Wer derzeit im Werk 2 der ZF unterwegs ist, könnte eine Begegnung der surrealen Art erleben. Denn erstmals in Deutschland ist für den Automobilzulieferer eine automatisierte Drohne auf dem Werksgelände unterwegs. Sie liefert völlig selbstständig Ersatzteile aus, landet ohne von einem Menschen ferngesteuert zu sein und fliegt anschließend mehr oder weniger lautlos ins Zentrallager zurück.

Entstanden ist die hochmoderne Brieftaube, weil die Idee von ZF-Mitarbeiter Michael Wiest gleich umgesetzt wurde. "Früher wurden die Ersatzteile von einer Firma hin und her gebracht. Wir haben schon lange überlegt, wie wir das anders machen könnten", so Matthias Haberstroh, Leiter des Supply Chain Management der Division Nutzfahrzeugtechnik. Und weil Instandhaltungsmeister Michael Wiest ein Tüftler ist, arbeitete er an der Umsetzung der Idee, auch wenn er zunächst von einigen Kollegen belächelt wurde.

Instandhaltungsmeister Michael Wiest (unten rechts) entwickelte das surreale Fluggerät, auch wenn er von Kollegen zunächst belächelt wurde. Nun ist es ein weiteres Zukunfts-Produkt des Häfler Automobilzulieferers ZF.
Instandhaltungsmeister Michael Wiest (unten rechts) entwickelte das surreale Fluggerät, auch wenn er von Kollegen zunächst belächelt wurde. Nun ist es ein weiteres Zukunfts-Produkt des Häfler Automobilzulieferers ZF. | Bild: Felix Kaestle

Nun ist der Hexacopter, der sechs Motoren hat, die erste Drohne, die in einem deutschen Unternehmen die behördliche Genehmigung für automatisierte Flüge auf einem Werksgelände erhalten hat. "Michael Wiest hat die Freiräume des agilen Arbeitens bei ZF genutzt und die Drohne sehr schnell und höchst kreativ von der Idee bis zur Realisierung perfekt umgesetzt", freut sich Fredrik Staedtler, Leiter der ZF-Division Nutzfahrzeugtechnik.

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Bis zu fünf Kilogramm Gewicht kann die sechsmotorige Drohne auf dem Luftweg transportieren – nach Abzug für Greifer und Transportbox bleiben drei Kilogramm reine Nutzlast übrig. Das reicht für die weitaus meisten Ersatzteil- und Werkzeugtransporte auf dem Betriebsgelände. "Wenn eine Bestellung im Zentrallager reinkommt, sucht ein Lagermitarbeiter das Ersatzteil und legt es in die Transportbox. Zuvor werden die Informationen, wohin das Teil soll, digital eingelesen", erklärt Wiest. Die Drohne liest diese digitalen Anweisungen dann aus und liefert das Ersatzteil, etwa Sensoren oder Steuerkarten, aus.

Video: ZF/Felix Kästle

Sicherheit steht natürlich auch beim Warentransport per Drohne an oberster Stelle: Der 30 Stundenkilometer schnelle Hexacopter fliegt überwiegend über die Dächer der Werkhallen und kreuzt Fahr- und Gehwege nur, wo es sich nicht vermeiden lässt. Ausgestattet ist das Fluggerät mit allerlei Technik: Infrarot- und optische Sensoren sowie einer ausgeklügelten Positions- und Navigationserkennung. "Die größte Herausforderung während der Entwicklung waren die Landungen. Denn oft gibt es an den Wänden der Werkshallen Scherwinde oder es fehlt das GPS-Signal", erklärt Matthias Haberstroh. Doch mittlerweile sind alle Tests erfolgreich absolviert und der Drohnen-Prototyp fliegt täglich seine Runden. Michael Wiest ist auch ein bisschen stolz darauf, dass bei allen Flügen kein einziger nennenswerter Absturz passierte oder gar ein Totalschaden.

Im Notfall jedoch kann der Hexacopter von Menschenhand gelandet werden, auch wenn die Drohne das ganz selbstständig kann.
Im Notfall jedoch kann der Hexacopter von Menschenhand gelandet werden, auch wenn die Drohne das ganz selbstständig kann. | Bild: Felix Kaestle

Der Akku ist für etwa 30 bis 40 Minuten elektrischen Flugbetrieb ausgelegt, selbst bei dem Ausfall eines Motors bleibt die Drohne manövrierfähig. "Die Drohne fliegt völlig autonom, aber es ist jederzeit möglich, dass ein Mensch das Steuer übernimmt", erklärt Haberstroh. Wenn etwa ein Hubschrauber über das ZF-Werk fliegen muss, informiert der Tower am Flughafen einen ZF-Mitarbeiter, der dann die Drohne sicher landen kann.

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Bei diesem technologischen Unikum handelt es sich jedoch nicht um reine Spielerei, sondern es geht natürlich um Zukunfts-Technologie. "Mittelfristig könnten auch andere Unternehmen unsere Lieferdrohnen einsetzen, um Kleinteile zu transportieren", erläutert Haberstroh. Langfristig ist aber auch ein Einsatz im Alltag denkbar, etwa um die Paketzustellung in schwer zugänglichen Wohngebieten zu erleichtern. "Mit einer solchen Drohne könnte der letzte Weg zum Kunden absolviert werden", da ist sich ZF-Abteilungsleiter Haberstroh sicher. Den passenden Paketwagen dazu hat ZF bereits entwickelt: Den elektrisch angetriebenen "Innovation Van", der ebenfalls autonom durch die Straßen manövrieren kann, während der Zusteller die Pakete an die Haustür bringt.

ZF präsentierte bei den ZF TEchnology Days zahlreiche Anwendungen, die autonomes Fahren in der Zukunft möglich machen.
ZF präsentierte bei den ZF TEchnology Days zahlreiche Anwendungen, die autonomes Fahren in der Zukunft möglich machen. | Bild: Mommsen, Kerstin
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