Außen altmodisch, aber innen immer moderner: Nach dieser Formel gestalten sich die Gerätschaften der Motorradszene in diesem Jahr, und wie das genau aussieht, können Besucher der Internationalen Motorradmesse von 27. bis 29. Januar in Friedrichshafen erleben. An 310 Ständen gibt es an dem Wochenende alles zu sehen und auszuprobieren, was die Motorradwelt hergibt, erklärte die Öffentlichkeitsreferentin Eleni Kugler am Montag bei der Vorstellung. Damit verbuche die Messe nicht nur ein Plus von 6,5 Prozent, sondern auch einen neuen Rekord bei der Zahl der Aussteller – passend zum Trend auf der Straße. Denn da gab es im vergangenen Jahr eine satte Steigerung von 15 Prozent mehr zugelassenen Motorrädern. "Der Branche geht es gut", erklärte die Messe-Projektleiterin Petra Rathgeber.

173 000 Motorräder wurden mit dieser Steigerung 2016 in Deutschland neu zugelassen. "Das war ein erfolgreiches Jahr", stellte dazu Wolf-Martin Riedel fest, Chef vom Dienst bei dem Motorrad-Magazin "MO". Und es war ein Jahr, in dem die deutsche Marke BMW den Markt mit einem Anteil von gut 20 Prozent einmal mehr deutlich dominierte. Die einstmals führende japanische Konkurrenz wurde inzwischen überholt. "Da hat es einen Wechsel gegeben", sagte der Journalist. Die Topmarke Yamaha findet sich mit zwölf Prozent auf dem zweiten Platz wieder. Honda und etwas überraschend die legendäre Marke Harley Davidson sowie KTM teilen sich mit elf Prozent den dritten Rang. Dass der Verkauf von 125er-Maschinen im abgelaufenen Jahr ebenfalls anstieg, gilt als gutes Zeichen: In dem Segment fährt der Motorrad-Nachwuchs.

Ein neuer Trend macht dabei das Rennen: "Retro ist in!" Aber unter dem traditionellen Look ist Hightech gefragt. So sahen denn alle Maschinen, die Riedel auf der Beamer-Leinwand als Neuheiten für die Messe vorstellte, stark danach aus, dass sie nach 30 oder 40 Jahren wieder aus dem Keller gezogen worden sind: mit vielen Rundungen, wo sonst längst schnittiges Design gewachsenen Anforderungen im Windkanal gerechter werden würde.

Aber zwischen Speichenrädern und Kette hat sich viel getan, erklärte der Journalist. Mit dem neuen Jahr gebe es auch neue gesetzliche Anforderungen: die Norm Euro 4, die nicht nur das Antiblockiersystem für Motorräder obligatorisch mache, sondern auch ein elektronisches Motor-Management verlange, das nicht nur Schadstoffausstoß und Lärmpegel verringert, sondern für den Motor auch eine "Onboard-Diagnose" per Steckdose ermöglicht. Das hat Folgen, prognostiziert der Fachmann: Viele ältere Modelle könnten nicht mehr wirtschaftlich an diese Anforderungen angepasst werden, würden durch neue ersetzt. Entsprechend viele neue Modelle werden auf dem Markt erwartet. Vorneweg bei den Herstellern marschiere dabei das zu Audi gehörende Haus Ducati, das bereits sieben neue Modelle auf den Markt gebracht habe. Weit gefächert ist aber auch die Modellpalette von BMW, wobei die meisten Maschinen aktuell seien und nicht mehr aufwendig erneuert werden müssten.

Spaß, Spaß, Spaß

Ansonsten gelte für den Motorradmarkt: Gefragt waren vorwiegend Roadster mit coolem Look von Sport- und Retro-Bikes. Aber auch schwere Enduro-Maschinen und Cruiser zählen zu den gefragtesten Maschinen. Sogenannte Supersportler und Superbikes sowie Tourenmaschinen hielten eher geringe Marktanteile. Ungebrochen sei der schon länger anhaltende Trend zum "coolen Motorradfahren", meinte der Motorrad-Journalist. "Das sind alles Motorräder zum Spaß haben."

 

Spannende Zweirad-Geschichten

  • An 310 Ständen findet der Motorradfreund am kommenden Wochenende vom 27. bis 29. Januar alles, was das Herz begehrt. Die Produktschau zeigt mit rund 800 ausgestellten Maschinen Neuheiten und Zubehör. Auch Trends beim Umbau können nachvollzogen und bewertet werden. Denn erstmals gibt es den "Best Bike Award". Dazu gibt es auch ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen, Modenschau und reichlich "Show & Action". So zeigt Dominic Csauth eine Stunt-Show, verblüffen Zweiradkönner auf dem Trialparcour und die Wrecking-Crew beim FMX-Jump in der Action-Halle der Messe. Wer will, kann sich auch testhalber selbst einmal auf ein Bike schwingen und probieren – auch ohne Führerschein. Dafür gibt es einen eigenen Fahrschulparcours.
  • Der Ladies-Day am Samstag zeigt, dass auch Frauen in der Zweirad-Szene aktiv sind – so wie etwa die Mädelscrew "Lipsticks & Gasoline" bei der Vorstellung der Messe.  Deren Mitglieder Tanja Bobell, Gabi Kaschner und Karin Stedele erzählen, wie sie sich vom Sozius ihrer männlichen Partner zu aktiven Motorradfreundinnen emanzipierten und heute gerne auch ohne die Männer unterwegs sind.
  • Der Überlinger Abenteuer-Biker Karl Spiegel berichtet von seiner elfmonatigen Reise quer durch den südamerikanischen Kontinent. "Ich fahre jetzt mal ein bisschen durch Argentinien", erzählte er von seiner Ankunft per Schiff. Daraus wurde eine 40 000 Kilometer lange Fahrt bis fast runter ans berühmte Kap Horn. Mit gemütlichen 90 bis 100 Stundenkilometer sei er unterwegs gewesen, erzählt der 61-Jährige, der einen Job in der Eventbranche aufgegeben hat, um die Welt per Bike zu erkunden. Er und andere Abenteurer erzählen davon bei der "Abenteuer Zweirad".


Geöffnet hat die Messe am Freitag von 11 bis 19 Uhr, Samstag 10 bis 18 und Sonntag 10 bis 17 Uhr. Wer mit dem Motorrad anreist, hat auch in diesem Jahr freien Eintritt.Informationen im Internet: www.motorradwelt-bodensee.de