Friedrichshafen – Emma ist fünf und hat fast ihr ganzes bisheriges Leben im Friedrichshafener Tierheim verbracht. „Langzeitinsassen“, so nennen Carola Fuchsloch, Vorsitzende des Tierschutzvereins Friedrichshafen und Umgebung, und ihre Stellvertreterin Anne Juhre solche Tiere. Es gibt einige Lebewesen, für die sich kaum jemand interessiert, nicht nur drei Hunde, sondern auch mehrere Katzen, Chinchillas, Degus und Wasserschildkröten, denn für die meisten Menschen müssen die Tiere jung und problemlos sein.

Mehrere Wasserschildkröten sind ebenfalls schon länger im Tierheim untergebracht, nachdem sie offenbar ausgesetzt und dann gefunden wurden.
Mehrere Wasserschildkröten sind ebenfalls schon länger im Tierheim untergebracht, nachdem sie offenbar ausgesetzt und dann gefunden wurden. | Bild: Wex, Georg

Die aufgeweckte Appenzellerhündin Emma kam nach ihrer Beschlagnahmung ins Tierheim, berichtet Carola Fuchsloch: „Die Halterin war obdachlos.“ Aufgrund der Haltebedingungen wurde der Frau die Hündin abgenommen. Am Anfang sei sie nicht einfach gewesen. Sie musste einen Maulkorb tragen, wenn die freiwilligen Gassigänger des Tierheims mit ihr unterwegs waren. Inzwischen hat sie eine Hundeschule besucht und bestanden sowie Vertrauen geschöpft. Sie sei richtig gut bei der Fährtensuche und im Mantrailing (Personensuche), so Anne Juhre. Im Tierheim sei sie inzwischen so etwas wie eine Therapeutin für unsichere Rüden. „Emma kann‘s mit ihnen“, meint Anne Juhre. Sie sollte in erfahrene Hände, wo es keine kleinen Kinder gibt, meint Carola Fuchsloch. Es gab schon ganz konkrete Interessenten für Emma. Die mussten jedoch wieder absagen, da sie keine Erlaubnis von ihrem Vermieter bekamen.

Das ist einer von drei Degus im Friedrichshafener Tierheim.
Das ist einer von drei Degus im Friedrichshafener Tierheim. | Bild: Wex, Georg

Es gibt noch zwei weitere Hunde, die schon lange im Tierheim sind: Der 2012 geborene Charly ist ein Schäferhundmischling und sogar noch länger, sechs Jahre, im Tierheim. Ursprünglich kam er mit drei Monaten aus schlechter Haltung ins Tierheim, konnte dann vermittelt werden, doch sein neues Herrchen verstarb und er landete wieder im Tierheim. „Er braucht ruhige Leute, die ihn verstehen“, sagt Juhre. „Erfahrene Leute, die souverän mit ihm umgehen“, ergänzt Fuchsloch. Auch er war in der Hundeschule. Ebenso wie Fleur, eine Malinois oder Belgische Schäferhündin. Sie wurde gefunden und ist seit vier Jahren im Tierheim. Größere Hunde seien nur schwer zu vermitteln. Um zu gewährleisten, dass die Tiere zu kompetenten Haltern kommen, prüfen die Mitarbeiter in Vorabgesprächen und mit -kontrollen, ob das neue Umfeld stimmt.

Auch Gismo, etwa im April 2016 geboren, ist schon länger im Tierheim. Der Freigänger ist sehr scheu und lässt sich ungern anfassen. Er braucht geduldige Menschen.
Auch Gismo, etwa im April 2016 geboren, ist schon länger im Tierheim. Der Freigänger ist sehr scheu und lässt sich ungern anfassen. Er braucht geduldige Menschen. | Bild: Wex, Georg

Aber auch Katzen leben teilweise vier bis fünf Jahre im Tierheim, bevor sie vermittelt werden können. „Wir haben sehr viele scheue Katzen„, so Carola Fuchsloch. Manche Katzen, die nie richtig Kontakt mit Menschen hatten, werden auf dem Gelände ausgewildert. „Wir bieten auch Kastrationshilfe an“, erläutert die Vorsitzende. In den vergangenen Monaten seien auch mehrere gefundene Katzen im Tierheim abgegeben worden, die in einem extrem schlechten Gesundheitszustand waren. „Trotz Versorgung sind sie innerhalb weniger Tage gestorben“, berichtet Fuchsloch: „Da haben wir den Kampf verloren.“ Problematisch in der Vermittlung seien vor allem alte Katzen. Erst vor Kurzem sei eine 17 Jahre alte Wohnungskatze abgegeben worden, deren Besitzerin in ein Pflegeheim musste. „Diese Katzen geben sich fast selbst auf“, erzählt Fuchsloch. Sie kenne nur zwei Leute, die immer mal wieder solche Tiere ehrenamtlich nehmen. Derzeit gebe es zwei 13- beziehungsweise 15 Jahre alte Katzen. „Die meisten haben Angst, dass sie das Tier aufgrund des Alters schnell wieder verlieren“, meint Juhre, oder vielleicht auch vor entstehenden Tierarztkosten. Dabei sollten sich ältere Menschen klar machen, dass es wenig Sinn mache, ein Jungtier zu nehmen, das einen Überleben kann.

Lizzy wurde etwa im Oktober 2017 geboren und zusammen mit ihrem Bruder im Tierheim abgegeben.
Lizzy wurde etwa im Oktober 2017 geboren und zusammen mit ihrem Bruder im Tierheim abgegeben. | Bild: Wex, Georg

Aber nicht nur Hunde und Katzen machen die Langzeitinsassen aus. Die zwei Chinchillas und drei Degus (Olaf, Willi und Flitzi), beide Arten stammen ursprünglich aus Südamerika, sind ebenfalls schon vier bis fünf Jahre im Tierheim – und niemand scheint Interesse an den Nagern zu haben. Eine ganze Anzahl von Wasserschildkröten verschiedener Arten versorgt das Tierheim. Sie wurden gefunden, vermutlich von Menschen als junge Tiere gekauft und, als sie groß wurden oder zu viel Arbeit machten, ausgesetzt. Einfacher sei es mit Kaninchen, die öfter als Ersatz für ein gestorbenes Tier ein neues Zuhause fänden.

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Pflege der Tiere muss finanziert sein

  • Rund 350 000 Euro braucht das Tierheim jährlich, um sich um die Tiere zu kümmern und sie zu versorgen. Der überwiegende Teil dieses Betrages, der nach Aufkommen der Tiere schwanken kann, kommt durch die Fundtierpauschale aus 15 Gemeinden zustande sowie aus Mitgliedsbeiträgen. Desweiteren sind Patenschaften für die Tiere möglich, Spenden sind willkommen und es gibt ein Tierpensionangebot. Zwei Voll- und fünf Teilzeitbeschäftigte arbeiten im Tierheim plus fünf Minijobber, berichten Fuchsloch und Juhre. Ein Kostentreiber wird in den kommenden Jahren der Zustand der Gebäude sein.
  • In der Vorbereitung ist am Sonntag, 21. Juli, von 11 bis 17 Uhr, ein Tag der offenen Tür im Tierheim mit Führungen, Tombola mit Preisen von der Autoreinigung bis zu Gutscheinen, ein Flohmarkt und ein Küchenbuffet mit leckerem Essen. Von 13.30 bis 15.30 Uhr gibt es Kinderaktionen. Zwei Bands (Sally Greenfield und Die Jet) werden für Livemusik sorgen.

Informationen im Internet:
http://www.tierheim-fn.de