Cameron Carpenter ist nicht nur in Pennylvania geboren und hat in North Carolina und New York studiert, er hat auch eine sehr amerikanische Sicht auf die Orgel: Er will sie befreien von ihrer Liaison mit der Kirche, von ihrer Bindung an Architektur und von ihrem Status als Prestigeobjekt in Konzertsälen. Er hat mit seiner „International Touring Organ“ ein digitales Instrument entworfen, mit dem er die großen Bühnen der Welt bespielt. Mit sechs Manualen, Supercomputer und Lautsprecher-Modulen ist sie 16 Tonnen schwer. Ihr Vorteil für den Künstler: er kann auf dem Instrument konzertieren, das er kennt. Ihr Vorteil fürs Publikum: es kann zusehen, da die Orgel auf der Bühne steht.

Der amerikanische Orgelvirtuose Cameron Carpenter ist Artist in Residence des diesjährigen Bodenseefestivals. Beim Eröffnungskonzert am 6. Mai im GZH wird er auf seiner digitalen Orgel Werke von Franck, Rachmaninow und Berlioz spielen, begleitet vom Orchestre National de Lyon unter der Leitung von Leonard Slatkin. Am 14. Mai kommt er wieder, um mit der Academy of St Martins in the Fields selbst arrangierte Musik von Bach, Barber, Britten und Gershwin aufzuführen. Am 7. Mai interpretiert er im Weingartener Kultur- und Kongresszentrum Wagner, Bach und Piazzolla und zeigt einen Tag später Schulklassen sein Instrument.

Zum ersten Mal hat das Festival auch einen „Young Artist in Residence“ zu Gast: Die Einladung der 24jährigen Saxophonistin Grace Kelly ist eine Verneigung vor Amerika als Mutterland des Jazz. Geboren in Massachusetts, schrieb sie schon mit sieben Jahren ihr erstes Lied, nahm mit 12 die erste CD auf und stand bei Barack Obamas Amtseinführung auf der Bühne. Sie konzertierte mit Jazz-Größen wie Dave Brubeck und David Sanborn sowie dem Popsänger Huey Lewis. Für ihre Komposition „101“ wurde sie 2008 mit dem ASCAP Young Jazz Composers Award ausgezeichnet.

Im Auftrag des Bodenseefestivals hat Geoffrey Keezer das Stück für Orchester arrangiert. Am 21. Mai wird Kelly es mit der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben im Tettnanger Schloss aufführen. Auf dem Programm steht noch ein Konzert für Jazz-Saxophon von Thomas Oboe Lee und Dvoraks Sinfonie „Aus der neuen Welt.“ Am Vortag stellt Kelly im Tettnanger Kinderkonzert ihr Instrument vor. Schon am 18. Mai ist sie im Bahnhof Fischbach mit dem New Jazzport Orchestra zu hören.

Einen Höhepunkt des Festivals bildet das gemeinsame Konzert von Cameron Carpenter und Grace Kelly am 22. Mai im Konzerthaus Ravensburg. Die beiden unterschiedlichen Künstler werden dort über verschiedene Musikstücke improvisieren.

An den Bodensee kommen weitere weltweit erfolgreiche Künstler wie der Singer/Songwriter Gregory Porter, der am 7. Mai im GZH seine spezielle Mischung aus Jazz und Soul präsentiert. Am gleichen Tag singt das ECHO-preisgekrönte Ensemble Armacord im Tettnanger Rittersaal Werke von Yves und Copland. Lieder von Gershwin und Korngold interpretiert die Sopranistin Letizia Scherrer dort am 12. Mai. Am 16. Mai müssen sich die Zuhörer entscheiden zwischen dem Peter Fessler Jazz-Quintett mit einem Tribut an Gershwin und Porter in Tettnang und Konzerten für Klavier und Trompete mit Fazil Say, Gábor Boldoczki und der Württembergischen Philharmonie Reutlingen in Weingarten.

So geht es weiter: Der Jazz-Geiger Gregor Hübner kommt am 21. Mai mit einem Quintett in seine alte Heimat Ravensburg. Grammy-Gewinner Snarky Puppy heizt am 26. Mai im GZH mit Funk und Fusion ein. Am 28. Mai präsentiert Kit Armstrong, laut Alfred Brendel die „größte Begabung, der ich in meinem ganzen Leben begegnet bin“, im GZH eine gewagte Mischung aus Debussy, Amy Beach, Paderewski und Nyiregyhazi. Ebenfalls am 28. Mai widmet sich das Arsatius Consort in St. Jodokus Immenstaad frühen amerikanischen Komponisten und ihren europäischen Wurzeln.

Zu den Konzertterminen kommen Foto- und Buchausstellungen, Tagungen, Theatervorstellungen, Lesungen und Filme. „Paul Taylor´s American Modern Dance“ zeigt am 19. Mai im GZH Choreographien des Altmeisters. Das Komponistenporträt am 28. Mai in der Kirche St. Nikolaus stellt Matthew Brown aus Los Angeles vor, der sich hauptsächlich vokalen Werken verschrieben hat. Ein eigenes Kinder- und Jugendprogramm lockt mit Lesungen und Kindertheater, einem Büchertisch im Medienhaus und dem Musiktheater „Die zauberhafte Welt des Herrn Alexander“ am 27. Mai in der Stadtbücherei Ravensburg.
 

Programme und Tickets gibt es der Bodenseefestival GmbH, Olgastraße 21 in Friedrichshafen. Ticketservice: tickets@bodenseefestival.de. Mehr Informationen: www.bodenseefestival.de