Friedrichshafen-Fischbach (afr) Ralf Möllmann hat sich das gut überlegt. Fast acht Jahre lang hat er die Postfiliale in seinem kleinen Tabakladen in der Zeppelinstraße geführt. Am kommenden Montag um 18 Uhr wird er seine Filiale in Fischbach für immer schließen. Die Ladenregale waren Ende vergangener Woche schon weitgehend ausgeräumt. Pakete und Päckchen, deren Adressaten nicht zuhause angetroffen werden, wurden bereits ab 20. Juli zur Hauptpost in Friedrichshafen umgeleitet. Die Schließfächer werden aufgelöst, nicht abgeholte Inhalte zugestellt. Am Dienstag ist noch Inventur mit der Post, dann wird das Equipment abgeholt. Sogar der Briefkasten wird abgeschraubt. Der Vermieter wollte es so. Was dann aber mit den Räumen geschieht, weiß Ralf Möllmann nicht.

"Ehrlich gesagt, ich bin ein bisschen schockiert, dass die Post zumacht", sagt Stammkundin Melanie Comak. So geht es vielen Fischbachern, denn sie nutzen ihre Postfiliale fleißig. Das hat sich auch damals nicht geändert, als der Service-Point der Post im Kaufland Stockerholz eröffnet wurde. "Das habe ich nur insofern gespürt, dass die Leute regelmäßig zu mir gekommen sind und sich beschwert haben", so Möllmann. Die Post schule nur jene, die eine Filiale übernehmen, nicht aber die Leute vom Service-Point. Das könne zu ärgerlichen Situationen führen. "Da wird ein Paket auch mal mit einer EU-Marke nach Russland geschickt und dann kommt es wieder zurück, weil es falsch frankiert ist", sagt Möllmann. Er musste den Kunden dann klar machen, dass sie 29 Euro Porto in den Sand gesetzt hatten.

Doch das ist nicht der Grund für die Schließung und es gibt auch keine finanziellen Gründe. "Die Post lief bei mir sehr gut, das muss ich schon sagen. Besonders die benachrichtigten Pakete." Es gab Tage, da gingen 40 bis 50 Pakete bei ihm ein, von Leuten, die nicht zuhause waren. Manchmal lagen 80 oder 90 Pakete zur Abholung bereit. Das ist es also auch nicht. "Es hat Spaß gemacht und ich möchte auch allen Leuten danken, die mir die Treue gehalten haben. Aber ich bin jetzt 39 Jahre alt und ich sehe hier keine Steigerungsmöglichkeiten. Ich denke, es ist ein guter Zeitpunkt, sich beruflich zu verändern", sagt Möllmann.

Das mit dem guten Zeitpunkt gilt nicht nur für ihn selbst. Im August seien viele Leute im Urlaub, da falle es vielleicht nicht so auf, wenn die Post zu sei und im September öffne schon die neue Filiale im Laden von Aydin Sezgin. "Stimmt", sagt dieser. Am Freitag wollte er den Vertrag unterschreiben. "Dann muss ich fünf Tage zur Schulung nach München", erklärt Sezgin und ab dem 17. September gibt es eine neue Postfiliale in seinem An- und Verkauf für Elektrogeräte. Dass dieser gegenüber von der Apotheke, im ehemaligen Fahrradgeschäft Moosbacher, ebenfalls in der Zeppelinstraße und gar nicht weit vom bisherigen Standort ist, wird die Fischbacher freuen. Damit alles von Anfang an rund läuft, will Sezgin die bisherige Mitarbeiterin von Möllmann übernehmen. Der Postkasten zieht ebenfalls mit um und etwas längere Öffnungszeiten gibt es obendrein: montags bis freitags von 10 bis 13 und von 14 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 16 Uhr.