Erheben Schüler für eine gute Sache ihre Stimme und demonstrieren auf der Straße, sehen die meisten Häfler das Engagement gerne. Schwänzen die Jugendlichen dafür aber den Unterricht, ist nicht jeder begeistert, da sind sich viele Lehrkräfte und Eltern einig.

So auch, als am vergangenen Freitag Häfler Schüler im Rahmen einer bundesweiten Aktion für mehr Klimaschutz demonstrierten. Auf der Facebook-Seite des SÜDKURIER Friedrichshafen wurde darüber kontrovers diskutiert. Am Freitag soll es nun eine Neuauflage der Kundgebung geben, dieses Mal allerdings um 15 Uhr, statt wie zuletzt gegen Mittag.

Schwänzen oder nicht?

Dem SÜDKURIER gegenüber gibt der 20-jährige Ali I. offen zu, dass er zu der Demo gehen würde, allerdings um den Schulunterricht zu schwänzen. "15 Uhr ist mir zu spät. Aber um halb 12 wäre ich dabei gewesen, denn da habe ich Bildende Kunst", sagt der Schüler des Graf-Zeppelin-Gymnasiums (GZG) mit einem verschmitzten Lächeln. Viele der Schüler, die nach Schulschluss das GZG verlassen, wussten von der Klimaschutz-Aktion bislang nichts.

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Die GZG-Schüler Felix Stange (17), Jonas Baer (16) und Jannik Brändle (16) halten die Demos für eine gute Sache. "Wenn sich junge Menschen für das Thema interessieren und sich damit auseinandersetzen, ist das toll. Allerdings sollten die Aktionen immer nachmittags gemacht werden", meint Felix. Jonas stimmt ihm zu und fügt an: "Wer wegen der Demo im Unterricht fehlt, kann Probleme bekommen. Uns wurde klar gesagt, dass das dann als Schwänzen gilt und dementsprechend geahndet wird."

Die drei Jugendlichen waren bei der ersten Demonstration nicht dabei. Jannik ist der Meinung, dass auch der Stundenplan über die Teilnahme an der Aktion entscheiden kann. "Hat man während der Zeit der Kundgebung ein Fach, das nicht besonders gemocht wird, ist man vielleicht eher dabei."

Organisator ist junger Student

Organisiert werden die Klimaschutz-Demos in Friedrichshafen von Sander Frank. Er studiert Politik, Verwaltung und internationale Beziehungen an der Zeppelin Universität. "Wir verfolgen ein übergeordnetes, internationales Ziel und möchten auf das Thema Klimaschutz aufmerksam machen", sagt der 21-Jährige.

Der Organisator der Häfler Kundgebungen
Der Organisator der Häfler Kundgebungen | Bild: Sander Frank

Dass die erste Aktion während der Schulzeit stattfand, hat Frank zufolge seinen Grund. "Wir möchten Druck auf die Politiker ausüben, die ihre Beschlüsse nicht ernst nehmen und umsetzen. Das Bildungsministerium hätte ein fatales Problem, wenn an allen Schulen für eine solche Demonstration geschwänzt werden würde."

Rund 150 Schüler beteiligten sich am vergangenen Freitag an der Demonstration. Wenn es nach Sander Frank geht, sollen es dieses Mal deutlich mehr werden. "Wir haben 250 Teilnehmer angemeldet und hoffen im Vergleich zur letzten Woche, weitere Schüler für die Aktion begeistern zu können. Es ist aber schwer abzuschätzen, wie viele letztendlich kommen werden", erklärt der Student.

Schulleiter unterstützen Aktion, aber...

In den Schulen kam das Fehlen der beteiligten Schüler am vergangenen Freitag nicht sonderlich gut an. "Ich möchte den Schülern nichts unterstellen, aber sie müssen aus Überzeugung mitwirken. Ist das tatsächlich der Fall und sie identifizieren sich mit der Aktion, sollte es den Teilnehmern egal sein, ob die Demonstration am Morgen oder am Nachmittag nach Schulschluss stattfindet", sagt Axel Ferdinand, Schulleiter des GZG auf Anfrage dieser Zeitung.

Er selbst hält den Klimaschutz für ein zentrales und wichtiges Thema, denn der Schulleiter ist selbst Geografie-Lehrer. "Ich habe mich mit meinem Kollegen Christoph Felder, dem Schulleiter des Karl-Maybach-Gymnasiums, über die Schülerdemo unterhalten. Wir beide unterstützen die Aktion, wenn sie nachhaltig ist und außerhalb der Unterrichtszeit liegt."

Der Schulleiter des GZG, Axel Ferdinand, hält den Klimaschutz als Geografie-Lehrer für ein wichtiges Thema. Nichtsdestotrotz appeliert er an die Vernunft der Schüler.
Der Schulleiter des GZG, Axel Ferdinand, hält den Klimaschutz als Geografie-Lehrer für ein wichtiges Thema. Nichtsdestotrotz appeliert er an die Vernunft der Schüler. | Bild: Corinna Raupach

Sander Frank weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass bei der Polizei keine Beschwerden eingegangen seien. Allerdings sei der ein oder andere Schüler mit Nachsitzen oder einer Strafarbeit bestraft worden.

Aktion bei Schülern beliebt

Schüler Adrian ter Hell vom GZG ist 18 Jahre alt und findet die Demonstrationen für den Klimaschutz "sehr gut". Er selbst war bei der ersten Aktion dabei, wenn auch nur kurz. "Ich habe kaum einen gekannt, da sich vor allem Berufsschüler und viele von anderen Schulen beteiligten. Deswegen bin ich nach zehn Minuten wieder gegangen." Er findet es traurig, dass die Aktion am vergangenen Freitag während der Schulzeit stattfand. Besser sei es auch da schon gewesen, sich nach Schulschluss zusammenzufinden.

Der 17-jährige Onno Möller ist ebenfalls am GZG und macht in diesem Jahr sein Abitur. "Mir fehlt momentan die Zeit, um mich bei solch einer Demonstration zu engagieren, aber ich finde es gut. Neben den wirklich interessierten Teilnehmern nutzen manche die Aktion aber bestimmt auch, um zu schwänzen", sagt er.