In Markdorf hängen die Girlanden und steht der Zierrat erst seit gestern. "Mir haben damals die Osterbrunnen ringsum – in Ittendorf, in Bermatingen – unheimlich gut gefallen", erklärt Richard Gratwohl. Also beschloss der Markdorfer Friseur-Meister, auch für die Gehrenbergstadt einen solchen österlichen Brunnenschmuck am Latscheplatz zu kranzen. "Alleine konnte ichs nicht", erinnert er sich an den Anfang vor sechs Jahren, "also habe ich Bekannte, die Familie und Geschäftsfreunde gefragt." Die gerne mitmachten. Zum Beispiel Karin Sulger. Die Geschäftsfrau kennt den Brauch, Osterbrunnen zu gestalten aus Konstanz. "Mir macht das Kranzen einfach Spaß – sonst würde ich jetzt nicht hier stehen." Eva Maria Weiß ist zum ersten Mal dabei. Und vielleicht gehört auch sie am nächsten Karfreitag-Morgen wieder zu der kleinen Gruppe in Markdorf, die den Brunnen am Latscheplatz schmückt.

In Ittendorf hat die Frauengemeinschaft ihren Osterbrunnen schon am Freitag vergangener Woche geschmückt. Sodass die Einwohner des Teilorts im Südwesten der Stadt sich bereits am Palmsonntag davor versammeln konnten, um nach dem Gottesdienst mit vorangegangener Palmweihe – die natürlich am Ittendorfer Osterbrunnen stattgefunden hatte – bei Kaffee und Zopfbrot miteinander zu plaudern.

Hildegard Wagishauser, Maria Marquart, Klara Lehle, Marlies Matt und Hildegard Mayer von der Ittendorfer Frauengemeinschaft schmücken den Osterbrunnen an der Kippenhauser Straße.
Hildegard Wagishauser, Maria Marquart, Klara Lehle, Marlies Matt und Hildegard Mayer von der Ittendorfer Frauengemeinschaft schmücken den Osterbrunnen an der Kippenhauser Straße.

Der Brauch, zum Palmsonntag Palmbuschen zu basteln ist sehr alt. Buchsbaum, Nadelzholzzweige, Holzröhrchen werden zu kunstvollen Gebilden zusammengesteckt. Hinzu kommen bunte Bänder – und natürlich auch bunt gefärbte Eier. Einerseits sollen die Palmbuschen an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnern. Andererseits greifen sie das alte Symbol für Lebenskraft und Fruchtbarkeit auf: das Ei. Der andere Teil der Symbolik, Wasser, "steht ja ebenso fürs Leben", erläutert Richard Gratwohl.

So weit verbreitet wie das Palmbuschen-Binden ist der Brauch des Osterbrunnen-Schmücken indes nicht. Ein Heimatpfleger aus Lehmingen, Franken, erklärt die mit frischem Grün und gefärbten Eiern verzierten Brunnen als Besonderheit der Fränkischen Schweiz. In deren karstiger Landschaft galt Wasser noch lange als besonders wertvolles Gut. Es lag also nahe das Leben spendende Wasser mit dem Zeichen für Lebenskraft und Fruchtbarkeit zusammenzubringen. Und tatsächlich zählt das Hinabwerfen von geweihten Eiern in die frisch geputzten Brunnen denn auch schon wieder zu den weiter verbreiteten Bräuchen.

800 Eier hat die Frauengemeinschaft neu gekauft und anschließend gefärbt – nun gilt es sie gleichmäßig um die Buchs-Girlanden zu wickeln.
800 Eier hat die Frauengemeinschaft neu gekauft und anschließend gefärbt – nun gilt es sie gleichmäßig um die Buchs-Girlanden zu wickeln.

Hildegard Wagishauser kann sich nicht erinnern, dass es in Ittendorf oder Markdorf eigene Osterbräuche gegeben habe – jenseits des Palmen-Bindens. Gut erinnern kann sie sich jedoch an eine Fernseh-Dokumentation vor etlichen Jahren. Die berichtete vom Osterbrunnen-Schmücken in Franken. "Wunderschöne Trachten und herrlich bunte Brunnen", sieht die Ittendorferin noch immer, wenn sie an den Film denkt. "Warum nicht auch in Ittendorf?" war ihre Überlegung. Und die Frauen von der Frauengemeinschaft mussten kaum überlegen. Das war vor 13 Jahren. Seither trifft sich am Freitag vor Palmsonntag ein halbes Dutzend Damen am Brunnen an der Kippenhauser Straße. Dabei haben sie Bänder, Draht und grüne Girlanden, die aus Buchsbaumzweigen zusammengesteckt sind. Und zumindest beim Osterbrunnen-Schmücken finden die Frauengemeinschafts-Aktivitäten, eifrige Unterstützung.

Bunte Eier überall – am Palmsonntag begegnen sie draußen am Osterbrunnen und drinnen in der Kirche – hier in St. Martin von Ittendorf.
Bunte Eier überall – am Palmsonntag begegnen sie draußen am Osterbrunnen und drinnen in der Kirche – hier in St. Martin von Ittendorf.

Freut Hildegard Wagishauser sich über solche Hilfe, so freuen sich die Ittendorfer über ihren Osterbrunnen. Nicht nur sie, wie Claudia Ainser beobachtet: "Regelmäßig halten Touristen an", berichtet die junge Frau. Um den bunt geschmückten Osterbrunnen mit seinen 800 Eiern zu fotografieren – beziehungsweise einfach nur zu bestaunen.

 

Das Ei

Das Ei steht als Zeichen für Fruchtbarkeit und Lebenskraft. Im frühen Mittelalter war während der Fastenzeit das Essen von Eiern verboten. Erst an Gründonnerstag und den nachfolgenden Feiertagen war der Genuss wieder erlaubt. Seit dem 12. Jahrhundert gibt es eine "benediction ovorum", die Segnung von Eiern in der Kirche. Später zählten die Eier wieder zu den gestatteten Fasten-Speisen. Den Gläubigen gelten die so geweihten Eier als besonders segensreich – und förderlich für die Gesundheit. Zum Teil wurden die Eier samt Schale gegessen, im Glauben, dass das den Essenden vor körperlichen Schäden bewahrt. In einigen Gegenden war es üblich, die geweihten Eier zu teilen.

Renate Ernet vom Bastelkreis der evangelischen Kirchengemeinde mit einem der für den Osterbasar gefertigten Eier.
Renate Ernet vom Bastelkreis der evangelischen Kirchengemeinde mit einem der für den Osterbasar gefertigten Eier.