Sie ziehen singend ein, mit breitem Lächeln und Schwung in den Schritten. Die Sängerinnen und Sänger des Ailinger Chors Mundwerk verströmen vom ersten Ton an so viel Freude, dass ihre Botschaft an das Publikum gleich klar wird: Schlechte Laune ist ein Denkfehler, zumindest an diesem Abend im Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen. "This little light of mine I'm gonna let it shine" singen sie und ihre Gesichter leuchten. Der Gospelsong war eine Hymne der Bürgerrechtsbewegung, die Begeisterung von Mundwerk gibt ihm Frische und Glaubwürdigkeit. Entspannt geben sie den Beatles-Hit "All you need is love" mit verteilten Rollen – mal geben Männer, mal Alt oder Sopran den Ton an, bis alle nach einer Generalpause schmettern: "All you need is love." Nachdenklich werden sie mit "One of us". Eric Bazilian schrieb das Lied für Joan Osborne. Es stellt alte Fragen zu neuer Musik, die der Chor zugleich hintergründig und zuversichtlich bedenkt: "If God had a name, what would it be?" "What would you ask if you had just one question?" "What if God was one of us?" Bette Midlers "The Rose" lassen sie in klaren Linien strömen und und machen dieses Plädoyer für die Liebe umso eindringlicher.

"Music is Love and Love is all around" hat der Chor sein Konzert genannt. Es ist das erste unter der neuen Leiterin Adriana Lang, die vom Klavier aus dirigiert. Dabei traut sie ihrem Chor viel zu: Sie singt einfach mit und gibt Einsätze meist nur mit Blicken. Selten hebt sie eine Hand oder steht auf. Sie hat ihre Band mitgebracht, das "Adriana Lang Trio" mit Alexander Broschek am Bass und Torsten Wenz am Schlagzeug, die den Chor sehr präsent, aber mit viel Respekt und Sorgfalt begleiten.

Das Trio streut auch eigene Songs ein, in denen Wenz sein Schlagzeug flüstern oder rocken lässt und Broscheks Bass mal melodiös, mal funkig klingt. Lang selbst singt, ihre biegsame Stimme trägt einen tiefen Kern in sich und schmiegt sich mühelos dem Charakter der Songs an: Sanft und im Vibrato fast zergehend in Bob Dylans "Make you feel my love", zwischen Schmerz und Trotz in Alexa Fesers "Gold von morgen" und mit viel Emotion im Elvis-Klassiker "Always on my mind". Marilyn Monroe sang "I'm through with love" im Filmklassiker "Some like it hot", saß im durchsichtigen Kleid auf dem Klavier und meinte es nur halb so ernst. Adriana Lang spielt mit dieser Vorlage, sie startet lasziv, lässt ihre Stimme wie die des Vorbilds flirten und leise kieksen und wird erst mit der Zeit immer mehr sie selbst.

Nach der Pause hocken neben zwei Sängerinnen Kinder mit bunten Bechern vor dem Mundwerk. Souverän händeln sie die Klatsch-Becher-Sequenz aus dem Film "Pitch Perfect", erst allein, dann mit Chor, und das immer lässiger. "You gonna miss me when I'm gone" bekommt so einen ständig treibenden Rhythmus, der den Country-Song richtig mitreißend macht. Dean Martin machte Pablo Betrán Ruiz' "Sway" bekannt, die ehemalige Leiterin von Mundwerk, Christine Waggershauser, schrieb ihrem Chor ein Arrangement. Zu knackigem Latino-Sound ergänzen die Sänger ihr stimmliches Temperament durch Hüft- und Schulterschwünge. Auch Adeles "Skyfall" für den gleichnamigen James-Bond-Film hat Waggershauser arrangiert – dunkle Momente wechseln mit Energieausbrüchen bis zum versöhnlichen Ende. Bei Paul Mc Cartneys "Let it Be" assistieren die Männerstimmen mal dem Schlagzeug, mal dem Bass, während die Frauen ruhiges Vertrauen in ihre Töne legen – schließlich darf der ganze Saal mitsingen. Das Publikum belohnte Chor und Musiker immer wieder mit jubelndem Beifall und stehenden Ovationen am Schluss.

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