So nah Verdi dem Menschen in seinen Opern kam, so existenziell ist in seinem Requiem die Auseinandersetzung mit dem Sterben und dem, was danach kommt. Sein "Tag des Zorns" braust mit Posaunen und großer Trommel heran, vor dem "Rex tremendis" zittern Chor und Solisten, immer wieder flehen sie: "Erlöse mich!"

"Die Aktualität dieses Werks ist erschreckend in der Zeit, in der wir leben", sagt Nikolaus Henseler, Dirigent und Vorsitzender des Projektchors "Camerata Serena". "Verdi malt die Schrecken des Todes aus. Da wird Panik spürbar, wenn es dem Chor regelrecht die Sprache verschlägt." Er wird das Requiem am ersten Advent im GZH mit der Camerata Serena, dem Chor der Musikhochschule Trossingen und der Südwestdeutschen Philharmonie aufführen.

Die Camerata Serena bei einem Probenwochenende in Ochsenhausen.
Die Camerata Serena bei einem Probenwochenende in Ochsenhausen. | Bild: Camerata Serena

Verdi brauchte zwei Anläufe für die Vertonung der katholischen Totenmesse: die ersten Teile entstanden nach dem Tod des Komponisten Gioachino Rossini. Verdi wollte ihn mit einer Koproduktion italienischer Komponisten würdigen, die nie aufgeführt wurde. Als 1873 der italienische Nationaldichter Alessandro Manzoni starb, bot Verdi der Stadt Mailand eine Messe zum einjährigen Todestag an. Darin setzte er dem wegen seinem Einsatz für die Einigung Italiens verehrten Manzoni ein Denkmal. Danach zog er sich zurück, frustriert vom politischen Stillstand. Er bebaute sein Land, baute Straßen und stiftete ein Hospital. Erst 13 Jahre später komponierte er den "Othello".

Die Sänger der "Camerata Serena" freuen sich auf das Konzert. "Die Musik ist so mächtig, das ist ein Wahnsinnswerk und es macht unheimlich Spaß, das zu singen", sagt Vize-Vorsitzende Sarah Kluge. Dabei stellt das Stück hohe Ansprüche an die Sänger. Die Solisten müssen nicht nur ihre Arien mit Ausdruck und ohne Kitsch interpretieren, sondern auch für die gemeinsamen Passagen eine einige Farbe finden. Der Chor singt sich durch alle Stufen von Todesangst zu Heilsgewissheit und muss den Spannungsbogen halten bis zum "ewigen Licht" am Schluss. Sarah Kluge faszinieren die Gegensätze in der Musik: "Verdi hat manchmal fünffaches piano hingeschrieben, da müssen wir mit geschlossenem Mund singen, damit es leise genug ist. Und dann wird es wieder richtig groß und laut."

Für Nikolaus Henseler, Dirigent und Erster Vorsitzender der Camerata Serena, gehört die Aufführung des Verdi-Requiems zum Abschluss seines Dirigentenstudiums.
Für Nikolaus Henseler, Dirigent und Erster Vorsitzender der Camerata Serena, gehört die Aufführung des Verdi-Requiems zum Abschluss seines Dirigentenstudiums. | Bild: André Hinderlich

Überbordender Melodienreichtum, großes Drama – Kirchenleuten und Musikkritikern nördlich der Alpen war Verdis Requiem lange zu opernhaft. Sie vermissten die Strenge und den gebührenden Ernst bei der Sache. Nikolaus Henseler sieht das anders. "Das Sanctus ist offen und heiter, im nördlichen Verständnis muss es da ernst und gravitätisch werden. Die Komponisten südlich der Alpen wollen das Gleiche ausdrücken, sie haben nur andere Mittel." Für ihn ist das Requiem auf jeden Fall ein liturgisches Werk, schon weil es sich eng an der lateinischen Totenmesse orientiert. "Für mich besteht die Herausforderung auch darin, das Requiem seinem Inhalt angemessen zu präsentieren."

Henseler steht kurz vor dem Abschluss seines Dirigentenstudiums an der Musikhochschule Trossingen. Als Masterstudent assistiert er Professor Michael Alber bei der Leitung des Hochschulchors. Er schlug die Zusammenarbeit vor, denn das Requiem braucht viele Sänger. "Für den Hochschulchor ist das ein schönes, zusätzliches Projekt, für Studenten ist es toll, mit einem Profiorchester zu singen." Die Kooperation mit der Südwestdeutschen Philharmonie war schon für frühere Konzerte angedacht, ließ sich aber erst jetzt realisieren. "Am Wochenende haben die Chöre zum ersten Mal in Trossingen zusammen geprobt", erzählt Kluge. "Es hat gut harmoniert, wir haben uns schnell gefunden im Klang." Jetzt stehen noch die Proben mit dem Orchester an.

 

Die Aufführung

Das Requiem von Giuseppe Verdi wird am Sonntag, 3. Dezember, um 18 Uhr im Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen aufgeführt.

Die Ausführenden sind die Camerata Serena, der Chor der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen und die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz. Die Leitung hat Nikolaus Henseler.

Karten für 28, 25, 22 und 18 Euro (Schüler/Studenten die Hälfte) gibt es unter Telefon 0 75 41/28 84 44 an der GZH-Tageskasse.