wurde das Haus vom Landesamt für Denkmalpflege überprüft.

  • Geschichte und Umbauten: Die Apotheke kam 1925 in das 1903 für einen Parkettfabrikanten errichtete Haus und wurde inzwischen mehrfach renoviert, wie dem Ergebnis der denkmalfachlichen Bewertung zu entnehmen ist. Weiter heißt es nach Auskunft von Désirée Bodesheim, Pressereferentin des Regierungspräsidiums Stuttgart: "Als die Eugenstraße verbreitert wurde, verschwanden die Vorgärten und Freitreppen. Die Fenster des Hochparterres wurden herabgezont." Den großen Betonanbau für Treppenhaus und Aufzug gab es in den 1980er-Jahren bereits.
  • Auszug aus dem Ergebnis: "Trotz der Umbauten haben sich einige reizvolle Details erhalten, vor allem die schönen Parkettfußböden im Inneren, die bis heute die einstige Profession des Bauherrn verraten", heißt es im Ergebnis weiter. Im Vergleich zu anderen Mehrfamilienhäusern dieser Zeit gehe das Haus "in seiner Gestaltung allerdings nicht über das damals zu der Zeit Übliche hinaus" und erfülle daher weder in künstlerischer, noch in wissenschaftlicher oder heimatgeschichtlicher Hinsicht die Kriterien eines Kulturdenkmals nach dem baden-württembergischen Denkmalschutzgesetz.
  • Neubewertung: Grundsätzlich sind Neubewertungen aufgrund neuer Erkenntnisse nach Auskunft der Behörde möglich. Zur Zeppelin-Apotheke wird aber mitgeteilt: "Da eine aktuelle Überprüfung des Gebäudes im Jahr 2012 bereits vorgenommen wurde und uns keine neuen Erkenntnisse zum Objekt vorliegen, ist eine erneute Überprüfung nicht notwendig." (böm)