„Wir haben Wort gehalten, wir haben hart gearbeitet und wir haben geliefert“, sagte Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand, Beiratsvorsitzender der Katamaran-Reederei Bodensee, bei der Vorstellung der wirtschaftlichen Bilanz der von den beiden Städten Friedrichshafen und Konstanz betriebenen Katamaran-Verbindung für 2017.

Erstmals in der Geschichte seit 2005 wurde ein positives Ergebnis erreicht, ein Plus von 88 000 Euro. „Das ist ein außergewöhnliches Ergebnis“, bilanzierte Norbert Schültke, Geschäftsführer der Katamaran-Reederei, insbesondere für ein Unternehmen, das im gesamten Jahr von morgens bis abends fahre. Üblicherweise würden im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) Deckungsgrade von 25 bis 70 Prozent erreicht. Bei 70 Prozent lägen schon die Erfolgsmodelle.

Neue Anzeigen an Landestellen

Schültke wusste auch von gleich zwei in Arbeit befindlichen Erleichterungen für die Fahrgäste zu berichten. Zum einen sollen die Fahrgäste in Echtzeit über Anzeigen an den Landestellen über mögliche Verspätungen und Ausfälle informiert werden. Zum anderen soll es in Zukunft möglich werden, bei Ausfällen mit den Fahrscheinen für den Katamaran "ohne großen Umstand" ersatzweise den ÖPNV an Land sowie die Fähre Meersburg-Konstanz zu nutzen.

„Wir stehen hier kurz vor dem Abschluss der Verhandlungen“, so Schültke. Ausfälle seien allerdings beim Katamaran sehr selten. „Seit 2005 sind insgesamt 99 Prozent der Kurse gefahren worden“, erklärte Christoph Witte, ebenfalls Geschäftsführer der Katamaran-Reederei und für die Technik zuständig. 2017 seien zwei Prozent der Kurse ausgefallen. Ursache seien extreme Wetterereignisse gewesen. Bei einem Wellengang über 1,20 Meter Höhe könnten die Katamarane nicht mehr gefahrlos fahren.

Seit dem Jahr 2005 verbinden die Katamarane die Städte Friedrichshafen und Konstanz.
Seit dem Jahr 2005 verbinden die Katamarane die Städte Friedrichshafen und Konstanz. | Bild: Katamaran Rederei

Erfolg durch Sonderangebote und Sonderfahrten

Möglich wurde das erste positive Ergebnis insbesondere durch zwei Faktoren, erläuterten die Verantwortlichen. Im Bereich des Marketing durch stetige Fahrgastwerbung mit Sonderangeboten, Kooperationen und Sonderfahrten, wie die Aktion „Blütenzauber“, Fahrten zum Seenachtsfest und Oktoberfest in Konstanz oder das Seehasenfest und zu Messen in Friedrichshafen.

Laut Schültke fahren 60 Prozent der Fahrgäste von Friedrichshafen nach Konstanz und 40 Prozent von Konstanz nach Friedrichshafen. Rund 450.000 Menschen nutzen im Jahr die Katamarane. Dies Zahl habe sich in den vergangenen Jahren eingependelt. Der fahrgaststärkste Tag war im vergangenen Jahr der 26. Mai mit knapp 3000. An die 1300 seien es im Schnitt über das Jahr, so Friedrichshafens Oberbürgermeister Brand.

Andreas Brand, Beiratsvorsitzender der Katamaran-Reederei Bodensee und Oberbürgermeister von Friedrichshafen: "Der Katamaran hat seinen Platz für Einheimische und Touristen auf dem Bodensee."
Andreas Brand, Beiratsvorsitzender der Katamaran-Reederei Bodensee und Oberbürgermeister von Friedrichshafen: "Der Katamaran hat seinen Platz für Einheimische und Touristen auf dem Bodensee." | Bild: Georg Wex

360.000 Liter Diesel eingespart

Zweiter Faktor sei die ständige Verbesserung der Technik der Katamarane mit effizienteren Motoren, speziellen Propellern und Rußpartikelfiltern gewesen, so Witte. Bereits 2013 sei die Geschwindigkeit von 35 auf 32 Stundenkilometer reduziert worden. Herausgekommen ist ein reduzierter Kraftstoffverbrauch. 860.000 Liter waren es im Jahr 2017, der Höchststand von rund 1,22 Millionen Litern wurde 2010 verzeichnet.

Ökologisch betrachtet, reduzierte sich dadurch laut Witte im Vergleich zum Jahr 2010 der CO2-Ausstoß um 900 Tonnen. "Die Katamarane sind ein technisches Meisterwerk", meinte Ingenieur Witte stolz, die aber auch technisch inzwischen sehr weit ausgereizt seien. In Bezug auf das wirtschaftliche Gesamtergebnis spielen für 2017 auch die gesunkenen Spritpreise eine Rolle.

Uli Burchardt, stellvertredender Beirtsvositzender der Katamarn-Reederei und Oberbürgermeister von Konstanz: "Der Katamaran ist heute ein wesentlicher Teil der Bodensee-Region."
Uli Burchardt, stellvertredender Beiratsvorsitzender der Katamaran-Reederei und Oberbürgermeister von Konstanz: "Der Katamaran ist heute ein wesentlicher Teil der Bodensee-Region." | Bild: Georg Wex

Genugtuung nach Kritik von Zweiflern

Von auch persönlicher Genugtung sprachen die Oberbürgermeister Andreas Brand und Uli Burchardt (Konstanz), der stellvertretender Beiratsvorsitzender der Katamaran-Reederei ist, in Bezug auf das positive Ergebnis, nachdem es immer wieder Kritik an der Verbindung gab. Für Burchardt ist damit ein Meilenstein erreicht. "Der Katamaran ist für die Städte und Gemeinden in der Region eine Bereicherung", sagte Burchardt.

Angesichts der technischen Verbesserungen erinnerte er daran: "Der See ist immer auch eine Verkehrsfläche gewesen." Mit dem Katamaran werde diese optimal genutzt. Betrachte man den CO2-Ausstoß im Vergleich mit anderen Verkehrsmitteln, so Witte, sei nur noch zu Fuß gehen und Fahrrad fahren klimaneutraler. Mit der direkten Verbindung zwischen Konstanz und Friedrichshafen habe die Reederei das Ziel erreicht, die Straßen zu entlasten, so Brand. "Viele haben erkannt, dass man mit dem Katamaran einfach entspannt und direkt in die Innenstadt fährt, und lassen ihr Auto gerne stehen", so Schültke. Die Zahl der Dauernutzer sei in den vergangenen Jahren auf rund 1300 angestiegen.

Norbert Schültke, Geschäftsführer der Katamaran-Reederei Bodensee: "Optimierungen sind weiter ein Ziel."
Norbert Schültke, Geschäftsführer der Katamaran-Reederei Bodensee: "Optimierungen sind weiter ein Ziel." | Bild: Georg Wex

Viel Lob gab es von den Oberbürgermeistern für die in den vergangenen Jahren und heute Verantwortlichen mit ihrem Team. Brand erinnerte daran, dass 2005 viele es für unmöglich gehalten hatten, dass die Katamaran-Verbindung einmal schwarze Zahlen schreibt. Ziel sei es, dieses Ergebnis zu halten. "Große Sprünge erwarten wir nicht", meinte Schültke mit Blick in die Zukunft. Dennoch sei die Reederei stetig auf der Suche nach weiteren Nutzungsmöglichkeiten für die drei Katamarane: "Das ist kein Einmaleffekt."

 

Reederei-Chef Schültke: "Optimierung ist weiter ein Ziel"

Drei Fragen an Norbert Schültke, Geschäftsführer der Katamaran-Reederei Bodensee:

Was sind die wesentlichen Erfolgsfaktoren, dass der Katamaran jetzt schwarze Zahlen schreibt?

Das sind mehrere Punkte. Zum einen die Kraftstoffeinsparung durch die Neumotorisierung und neuen Techniken, die sukzessive in den vergangen Jahren eingebaut worden sind. Und natürlich eine flexible Tarifpolitik, die es über das Jahr geschafft hat, eine bessere Gesamtauslastungen hinzubekommen mit 450 000 Fahrgästen pro Jahr.

Christoph Witte, Geschäftsführer der Katamaran-Reederei: "Ökologisch nimmt die Katamaran-Verbindung eine Vorreiterrolle ein."
Christoph Witte, Geschäftsführer der Katamaran-Reederei: "Ökologisch nimmt die Katamaran-Verbindung eine Vorreiterrolle ein." | Bild: Georg Wex

Die Reederei hat das erste Mal schwarze Zahlen geschrieben. Ist es möglich, weitere Optimierungen zu erreichen?

Optimierungen sind weiter ein Ziel, insbesondere um mehr Fahrgastpotenzial zu erreichen, etwa durch Kooperation mit den touristischen Organisationen, mit Reisebusveranstaltern und ähnlichen Anbietern. Wir wollen mehr Bekanntheit des Katamarans sowohl für den täglichen Gebrauch, die Freizeit und touristische Zwecke in der Fläche erreichen.

Wie bekannt ist der Katamaran in Deutschland?

Diese Frage erlaube ich mir nicht zu beantworten. Ich kann nur auf die Gespräche, die ich mit vielen Kollegen anderer Verkehrsunternehmen zurückgreifen: Die kennen alle den Katamaran, zumindest in Baden-Württemberg.

Fragen: Georg Wex